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Gehörlose bei Public Viewing diskriminiert

Restaurant in Hamburg verweigert Gästen Einblendung von Untertiteln.

Achtelfinale gegen Algerien: André Schürrle brachte Deutschland mit einem Tor in der Verlängerung (92.) in Führung (Foto: dpa)

Achtelfinale gegen Algerien: André Schürrle brachte Deutschland mit einem Tor in der Verlängerung (92.) in Führung (Foto: dpa)

In einem Café-Restaurant im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel wollten am Montagabend sechs gehörlose Gäste das WM-Achtelfinale Deutschland gegen Algerien mitanschauen. Der Vorlauf zum Spiel lief mit Untertiteln, die der Besitzer des Cafés auf Anfrage der hörbehinderten Gäste eingeschaltet hatte.

Untertitel sind ein wichtiges Hilfsmittel für gehörlose Fans, um dem Spielgeschehen, Kommentaren und Hintergrunderklärungen folgen zu können. Die Untertitelfunktion ist in jedem modernen Fernseher zuschaltbar und die staatlichen Sender bieten inzwischen mit großer Selbstverständlichkeit die meisten Sendungen mit Untertitel an. Sie stören keineswegs das Bild, da sie in kommentarfreien Szenen nach kurzer Zeit ausgeblendet werden.

Als die Hymne zum Fußballspiel gespielt wurde, waren die Untertitel plötzlich weg und der Restaurantbesitzer weigerte sich diese wieder einzuschalten. Er gestikulierte der gehörlosen Gruppe, dass die Untertitel stören würden und man könnte wegen der Untertitelbalken nichts sehen. Den gehörlosen Fans wurde der Zugang zu den Informationen während des Spieles gesperrt. Sie wurden damit auch von der Gemeinschaft der deutschen Fans ausgeschlossen und vor den Augen aller Anwesenden diskriminierend ins Abseits gestellt.

Mit sturem Blick abgelehnt

Zu diesem Zeitpunkt hielten sich im Restaurant etwa 50 Gäste auf, die an zwei Fernsehern das Spiel verfolgen konnten. Den Vorschlag der gehörlosen Gäste, wenigstens an einem der beiden Fernseher die Untertitelung einzublenden, wurde beharrlich mit sturem Blick abgelehnt.

„Als auch unser Hinweis auf die Diskriminierung unerhört blieb, kündigten wir an, mit der Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen“, so Simon Kollian, einer der gehörlosen Gäste. Kollian ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Deutsche Gebärdensprache an der Uni Hamburg. Der Restaurantchef schrieb daraufhin auf einen Zettel, dass er sich nicht erpressen lasse.

Um das Fußballspiel zu sehen, musste die gehörlose Gruppe schließlich nach Hause fahren und dort allein und weit weg von der allgegenwärtigen Fangemeinde zu Ende zu schauen.

Die Behindertenrechtskonvention (BRK) ist in Deutschland am 26. März 2009 in Kraft getreten. Demnach (Artikel 30) sollen kulturelle Inhalte in barrierefreien Formaten für Menschen mit Behinderungen zugänglich gemacht werden.


Was die Geschäftsleitung des Lokals sagt

(PM)

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2 Kommentare

  • Friedrich Grebe

    Was die Untertitel im TV anbetrifft, schalte ich sie bei Fußball-Spielen grundsätzlich aus. Denn was da geschieht, erkennt selbst ein Blinder! Und was da per Untertitel geschrieben wird, geht manchmal auch „auf keine Kuhhaut“! Ist sehr oft ein erheblich dummes Geschwätz, was einem da vorgesetzt wird. Echt dumme (manchmal sogar echt blöde) Bemerkungen und vielfach auch noch mit Fehlern, sodaß man nichts richtig lesen und verstehen kann. Manchmal auch so schnell, daß man noch nicht mal die Hälfte mitbekommt und der Untertitel schon wieder ausgeblendet ist. Und dafür müssen wir auch noch Fernsehgebühren bezahlen?! Die sollen ihre Arbeit mal besser machen: Überflüssiges dummes Geschwätz weglassen und den kleinen Rest dafür richtig schreiben!!!
    Übrigens: Ich bin gehörlos!
    Peleke

    2. Juli 2014 at 23:46

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