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Geheimfavorit Türkei kapituliert vor sensationeller Passiwan-Show

Rollstuhlbasketball-WM in Incheon: Deutsche Mannschaft zeigt ihre bisher beste Leistung – und ein Debütant begeistert.

Topscorer Dirk Passiwan (#11) gegen Özgür Gürbulak (#5). (Foto: Andreas Joneck)

Topscorer Dirk Passiwan (#11) gegen Özgür Gürbulak (#5). (Foto: Andreas Joneck)

Anspannung auf der deutschen Bank, v.l.: Techniker Tim Plaß, Teammanager Christopher Küffner und Co-Trainer Ralf Neumann. (Foto: Andreas Joneck)

Anspannung auf der deutschen Bank, v.l.: Techniker Tim Plaß,
Teammanager Christopher Küffner und Co-Trainer Ralf Neumann. (Foto: Andreas Joneck)

Die deutsche Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Herren kommt bei der Weltmeisterschaft im südkoreanischen Incheon immer besser in Fahrt und hat sich im zweiten Spiel der Zwischenrundengruppe F mit einem hochverdienten 76:52 (12:11/29:24/49:40) gegen die Türkei gehörig Respekt verschafft. Überragender Akteur im deutschen Trikot war der Trierer Dirk Passiwan, der unglaubliche 46 Punkte erzielte.

Der Mann des Tages war es auch, der nach einem Blitzdreier des türkischen Stars Özgür Gürbulak beim 6:5 (3.) die erste deutsche Führung erzielte. Entschlossen und mit dem nötigen Selbstvertrauen des Erfolges über Schweden im Kopf, agierte Deutschland von Beginn an enorm druckvoll, spielte eine fantastische Defensive und erarbeitete sich in der Offensive immer wieder hervorragende Wurfoptionen.

„Hier muss ich neben einem bärenstarken Dirk Pass Passiwan auch Debütant Jens-Eike Albrecht besonders hervorheben. Was der Junge heute geleistet hat, war einsame Spitze“, lobte Bundestrainer Nicolai Zeltinger besonders den Thüringer in seinem Team (siehe auch Porträt unten). Dennoch hielt die Türkei in einem offenen Schlagabtausch auf hohem Niveau die Partie weiter offen, auch wenn Deutschland in die Pause mit einem erstmals etwas größeren Vorsprung gehen konnte.

Zeigte eine starke Leistung: Jens-Eike Albrecht (#12) mit Ball gegen Ferit Gümüs (#13), vorne André Bienek (#8). (Foto: Andreas Joneck)

Zeigte eine starke Leistung: Jens-Eike Albrecht (#12) mit Ball gegen Ferit Gümüs (#13), vorne André Bienek (#8). (Foto: Andreas Joneck)

Nun geht es gegen die USA

Nach dem Wechsel schlug nun die Stunde von Passiwan, der sich immer wieder selbst Wurfpositionen erarbeitete und von seinen Kollegen zudem immer wieder gesucht und perfekt angespielt wurde. Bereits beim 37:27 (23.) schien die Türkei langsam aber sich am Scharfschützen der Goldmann Dolphins Trier zu verzweifeln.

Mit dem Spiel der eigenen Mannschaft hadernd, provozierte Trainerikone Sedat Inescu in der Folge ein technisches Foul, doch auch dies konnte an diesem Tag sein Team nicht mehr wachrütteln, während Passiwan alleine im zweiten Durchgang 27 Punkte erzielen konnte. Am Ende resignierte der Medaillenkandidat ob der taktischen wie spielerischen Überlegenheit der DBS-Auswahl, die das Ergebnis im vierten Viertel auf 76:52 katapultierte.

Mit einer erneuten Steigerung zu den bisher vorausgegangenen Partien liegt Deutschland momentan auf einem vierten Rang in seiner Gruppe, der die Qualifikation für das Viertelfinale bedeuten würde. Der Mannschaft von Bundestrainer Zeltinger nicht ganz in die Karten gespielt hat am vierten WM-Tag in Südkorea dagegen der sensationelle 54:41-Erfolg Italiens gegen den Topfavoriten USA.

