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Geile Innovation: Hightech-Kleid wird bei Erregung transparent

Der niederländische Designer Daan Roosegaarde hat ein Hightech-Kleid entwickelt, das bei sexueller Erregung durchsichtig wird.

„Intimacy2.0“ wird bei Erregung durchsichtig (Foto: Roosegaarde)

ROLLINGPLANET, bekanntlich regelmäßig auf der Suche nach originellen Geschäftsideen für Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM), damit unsere Kollegen nicht ihr Leben lang den ganzen Tag irgendwelche eintönigen Arbeiten erledigen müssen, schaut sich gerne bei Designern um.

Neulich hatten wir ein bahnbrechendes Fahrrad aus Pappe vorgestellt, an dem Ishar Gafni aus Israel jahrelang tüftelte und das er nun in Behindertenwerkstätten produzieren will. Weil die Kontaktdaten von Gafni im Internet nicht zu finden waren, erreichten uns 36 Anfragen von WfbM-Geschäftsleitern, die uns um eine Adresse baten. Die haben wir brav vermittelt, woraufhin eine (!) Dankesmail zurückkam. So viel zum Thema WfbM und Management.

Egal, heute sind wir in Holland fündig geworden. Der niederländische Designer Daan Roosegaarde hat ein besonderes Hightech-Kleid entwickelt: Das Stück – genannt „Intimacy2.0“ – soll eine Interaktion zwischen Technologie und Körperfunktionen darstellen und besteht aus trüben Smart-Folien sowie Leder. Also ideal, um in einer WfbM zusammengeschneidert zu werden, und auf diese Weise kommt dann auch ein bisschen erotischer Pep in die WfbM, den es – wie wir befürchten – dort nur allzu selten gibt.

Bei Herzrasen, ausgelöst durch Erregung, werden Roosegaardes Klamotten transparent. Die Wireless-Technologie ist unter anderem gekoppelt mit Kupfer, LED-Lichtern und anderen elektronischen Medien. Die Stufe der Transparenz richtet sich dabei nach dem Grad der Körperregung. Derzeit ist das Kleid nur in Hongkong und Paris ausgestellt und soll künftig für ein breites Publikum erwerbbar sein.

Produkt provoziert Kick

Von vorne…

und von hinten… (Fotos: Roosegaarde)

„Das Kleid ist eine Art, recht intime Gefühle zu offenbaren. Dazu muss eine Person schon sehr zeigefreudig sein und kann dabei bestimmt auch Genuss empfinden“, erklärt Sexualtherapeut Richard. L. Fellner. Das Kleid sei jedoch als Produkt gedacht, das einen gewissen „Kick“ provozieren soll. „Es nimmt ein anderes Ausmaß an Zeigefreudigkeit an, ohne sich dabei zu entblößen“, sagt er. Es sei für diejenigen vor allem empfehlenswert, die sich sehr sicher fühlen.

Amira, so glaubt ROLLINGPLANET, könnte das beispielsweise tragen. Die Rollstuhlfahrerin aus Leipzig lebt BDSM, eine sexuelle Neigung, zu der oftmals auch das bewusste Zurschaustellen gehört „Es mag komisch klingen, aber die schönsten sexuellen Erfahrungen mache ich mit Männern, die mich als Objekt betrachten, behandeln und dennoch sehr viel Rücksicht auf mich nehmen. Sprich, wenn ich mich wie ein kostbares Spielzeug fühle“, erzählte Amira neulich in einem ROLLINGPLANET-Interview.

Männer-Anzug enthüllt Lügen

Für Personen mit sozialen Problemen und Schamgefühlen sei diese Erfindung allerdings ein etwas zu rabiates Mittel, um diese Hemmungen zu überwinden, so Fellner. „Sie würden sich zu brutal exponieren. Das könnte sie in ihrer persönlichen Entwicklung auch zurückwerfen.“

Das innovative Hightech-Kleid ist Roosegaarde jedoch nicht genug. Der Designer arbeitet zusätzlich an einem Kostüm für Männer, das durchsichtig wird, wenn diese lügen. „Ich sehe das als Gag. Menschen lügen, um etwas zu verstecken“, führt der Therapeut aus.

Das wiederum, glaubt ROLLINGPLANET, wäre dann weniger geeignet, um in einer WfbM produziert zu werden. Man stelle sich vor, ein Beschäftigter würde stolz den WfbM-Direktor bitten, mal das neue Teil anzuprobieren, und ihn dabei versehentlich fragen: „Du, stimmt es wirklich, dass es mir nirgendwo so gut geht wie hier?“

Liebe WfbM-Chefs, bevor Ihr uns wieder treuherzige Mails schreibt und Euch anschließend nicht bedankt, hier gibt es alles über das Produkt und die Kontaktdaten: Studio Roosegaarde

(RP/pte)

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1 Kommentar

  • Michael Ziegert

    Okay, das ist ja wirklich nicht nett von den WfbM-Leuten.

    Aber gleich kräftig zu schmollen und ins fiese Klischee von Werkstätten zu verfallen, in denen Menschen „ihr Leben lang den ganzen Tag irgendwelche eintönigen Arbeiten erledigen“, ist aber auch nicht nett.

    Pfui, schämt Euch!
    😉

    8. Februar 2013 at 17:52

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