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Geistig behinderte Frau sexuell missbraucht: Busfahrer muss fünf Jahre in Knast

Opfer aus der Münchner „Stiftung Pfennigparade“ erhält vor Gericht Recht. Und von Usern Häme.

Hauptsitz der Stiftung Pfennigparade an der Barlachstraße 26

Hauptsitz der Stiftung Pfennigparade an der Barlachstraße 26

Das hatte sich der Täter wohl anders vorgestellt: Als feiges Schwein bedränge ich am besten eine Frau, die sich nicht wehren kann, und falls es doch irgendwie rauskommen sollte, wird ihr ja sowieso keiner glauben.

Es ist anders gekommen. Ein Münchner Busfahrer ist wegen des sexuellen Missbrauchs einer sogenannten geistig behinderten, 19-jährigen Frau zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die 3. Strafkammer am Landgericht München I sprach den 43-jährigen Angeklagten der Vergewaltigung schuldig.

Der Angeklagte war bei einem privaten Omnibusunternehmen beschäftigt, das im Auftrag der Stiftung Pfennigparade, dem Münchner Rehabilitationszentrum für Körperbehinderte, diverse Fahrten übernahm.

Erst onaniert, dann Oralverkehr

Am 6. Dezember 2011 hatte der Angeklagte während des Fahrens vor der 19-Jährigen, die auf dem Beifahrersitz saß, onaniert. Danach zwang er sie zum Oralverkehr. Schließlich griff der Mann dem Opfer zwischen die Beine. Beim Internat angekommen, setzte er die Frau ab. In der Einrichtung erzählte sie von dem Übergriff und erlitt einen Zusammenbruch. In der Folge entwickelte sie einen Waschzwang und Schlafstörungen.

Der Angeklagte bestritt die Tat. Sein Anwalt legte Atteste vor, denen zufolge sein Mandant infolge einer Viruserkrankung an Nierenversagen leide, Dialysepatient und impotent sei. Letzterem widersprachen jedoch die Ärzte vor Gericht, auf Impotenz sei der Mann nie untersucht worden.

Eine wichtige Rolle im Prozess spielte ein Glaubwürdigkeitsgutachten des Opfers. Demnach hatte sich die Frau den Übergriff nicht etwa ausgedacht. Die Angaben der Frau zum Tathergang seien detailliert und absolut glaubhaft.

Wer ist glaubwürdig?

Bemerkenswert sind verachtende Kommentare, die dem Opfer im Leserforum der „Süddeutschen Zeitung“ nachgeworfen werden – und von der Redaktion freigeschaltet wurden (nun gut, es gilt die Meinungsfreiheit). Einer davon stammt von User „thisone“ – der, auch wenn er es so nicht schreibt, insgeheim wohl vermutet, dass eine sogenannte geistig behinderte Frau ohnehin nicht glaubwürdig ist:

„Ein Glaubwürdigkeitsgutachten? Ich lach mich weg und glaube schon lange nicht mehr an den Rechtsstaat… Wo bitte ist denn das Gutachten über Spermaspuren? Die müssen ja irgendwo sein oder nicht… Wo ist das Gutachten über minimalintelligenz des Gerichtes? Und ach ja, der Vergewaltiger ist impotent, aber das Gericht glaubt diesen Gutachten natürlich nicht… Nein, ich war bei diesem Prozess nicht dabei, aber bei hundert anderen knne ich die Aktenlage, immer das gleiche. Der Richter glaubt dem vermeindlichen Opfer, der Täter bringt nur Schutzbehauptungen vor!“

(kf)

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