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Geht doch: Im fortgeschrittenen Alter, behindert und eine vollwertige Arbeitskraft

Eine kleine Mutmacher-Geschichte aus Halle gegen den Jugendwahn und die Behindertenskepsis: Monika Majunke startet mit Ende 50 und einem körperlichen Handicap beruflich noch mal voll durch. Von Sandra M. Hänel

Die 57-jährige Monika Majunke war fast zehn Jahre lang weg vom richtigen Arbeitsmarkt, wie sie sagt. (Foto: Jens Schlueter/dapd)

Monika Majunke ist froh, endlich wieder gebraucht zu werden. Fast zehn Jahre lang war sie weg vom richtigen Arbeitsmarkt, wie sie sagt. Die 57-Jährige aus Lieskau bei Halle war arbeitslos, jobbte auf 400-Euro-Basis, absolvierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Wegen eines körperlichen Leidens gilt Majunke als behindert. Trotz des Handicaps und ihres Lebensalters hat die zierliche blonde Frau aber nun wieder Fuß gefasst und einen Vollzeitjob gefunden.

Seit Mai arbeitet sie in ihrer Nachbarschaft in einem Ärztehaushalt als Hauswirtschafterin. „Das macht mir Spaß und überfordert mich nicht.“ Majunke wirkt dankbar und stolz über ihre neue berufliche Aufgabe. „Der Job ist aber kein Schonplatz.“ Doch es sei eine Arbeit, die sie mit ihrer Behinderung schaffen könne.

An der richtigen Stelle einsetzen

„Ein Handicap haben und volle Leistung bringen – das ist möglich“, sagt die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Halle, Petra Bratzke. Sie meint, dass Menschen mit Behinderung voll leistungsfähige Mitarbeiter sein können, vorausgesetzt sie sind an der richtigen Stelle eingesetzt. Inzwischen seien gut qualifizierte Menschen mit Behinderung in allen Berufsgruppen zu finden.

Fast 80 Prozent der arbeitslosen Schwerbehinderten im Land haben eine berufliche oder akademische Ausbildung, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Halle sagt. Mit Blick auf den Fachkräftemangel sollte dieses Potenzial stärker ausgeschöpft werden, heißt es.

Zudem würden die Agenturen Firmen, die Menschen mit Behinderung einstellen, mit unterschiedlichen Leistungen unterstützen, weiß Majunke aus eigener Erfahrung. Zum Beispiel übernähmen die Arbeitsagentur Halle und die Integrationsnetzwerke unter anderem die Kosten für Arbeitsmittel, die Behinderte für die Tätigkeit brauchen, fügt Bratzke hinzu.

Behinderung wegen Wirbelbruchs

Auch Majunke ist gut ausgebildet, hat Erfahrung auf ihrem Gebiet. Doch gewollt habe sie niemand mehr im kaufmännischen Bereich, bedauert sie. Und wegen ihres Handicaps könne sie auch gar nicht mehr in früherer Position eingesetzt werden.

Ökonomie hat sie studiert. In der DDR sei sie Wirtschaftskauffrau gewesen und nach der Wende bis 2004 Leiterin eines großen Supermarktes in Halle-Neustadt. „Dann hat das Geschäft dicht gemacht, und ich saß auf der Straße“, erzählt sie. In den letzten Berufsjahren sei sie täglich mit starken Rückenschmerzen zur Arbeit gegangen. „Ich dachte, dass es so sein müsse, weil ich doch auch Kisten schleppte.“ Fleisch- und Gemüsekisten hoben die Frauen im Supermarkt, oft 28 Kilogramm schwer.

Erst bei einem Routinecheck 2005 sei bei Majunke festgestellt worden, dass ein Lendenwirbel angebrochen war. „Ich kann die Arme nur bis zu einer bestimmten Höhe heben“, sagt sie. Und die Schmerzen begleiten sie immer noch durch den Tag. Zu 40 Prozent gelte sie derzeit als behindert.

Anstrengende körperliche Arbeit und „alles, was eine Armbewegung über den Kopf erfordert“ seien passé. Auf gewisse Arbeitsstellen könne sie eben nicht mehr vermittelt werden. Umso schöner sei es, dass ihr die Arztfamilie eine Chance gegeben habe, um wieder in den Arbeitsprozess zu kommen, sagt sie.

(dapd)

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