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Gehörlosenschule in Uganda: Von den Eltern verstoßen, vom Priester gerettet

Eine Behinderung gilt in Uganda oft als Strafe Gottes: Familien schämen sich ihrer Kinder, Förderung ist kaum möglich. Anthony Ssenkaayi wehrt sich dagegen. Der Geistliche lernte Gebärdensprache, opferte seine Ersparnisse und eröffnete eine Gehörlosenschule – doch ihr droht die Schließung.

Im ostafrikanischen Uganda leben 32 Millionen Einwohner. Das Land grenzt im Norden an den Südsudan, im Osten an Kenia, im Süden an Tansania, im Südwesten an Ruanda und im Westen an die Demokratische Republik Kongo. Die Amtssprachen sind Swahili und Englisch, im autonomen Königreich Buganda auch Luganda. Regional werden mehrere andere Sprachen gesprochen.

Uganda wurde 1962 vom Vereinigten Königreich unabhängig. In der Zeit von 1966 bis 1986 unter den Regierungen von Milton Obote und Idi Amin war das Land geprägt von einem totalitären Regierungsstil, Gewalttätigkeiten, schwersten Menschenrechtsverletzungen, bürgerkriegsartigen Zuständen und einem wirtschaftlichen Niedergang. Unter Idi Amin wurden zudem alle Bewohner asiatischer Abstammung des Landes verwiesen. Seit 1986 wird das Land von Yoweri Kaguta Museveni regiert, auch unter seiner Regierung kam es zu Menschenrechtsverletzungen und einer Verwicklung in interne militärische Auseinandersetzungen in den Nachbarländern, dennoch setzte gewisse Beruhigung und wirtschaftliche Erholung ein. Der Süden des Landes wird inzwischen wieder gern von Touristen besucht, in den nördlichen Grenzprovinzen gelten noch immer Reisewarnungen der ausländischen Vertretungen, auch wenn es seit 1999 keine Übergriffe auf Ausländer mehr gegeben hat. (Quelle: Wikipedia)

Aus Kampala berichtet nun die Spiegel Online-Reporterin Sophia Sabrow:

Für behinderte Kinder (…) gibt es in Uganda nur wenige spezielle Schulen, die ihnen eine Ausbildung ermöglichen könnten. Der Staat subventioniert diese Schulen zudem kaum, sie sind sehr teuer und damit für arme Familien meist unbezahlbar.

„Oft verstecken Eltern ihre behinderten Kinder zu Hause, um diese ‚Schande‘ geheim zu halten“, erzählt der Priester Ssenkaayi. „Ihre Eltern glauben, sie seien wertlos und wissen nichts mit ihnen anzufangen.“ Viele Ugander seien zudem sehr abergläubisch, sagt der stellvertretende Geschäftsführer der nationalen Vereinigung behinderter Menschen in Uganda, Edson Ngirabakunzi. Sie sähen in den behinderten Kindern einen Fluch, der sie wegen eines Vergehens oder eines bösen Zaubers heimsuche.

Es mangelt allerdings im Land an der richtigen Förderung. Studien des Bildungsministeriums belegen, dass nur drei Prozent aller behinderten Kinder eine Grundschule besuchen. Der Rest bleibt ohne Unterstützung zu Hause und hilft so gut es geht im Haushalt oder bei der Feldarbeit. Auch wenn sie geistig dazu in der Lage wären, können die meisten weder lesen noch schreiben. Einige können nicht einmal zählen.

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Foto: Markt in einem ländlichen Gebiet Südwest-Ugandas, 1988.
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