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Ganz eiskalt – RSB Thuringia Bulls neuer Spitzenreiter

Gipfeltreffen des deutschen Rollstuhlbasketballs: Katerstimmung beim gestürzten Tabellenführer RSV Lahn-Dill.

Philipp Häfeli (RSV Lahn-Dill, #10) wird von Jens-Eike Albrecht (RSB Thuringia Bulls, #12) bedrängt, rechts beobachte die Szene Raimunds Beginskis (#6). (Fotos: Armin Diekmann)

Philipp Häfeli (RSV Lahn-Dill, #10) wird von Jens-Eike Albrecht (RSB Thuringia Bulls, #12) bedrängt, rechts beobachte die Szene Raimunds Beginskis (#6). (Fotos: Armin Diekmann)

Tabellenführer RSV Lahn-Dill ist am 16. Spieltag der Rollstuhlbasketball-Bundesliga jäh vom Platz an der Sonne gestürzt worden. Nach der verdienten 72:88 (12:25/29:46/47:64)-Niederlage am Sonntag in der Messehalle Erfurt gegen den neuen Spitzenreiter RSB Thuringia Bulls herrschte bei den Mittelhessen in bester Aschermittwochmanier Katerstimmung und tiefe Enttäuschung über die eigene Leistung, die insbesondere Defensiv nicht ausreichte, um den Gastgeber in wirkliche Bedrängnis zu bringen.

Durch die 16-Punkte-Niederlage in der thüringischen Landeshauptstadt hat der RSV Lahn-Dill nicht nur die Tabellenführung an seinen ärgsten Widersacher abgeben müssen, sondern auch den in den Playoffs wichtigen Heimvorteil sowie zusätzlich die vermeintlich leichtere Halbfinalserie gegen Aufsteiger Wiesbaden verloren.

„Unser Auftritt heute war insbesondere in der ersten Halbzeit absolut enttäuschend. Wir waren mental nicht bereit und haben uns im ersten Viertel fast überrollen lassen“, so ein frustrierter RSV-Trainer Nicolai Zeltinger. Der 45-Jährige bezog sich dabei vor allem auf die 25 Gegenpunkte, die die Wetzlarer Rollis mit der bisher besten Verteidigung der Liga bereits im ersten Viertel einstecken mussten.

Michael Paye (RSV Lahn-Dill, #5) im Duell mit Vahid Gholamazad (RSB Thuringia Bulls, #7), rechts beobachten Joakim Linden und Joe Bestwick die Szene. (Fotos: Armin Diekmann)

Michael Paye (RSV Lahn-Dill, #5) im Duell mit Vahid Gholamazad (RSB Thuringia Bulls, #7), rechts beobachten Joakim Linden und Joe Bestwick die Szene. (Fotos: Armin Diekmann)

So geriet der RSV schnell von 5:6 (4.) über 9:14 (6.) mit 11:19 (7.) in Rückstand. Auf der Gegenseite lief der Motor beim Gastgeber von der ersten Sekunde an wie ein schweizerisches Uhrwerk. Der Lette Raimunds Beginskis nutze zunächst jeden noch so kleinen Freiraum, ehe Center Aliaksandr Halouski die Regie auf dem Parkett der Messehalle übernahm. Am Ende kam der Nationalspieler auf bärenstarke 41 Punkte bei einer Trefferquote von 87,5 Prozent.

Lahn-Dill defensiv mit überraschenden Schwächen

Zu viel für einen RSV Lahn-Dill, der auch im zweiten Spielviertel trotz leichter Verbesserung noch lange nicht auf Augenhöhe mit dem Gastgeber war. Immer wieder, wenn sich Michael Paye & Co. zumindest leicht herangekämpft hatten, wie beim 27:37 (17.) durch einen Dreier von Nico Dreimüller, machten einfache Fehler die eigene Kraftanstrengung zunichte. Beim 29:46 zur Pause hatten die Mittelhessen bereits deutlich mehr als ihr Polster aus dem 71:59-Erfolg im Kampf um den direkten Vergleich verspielt.

Nach dem Seitenwechsel kam der zwölffache Deutsche Meister jedoch zumindest mental zurück, doch weiterhin zeigten sich deutliche Schwächen in der Verteidigung. Kam die magische Zwölf-Punkte-Marke, wie beim 39:52 (25.) durch Kapitän Paye, wieder in Sichtweite, schlugen die mental überaus stabilen Thuringia Bulls eiskalt zum 42:58 (27.) zurück

Erst im vierten und letzten Spielviertel schien sich doch noch einmal eine Wende anzukündigen, nachdem der RSV Lahn-Dill mit einem 11:0-Lauf urplötzlich Oberwasser zu bekommen schien. In der 33. Spielminute war der zuvor fast komfortabel anmutende Vorsprung der Hausherren beim 58:64 bis auf sechs magere Punkte geschmolzen. Doch der Titelverteidiger ließ sich nur kurz aus dem Konzept bringen und hatte beim 59:70 (36.) die erwähnte Marke schon wieder aus seinem Blickwinkel fest im Visier.

Verdienter Sieg von Thüringen

In den letzten Minuten der Partie war die Begegnung beim Kampf um den direkten Vergleich nun kaum noch an Spannung zu überbieten. Letztmals 29 Sekunden vor der Schlusssirene, beim 70:82 durch einen Dreier von Piotr Luszynski, und wenige Sekunden später durch einen weiteren Korb des polnischen Centers zum 72:84, hatte der RSV die Nase hauchdünn vorne. Doch am Ende fehlte einem nun auch glücklosen und nicht stabilen RSV die nötige Fortune, die den Gastgeber auch in den letzten Sekunden auszeichnete.

Unter dem Strich überzeugte Thüringen vor allem durch eine extrem hohe Wurfquote, die im Teamdurchschnitt bei hohen 63 Prozent lag. Alleine von der Freiwurflinie nutzte der neue Tabellenführer 23 seiner sich bietenden 26 Chancen und schlug damit den RSV auch in dieser Höhe absolut verdient mit 88:72, wozu auch eine 30:17-Reboundüberlegenheit beigetragen hat.

Thüringen: Aliksandr Halouski (41), Raimund Beginskis (19/1 Dreier), Joakim Linden (17), André Bienek (4), Vahid Gholamazad (3), Jens-Eike Albrecht (2), Teemu Partanen (2), Vanessa Erskine, Benjamin Kenyon, Marcus Kietzer (n.e.), Marvin Malsy (n.e.).
Lahn-Dill: Piotr Luszynski (20/1), Michael Paye (20/1), Thomas Böhme (15), Philipp Häfeli (8), Nico Dreimüller (5/1), Joe Bestwick (2), Jan Haller (2), Annabel Breuer, Dirk Köhler, Björn Lohmann, Christopher Huber (n.e.).

(PM/aj)

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