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Gehörlose Schüler erhalten Hamburger Sozial-Oskar

Auszeichnung für ihre Mitarbeit bei Kindernachrichten in Gebärdensprache auf NDR Info.

Robert, Aaliyah und Lukas (inzwischen nicht mehr dabei) sind drei der Kinder von der Elbschule Hamburg, die die Kindernachrichten in Gebärdensprache übersetzen.

Robert, Aaliyah und Lukas (inzwischen nicht mehr dabei) sind drei der Kinder von der Elbschule Hamburg, die die Kindernachrichten in Gebärdensprache übersetzen.

Sechs Kinder der Hamburger Elbschule sind am Dienstagabend beim „Hamburger Herbstempfang“ im Hotel Grand Elysée mit dem Sozial-Oskar ausgezeichnet worden: Aaliyah Ionita (14), Robert Keilmann (13), Fabian Köpp (12), Emil Leske (12), Ricco Richert (14) und Levi Simon (10) bekamen den Preis in Bronze für ihr außergewöhnliches Engagement bei der Produktion der Kindernachrichten von NDR Info in Gebärdensprache (siehe auch Bilderstory unten).

Joachim Knuth, NDR Programmdirektor Hörfunk, freute sich mit: „Die Kinder haben diese Auszeichnung verdient. Nur dank ihres Engagements und dem der Lehrer können wir dieses bundesweit einmalige Projekt für gehörlose Kinder im NDR umsetzen. Der konsequente Ausbau der barrierefreien Angebote liegt uns sehr am Herzen.“

Der Hamburger Sozial-Oskar wird seit 2009 an junge Menschen vergeben, die sich in herausragender Weise sozial engagieren. Gold ging an Jennifer Karimian (Gymnasium Rahlstedt), die sich für Sozialprojekte im Senegal engagiert; Silber an Felix Finkbeiner und Jule Schnakenberg vom Heinrich-Heine-Gymnasium, Schirmkinder der 5. Hamburger Klimawoche Initiative Plant-for-the-Planet.

Jede Woche hochmotiviert ins Studio

Der Norddeutsche Rundfunk und die Elbschule – Bildungszentrum Hören und Kommunikation arbeiten seit Mitte 2012 bei diesem Projekt zusammen. Immer freitags, wenn ihre Freunde schon ins Wochenende starten, fahren die Schüler ins NDR Studio am Rothenbaum, lernen Texte auswendig und übersetzen sie in Gebärdensprache, damit andere gehörlose oder stark hörgeschädigte Kinder erfahren, „was diese Woche wichtig war“.

Obwohl die Aufnahmen nach einer harten Schulwoche oft anstrengend sind und mehrere Stunden dauern, kommen die Elbschul-Kinder mit ihren Lehrern Angelika Wiechel und Ralf Windhoff Woche für Woche hochmotiviert ins Studio.

Im Programm von NDR Info gibt es wöchentliche Nachrichten für Kinder zwischen neun und 13 Jahren immer sonnabends um 11.40 Uhr, 14.40 Uhr und 17.40 Uhr. Sie entstehen in Zusammenarbeit der Mikado-Kinderredaktion und der Hörfunk-Nachrichtenredaktion des NDR. Die daraus entstehende Version für Kinder mit Hörschädigungen ist auf NDR.de zu sehen.

Erstmals im deutschsprachigen Raum haben stark hörgeschädigte und gehörlose Kinder so einen barrierefreien Zugang zu seriösen und altersgerecht dargestellten Informationen aus allen gesellschaftlich relevanten Bereichen. Auch komplizierte Themen werden in verständlicher Form aufgegriffen.

Im Sommer wurden die „Gebärden-News“ bereits in Tutzing bei München durch die Jury des Förderprogramms „Demokratisch handeln“ geehrt.

So entstehen Nachrichten in Gebärdensprache

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15 Uhr Freitagnachmittag. Die Schule ist zwar vorbei, aber Lukas, Robert und Aaliyah haben noch Arbeit vor sich. Die Schüler der Elbschule werden die Nachrichten für Kinder in Gebärdensprache übersetzen. Dolmetscherin Christina Müller hilft ihnen dabei.
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Reporter des Radiosenders NDR Info und der Kinderredaktion haben die Texte geschrieben. Lehrerin Angelika Wiechel (vorne), die Redakteurin der Online-Kindernachrichten Ursula Heerdegen-Wessel und Mediengestalter Nils Burmeister hören sich die Radiobeiträge an. Sie markieren, welches Kind welchen Text gebärden soll.
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Die Kinder übersetzen das, was andere Kinder in den Radiobeiträgen der Kindernachrichten sagen. Die Sendung „Was diese Woche wichtig war“ läuft sonnabends auf NDR Info.
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Wenn fest steht, was Lukas übersetzen soll, liest er sich seine Texte genau durch. „Manchmal verstehe ich den Inhalt nicht so ganz“, sagt der 13-Jährige. Dann fragt er nach.
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Denn mit der Dolmetscherin Christina Müller diskutieren die Kinder darüber, wie sie schwierige Begriffe möglichst einfach übersetzen. Ihre Texte können die Kinder schnell auswendig.
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Dann geht es ins Studio. Nach jedem Satz sollen die Kinder bis zwei zählen und dann denjenigen angucken, der als nächstes dolmetscht. Das ist wichtig, damit die einzelnen Szenen später aneinander geschnitten werden können.
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Die drei wechseln sich mit anderen Kindern der Elbschule in Hamburg beim Dolmetschen ab. Die zwei Stunden am Freitagnachmittag kommen sie freiwillig in den NDR.
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Eigentlich können die jungen Dolmetscher ihre Texte auswendig. Schon im Auto zum NDR lesen sie die zum ersten Mal. Zur Sicherheit aber liegen die Zettel im Studio vor ihnen, denn manchmal vergessen sie ein Wort zu übersetzen und müssen es nochmal machen.
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Wenn die Kinder nach zwei Stunden fertig sind, ist Dolmetscherin Christina Müller dran. Sie gebärdet den Text der Beiträge. Der Leiter der NDR Hörfunknachrichten Tom Heerdegen und Müller besprechen den Inhalt, dann übt Müller ihre Übersetzung.
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Müller wechselt sich mit drei Kolleginnen ab. „Es macht mir viel Spaß, mit den Kindern zu arbeiten“, sagt sie. Nach einer Stunde hat sie ihren Text aufgezeichnet.
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Als letzten Schritt müssen die einzelnen aufgezeichneten Teile aneinander und der Radiobeitrag dazu geschnitten werden. Dann heißt es auch auf Gebärdensprache jeden Sonnabend auf NDR.de „Was diese Woche wichtig war“.

(PM/Fotos: NDR/Carolin Fromm)

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