Am Mittwoch um 14:30 Uhr Ortszeit (7:30 Uhr MESZ) stehen sich nun die US-Boys um die beiden Bundesligaspieler Michael Paye und Steve Serio vom RSV Lahn-Dill sowie die Truppe um Dirk Passiwan in der Samsan World Arena gegenüber.

(aj)

Türkei: Özgür Gürbulak (23/4 Dreier), Fikri Gündogdu (8), Cem Gezinci (6), Ferit Gümüs (6), Murat Arslanoglu (5), Deniz Acar (2), Ismail Ar (2), Bestami Boz, Kaan Dalai (n.e.), Ibrahim Yavuz (n.e.), Murat Yazici (n.e.).

Deutschland: Dirk Passiwan (46/1, Goldmann Dolphins Trier), Jens-Eike Albrecht (10, Oettinger RSB Team Thüringen), Thomas Böhme (10, RSV Lahn-Dill), André Bienek (6, Unipol Briantea ´84 Cantu), Matthias Heimbach (2, 1.FCK Rolling Devils), Kai Möller (2, RSC-Rollis Zwickau), Björn Lohmann (RSV Lahn-Dill), Thomas Becker (n.e., Mainhatten Skywheelers), Jan Haller (n.e., RSV Lahn-Dill), Christopher Huber (n.e., RSV Lahn-Dill), Felix Schell (n.e, RSV Lahn-Dill), Marco Zwerger (n.e., RSV Lahn-Dill).

Debütant als Zukunftshoffnung: Jens-Eike Albrecht


Jens Albrecht
Jens-Eike Albrecht (Foto: Michael Helbing/Rsb-Team-Thüringen/dpa)

Für sein großes Abenteuer am anderen Ende der Welt vernachlässigt Jens-Eike Albrecht sogar sein Studium „Soziale Arbeit“. Damit der 23-Jährige bei der WM im südkoreanischen Incheon dabei sein kann, verschob er seine Prüfungen an der Fachhochschule in Erfurt. „Wenn ich in Korea bei der WM bin, ist eigentlich Prüfungszeit. Aber ich darf meine Arbeiten nachschreiben“, erzählt Albrecht.

Der Pointguard (Klassifizierungspunkte: 2,5) vom RSB Team Thüringen gilt als einer der kommenden Leistungsträger in der Auswahl des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes (DRS). Gemeinsam mit Thomas Böhme und Kai Möller stand er in dem Team, das 2013 in der Türkei erstmals für Deutschland den Titel bei der U23-Weltmeisterschaft gewann. Nach diesem Erfolg wurde das Team zur Behindertensport-Mannschaft des Jahres gewählt.

Jetzt ist das Trio aufgestiegen, der Generationswechsel im Nationalteam hat begonnen. Platz sechs bei der Heim-EM in Frankfurt im letzten Jahr war eher eine Enttäuschung, der Schnitt mit Blick auf die Paralympics 2016 deshalb folgerichtig. „Dass wir drei uns lange und gut kennen, ist natürlich ein Vorteil bei dem Schritt zu den Senioren“, sagt Albrecht. „Es gab einige Veränderungen im Team gegenüber dem letzten Jahr. Sie ist schon deutlich verjüngt worden.“

Schnelligkeit sei eine seiner Stärken, die Erfahrung muss noch kommen: „Es geht bei den Senioren in allen Bereichen ein Stück weit härter zu, das Spiel ist viel physischer. Technisch ist da kein Unterschied zu den Junioren.“ Sechsmal in der Woche trainiert Albrecht, jeweils drei bis vier Stunden am Tag einschließlich Krafttraining, Behandlung durch den Physiotherapeuten und eben spezifisches Basketballtraining.

(Andreas Hardt/dpa)

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