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Geht doch nicht: Behinderte haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer

Unternehmen erkennen noch nicht das Potenzial von Menschen mit Behinderung – obwohl die oft besser ausgebildet sind.

Sebastian Schwarz, hier am Lenkrad eines Traktors in Achterwehr (Schleswig-Holstein), arbeitet auf einem Außenarbeitsplatz der Preetzer Werkstätten für Behinderte als Gemeindehelfer. Auf der Tagung „Geht doch. Berichte aus dem Arbeitsalltag von Menschen mit und ohne Behinderungen“ berichtet er heute von seinen Erfahrungen im Job. (Foto: Carsten Rehder/dpa)

Sebastian Schwarz, hier am Lenkrad eines Traktors in Achterwehr (Schleswig-Holstein), arbeitet auf einem Außenarbeitsplatz der Preetzer Werkstätten für Behinderte als Gemeindehelfer. Auf der Tagung „Geht doch. Berichte aus dem Arbeitsalltag von Menschen mit und ohne Behinderungen“ berichtet er heute von seinen Erfahrungen im Job. (Foto: Carsten Rehder/dpa)

Aktuelle Zahlen aus Schleswig-Holstein und Sachsen zeigen einmal mehr: Menschen mit Behinderungen haben es schwer, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

„Offenbar erkennen Unternehmen noch nicht in ausreichendem Maß, welche Potenziale in Menschen mit Behinderungen auf dem passenden Arbeitsplatz stecken“, sagte Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (SPD).

Von dem Aufschwung am Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren haben Schwerbehinderte kaum profitiert. Die Zahl der Arbeitslosen in dieser Gruppe liegt nach Angaben der Regionaldirektion Nord der Agentur für Arbeit seit Jahren bei rund 5200.

Tagung „Geht doch“ gegen Vorurteile

Dabei sind sich Experten einig: Menschen mit Behinderungen werden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht, allein um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Um Vorurteile abzubauen, hat der Landesverband der Lebenshilfe am Dienstag zu einer Tagung „Geht doch“ eingeladen.

Dort sollen die Betroffenen selbst zu Wort kommen: Menschen mit Behinderungen erzählen von ihren Erlebnissen, Arbeitgeber und Kollegen berichten, wie sie die Zusammenarbeit erleben.

Mehr als jedes vierte Unternehmen drückt sich

In Schleswig-Holstein haben 26,5 Prozent der verpflichteten Arbeitgeber im Jahr 2011 keine schwerbehinderten Mitarbeiter gehabt, wie aus den aktuellsten Daten der Regionaldirektion hervorgeht. Insgesamt waren von 25 774 Pflichtarbeitsplätzen für Schwerbehinderte 6931 nicht besetzt. Dass dennoch 23.363 Schwerbehinderte beschäftigt waren, liegt an Arbeitgebern, die ihre Quote übererfüllt haben.

Private und öffentliche Arbeitgeber mit mindestens 20 Beschäftigten müssen wenigstens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Mitarbeitern besetzen.

Ähnliches Bild in Sachsen

Auch in Sachsen weiß man: Menschen mit einer schweren Behinderung haben weiter deutlich schlechtere Chancen auf einen Job als andere. Dort ist die Schwerbehinderten-Arbeitslosigkeit im September verglichen mit dem gleichen Vorjahresmonat um 3,5 Prozent auf 10.842 gestiegen, während die Zahl der Arbeitslosen insgesamt um 2,5 Prozent zurückgegangen ist.

Dies teilte die Zwickauer Bundestagsabgeordnete und Arbeitsmarktexpertin der Linke-Fraktion, Sabine Zimmermann, unter Bezug auf die Bundesagentur für Arbeit mit. „Die Lage am Arbeitsmarkt ist für Schwerbehinderte nach wie vor dramatisch“, sagte sie.

Schwerbehinderte oft besser qualifiziert

Zwar seien schwerbehinderte Arbeitslose oft besser qualifiziert als andere Jobsuchende. Fast drei Viertel hätten eine berufliche oder schulische Ausbildung – bei den anderen seien es nur etwa 67 Prozent. Dennoch sei die Langzeitarbeitslosigkeit bei ihnen höher und es dauere länger, bis sie nach einem Jobverlust eine neue Beschäftigung fänden.

Zudem habe von den Menschen mit schwerer Behinderung, die von Januar bis September dieses Jahres aus der Statistik verschwunden seien, nur etwa jeder sechste tatsächlich einen Job gefunden. Der größte Teil werde wegen Arbeitsunfähigkeit oder der Teilnahme an einer Arbeitsmarktmaßnahme nicht mehr als arbeitslos registriert. Bei den anderen sei hingegen fast jeder Dritte in Arbeit vermittelt worden.

(dpa)

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