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Geistig und körperlich Behinderte schützen den kleinen Fluss Panke

Bei dem bundesweiten Jugendwettbewerb „Entdecke die Vielfalt!“ 2011 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gehört die Klasse 5a der Marianne-Buggenhagen-Schule in Berlin zu den Siegern. Und Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule Nürnberg fühlten sich zunächst mit Bienen wohler als mit Behinderten.

Fluß Panke

Fluß Panke

94 Bewerbungen mit rund 1.600 Teilnehmern wurden für den Wettbewerb der DBU eingereicht. Eine Jury aus Mitgliedern namhafter Umweltverbände und Bildungsexperten zeichnete die besten Ideen der Jugendlichen zur biologischen Vielfalt und ihrem Erhalt in verschiedenen Kategorien aus.

Die Klasse 5a der Marianne-Buggenhagen-Schule in Berlin erhielt in Kooperation mit dem Geocaching-Projekt „WASsERLEBNIS“ der BUNDjugend und der DLRG-Jugend einen Sonderpreis. Die Jungen und Mädchen der Förderschule für geistig und körperlich Behinderte starteten ein Projekt zum Schutz des kleinen Flusses Panke. Dazu entwickelten sie eine elektronische Schatzsuche an seinen Ufern.

Die 29 Kilometer lange Panke fließt durch Brandenburg und Berlin und mündet in die Spree. Nach ihr sind die Brandenburger Gemeinde Panketal und der Ortsteil Pankow im gleichnamigen Berliner Bezirk benannt.

“Alle an einer Liane“

Gemeinsamer Start

Gemeinsamer Start

Zwei Schüler finden mit Hilfe eines GPS-Gerätes ihren Weg

Zwei Schüler finden mit Hilfe eines GPS-Gerätes ihren Weg

Zur Not auch mal huckepack – dafür gibt es ja Sonderpädagogen

Zur Not auch mal huckepack – dafür gibt es ja Sonderpädagogen

Die elf Schüler der Klasse 5a der Marianne-Buggenhagen-Schule in Berlin berichten: „Wir werden auch King-Kong-Team genannt und hängen sozusagen alle an einer Liane. Wir sind wild. Wir haben unseren eigenen Kopf, und in dem sind viele gute Ideen. Wir machen gerne neue Sachen, weil wir ziemlich neugierig sind.“

Ziel des Projektes ist es, sowohl den Fluss zu schützen als auch Besucher anzulocken. Der Spaß soll dabei nicht zu kurz kommen. Deshalb wurde eine barrierefreie Tour mit GPS-Suche entwickelt, bei der es gilt, Rätsel und Aufgaben gemeinsam zu lösen. GPS steht für Global Positioning System und wird eingesetzt, um Standorte zu bestimmen und zu navigieren.

Die Schüler hoffen nun, „dass viele Schulklassen und Freizeitgruppen kommen und unseren Weg ausprobieren. Die ersten Klassen haben unseren Weg schon ausprobiert und hatten viel Spaß dabei.“

Die Tour beginnt und endet am S-Bahnhof Berlin-Buch. Dort bekommen Teilnehmer einen Touren-Rucksack mit unter anderem GPS-Geräten. Die ersten Koordinaten führen zum Bucher Schlosspark. Dort gilt es die erste Frage zu lösen: „Wie dick ist wohl die Eiche am Eingang?“

Bienen, Berührungsängste, