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Geht „Qualitätskontrolle“ mit querschnittsgelähmter Maria-Christina Hallwachs leer aus?

Es wird wieder eine lange Nacht. In Mülheim an der Ruhr wird am frühen Morgen des Pfingstsonntags der Dramatiker des Jahres gekürt.

Alles echt: Maria-Cristina Hallwachs (r.) mit ihrer Pflegerin (Foto: Staatstheater Stuttgart)

Alles echt: Maria-Cristina Hallwachs (r.) mit ihrer Pflegerin (Foto: Staatstheater Stuttgart)

Anarcho-Theater von René Pollesch, Doku-Drama von Rimini Protokoll oder eine Chance für Nachwuchsdramatiker? Der Endspurt zum renommierten Mülheimer Dramatikerpreis hat begonnen. In der Nacht zum Pfingstsonntag wird im Mülheimer Theater an der Ruhr eine Jury in öffentlicher Debatte den diesjährigen Träger der mit 15.000 Euro dotierten Auszeichnung küren.

Sieben Stücke konkurrieren um den Theaterpreis. Der bekannteste Autor ist dieses Jahr René Pollesch mit seinem an den Münchner Kammerspielen uraufgeführten Stück „Gasoline Bill“. Die Komödie über den Terror der Zwischenmenschlichkeit in einer Doppelhaushälfte gilt bereits als Kritiker-Favorit. Pollesch (51) hatte den Dramatikerpreis schon 2001 und 2006 gewonnen.

Doku-Produktion „Qualitätskontrolle“

Zum zweiten Mal in Mülheim dabei ist die Performance-Gruppe Rimini Protokoll, die 2007 Preisträger war. In ihrer Doku-Produktion „Qualitätskontrolle“ sitzt die querschnittsgelähmte Maria-Christina Hallwachs in einem Rollstuhl auf der Bühne. Sie ist sie auf fremde Hilfe angewiesen.

Die Bühne ist ein Schwimmbecken ohne Wasser – Hallwachs verletzte sich als Jugendliche bei einem Sprung in einen Pool so schwer, dass sie seitdem vom Hals ab gelähmt ist (ROLLINGPLANET berichtete: Wo Querschnittlähmung noch ein Drama sein darf).

Am Wettbewerb teilnehmen dürfen nur Neuschöpfungen der laufenden Saison, keine Roman- oder Filmadaptionen. Erstmals dabei ist der Österreicher Ferdinand Schmalz mit „am beispiel der butter“. Schmalz erklärt darin anhand von Butter und Milch in einer Provinzmolkerei die Welt. In der Auswahl sind außerdem das Stück „Archiv des Unvollständigen“ von Laura de Weck, „Und dann“ von Wolfgang Höll, „Alltag und Ekstase“ von Rebekka Kricheldorf sowie „Du (Normen)“ von Philipp Löhle.

Auch Preis für Kinderstücke

Vergangenes Jahr hatte das Inzestdrama „Von den Beinen zu kurz“ der Schweizer Nachwuchsautorin Katja Brunner gewonnen. Zu den früheren Preisträgern zählen Peter Handke, Botho Strauß und Elfriede Jelinek.

Der Dramatikerpreis wird seit 1976 verliehen, seit 2010 gibt es auch einen mit 10.000 Euro dotierten Preis für Kinderstücke. Diesjährige Preisträgerin ist Milena Baisch mit „Die Prinzessin und der Pjär“, inszeniert vom Grips Theater Berlin (Regie: Grete Pagan).

(RP/dpa)


Nicht ganz leer ausgegangen: „Qualitätskontrolle“ gewinnt Publikumspreis
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