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Gaby Köster: Ein Schnupfen hätte auch gereicht

2008 stellt ein Schlaganfall das Leben der Komikerin auf den Kopf. RTL hat nun ihre Biografie verfilmt und zeigt die Tragikomödie am Karfreitag. Von Jonas-Erik Schmidt

Während einer Drehpause des Films „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ im Oktober 2016: Anna Schudt (r.) spielt Gaby Köster (l.). (Foto: Caroline Seidel/dpa)

Während einer Drehpause des Films „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ im Oktober 2016: Anna Schudt (r.) spielt Gaby Köster (l.). (Foto: Caroline Seidel/dpa)

Es gibt eine Szene in „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“, in der Gaby Köster (Anna Schudt) endlich in ihr Haus zurückkehren kann. Die Kamera verfolgt ihre Fahrt im Rollstuhl, vorbei an einer imposanten Galerie von Comedypreisen. Die Gemütslage ist eigentlich ganz gut. Das Krankenhaus hat sie – zwar mit Hilfe, aber immerhin – auf zwei Beinen verlassen. Doch dann sieht sie das Krankenbett, das man für sie aufgebaut hat. Stimme aus dem Off:

„Da wurde mir schlagartig klar, dass ich von der Selbstständigkeit so weit entfernt war wie Meister Proper von Dreadlocks“.

Die kleine Episode beschreibt den Film, den RTL am Karfreitag zeigt, ziemlich gut (14. April, 20.15 Uhr; im Anschluss gibt es um 22.05 Uhr die Dokumentation „Sonnig geht immer! Gaby Köster und ihr neues Leben“.) Es ist eine Geschichte von Niederschlägen und Erfolgen. Und ein Drama, dem mit Pointen die Schwere genommen werden soll – eine Tragikomödie. „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Gaby Köster (55), die im Jahr 2008 einen Schlaganfall erlitt.

Jedes Jahr ereignen sich mehr als eine Viertelmillion Schlaganfälle in Deutschland. Vor allem ältere Menschen sind betroffen, aber auch jüngere Menschen können einen Schlaganfall erleiden. Man unterscheidet zwei Arten von Schlaganfällen. Ist die Blutversorgung des Gehirns gestört (z.B. durch Gefäßverstopfung), spricht der Arzt von einem Hirninfarkt oder auch ischämischen Schlaganfall. Wird der Schlaganfall durch eine Blutung aus den gehirnversorgenden Blutgefäßen verursacht, bezeichnet man ihn als hämorrhagischen Schlaganfall. In beiden Fällen ist die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrochen, was rasch zum Untergang der betroffenen Hirngewebes führen kann.
Symptome für einen Schlaganfall können starke Kopfschmerzen, Sehstörungen (Doppelbilder, verschwommenes Sehen und vorübergehender Sehverlust), Schwindel mit Gangunsicherheit, Übelkeit, Verwirrung und Lähmungen im Gesicht, an Armen oder Beinen sein. Typisch ist etwa ein herabhängender Mundwinkel, eine gelähmter Arm oder ein plötzlich eingeschlafener Fuß.
Übergewicht, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Rauchen, hohe Choleserinwerte und Diabetes sind Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Eine gesunde Ernährung, Sport und Gewichtsabnahme leisten einen großen Beitrag dazu, um das persönliche Schlaganfallrisiko zu verringern.
(RP/ag)

Inmitten des Medien-Zirkus

Die Aufgabe, die sich RTL damit gestellt hat, ist keine ganz leichte. Zum einen weiß man ja, wie die Geschichte ausgeht: Gaby Köster kehrt 2011 tatsächlich zurück ins Rampenlicht – übrigens mit Dreadlocks. Zum anderen ist die Komikerin ja nicht Helmut Schmidt. Sie ist keine historische Figur, sondern mittlerweile wieder zur Primetime im Fernsehen zu sehen („Die Puppenstars“). Für ein Biopic kommt „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ ziemlich früh.

Als Hauptdarstellerin schlüpft Anna Schudt (43) in die prominente Rolle. Man kennt sie als Hauptkommissarin Martina Bönisch aus dem Dortmunder „Tatort“, nun stand sie vor der komplizierten Aufgabe, neben die reale Köster eine Film-Köster zu stellen. „Natürlich war ich oft am Zweifeln. Manchmal dachte ich: Ohje, wenn das schief geht, will ich mich gerne vom Balkon abseilen und nie mehr wieder kommen“, sagt sie.

Gaby Kösters Buch war die Vorlage für die RTL-Tragikomödie. (Foto: Caroline Seidel/dpa)

Gaby Kösters Buch war die Vorlage für die RTL-Tragikomödie. (Foto: Caroline Seidel/dpa)

Der Film zeigt Köster zu Beginn als rastlose, unablässig Kölsch plappernde Komikerin inmitten des Medien-Zirkus. Ständig steckt sie sich eine Fluppe an – und wundert sich nur ein bisschen, dass ihr Arm immer wieder einschläft. Ein neues Solo-Programm steht an. Doch statt auf der Bühne landet sie in einer Klinik: Schlaganfall. Die Ärzte retten sie, aber zu Beginn kann sie kaum reden und sich nur minimal bewegen. In Physiotherapeutin Jacky (Jasmin Schwiers) findet sie so etwas wie eine Sparringspartnerin für den Kampf zurück ins Leben.

Wiedersehen mit vielen Bekannten

Optisch ist man schier erstaunt, wie ähnlich Hauptdarstellerin Schudt und Köster aussehen. In Rückblenden ist die echte Köster in ihrer Paraderolle als Kassiererin in der Serie „Ritas Welt“ zu sehen – der Unterschied fällt kaum auf. Die größere Hürde ist ihr kölscher Singsang, den man irgendwie immer noch im Ohr hat. Schudt – eine gebürtige Konstanzerin – paukte den Dialekt mit Hilfe eines „Kölsch-Coaches“. Irgendwann kauft man ihr aber auch das ab.

In Nebenrollen sind Hella von Sinnen (58), Mike Krüger (65) und Hugo Egon Balder (67) zu sehen, die sich selbst spielen. Auch Jasmin Schwiers, die die Physiotherapeutin spielt, kennt Gaby Köster persönlich – in „Ritas Welt“ war sie ihre Serien-Tochter. Manchmal fragt man sich, ob es so viele Querverweise in den realen Köster-Kosmos gebraucht hätte. Und ob man nicht noch mehr Raum hätte lassen können für Momente, die radikal mit dem Bild brechen, das man von Gaby Köster seit „Ritas Welt“ hat – jene, in denen selbst sie keinen flotten Spruch mehr weiß. Es gibt sie, aber sehr dosiert.

Zugleich ist die Film-Köster natürlich äußerst unterhaltsam mit ihrer Schlagfertigkeit, die oft ins Garstige rutscht. Hauptdarstellerin Anna Schudt hat sich auch schon das Urteil ihrer Vorlage eingeholt. „Gaby war Gott sei Dank zufrieden.“

(dpa)

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