Gauck träumt: „Mitarbeiter freistellen, die ihre Angehörigen pflegen“

Der Bundespräsident verlangt von Unternehmern mehr Freiheiten für Angestellte, die sich um ihre Verwandten kümmern müssen.

Bundespräsident Joachim Gauck (Foto: dpa)

„Wir brauchen mehr Arbeitgeber in Deutschland, die ihre Mitarbeiter für die Pflege von Angehörigen freistellen, ihnen Teilzeit oder Telearbeit ermöglichen“, sagte Bundespräsident Joachim Gauck am Freitag laut Redemanuskript in Bonn bei einer Festveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA). Die Öffentlichkeit müsse diese Pflege genauso unterstützen wie den Mutterschutz oder die Elternzeit. Gut gemeint, findet ROLLINGPLANET, aber ob das je Realität wird?

Zudem appellierte Gauck an Nachbarn und Freunde, im Notfall einzuspringen. „Wir brauchen nicht nur Strukturen und Gelder, um die Zukunft zu bewältigen“, sagte er. Die Gesellschaft stehe an einem Punkt, „wo wir Frist und Finale unseres Menschseins nicht weiterhin kollektiv ausblenden können“.

Gauck hatte die Tradition der bisherigen Bundespräsidenten fortgesetzt und im Juli die Schirmherrschaft für das KDA übernommen. 1962 hatten der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke und seine Frau Wilhelmine Lübke das Kuratorium ins Leben gerufen – der Verein trägt deshalb im Untertitel den Namen „Wilhelmine-Lübke-Stiftung“. Laut Satzung hat der Verein die Aufgabe, „die Lebenssituation betagter älterer Mitbürger zu erforschen und so zu beeinflussen, dass sie eine Lebensführung erlaubt, die der Würde des Menschen entspricht“.

(dapd/RP)

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2 Kommentare

  • Elbdeichlady

    Aus aktuellem Anlass möchte ich darauf antworten: Ich bin seit 18 Jahren Pflegeperson für zwei schwerstfach behinderte Kinder, die lebensbegrenzt erkrankt sind. Ich habe mich damals entschieden, meine eigene berufliche Karriere zurückzustellen und mich für ein lebenswertes Leben meiner Kinder einzusetzen. Bis heute ist es mir gelungen, dass beide Jungs trotz aller körperlichen Einschränkungen gut leben können. Den Blick in die Zukunft habe ich dennoch nicht verloren, irgendwann muss es ein Leben danach geben. Vor einigen Monaten habe ich dann das Unmögliche gewagt: Ich habe mich beim Arbeitsamt erkundigt, was ich denn für Möglichkeiten habe, mich wieder eingliedern zu lassen. Die unfassbare Antwort darauf war: NICHTS, keine Möglichkeiten, gar nichts. Das heißt im Klartext: Wenn der Tag X eintritt, sitze ich auf der Straße, ohne Einkommen, nichts mehr! Es ist keiner für Frauen zuständig, die jahrelang gepflegt haben. Ich bin nun 48 Jahre alt und fühle mich nicht zu alt, ich will ARBEITEN, meinen Lebensunterhalt verdienen. Aber man läßt mich nicht. Die AA hat mich salbungsvoll mit der Begründung abgelehnt, ich hätte das ja nicht tun müssen…mich um meine Kinder kümmern, dann hätte ich jetzt nicht diese Probleme. Ich möchte hier auf ein großes Problem hinweisen: Liebe Angehörige: überlegt es Euch bitte genau, ob Ihr diese Pflege machen wollt. Ihr werdet leider dafür die Quittung bei Eurer Rente im Alter bekommen. Ich habe Hunderte von Telefonate geführt, aber keiner konnte oder wollte mir den wirklich guten Tipp geben, wie ich das AA dazu bringen kann, mir diese Wiedereingliederungsmaßnahmen zu bewilligen. Ich habe all die Jahre nichts eingezahlt. Das ist die Rechtslage…

    6. Oktober 2012 at 20:29
  • Willi Schroeder

    Das ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung des Staates … der vom Staat verursachte Pflegenotstand soll jetzt von Angehörigen der zu Versorgenden aufgefangen werden … wer zahlt das und in welcher Form ???

    5. Oktober 2012 at 23:32

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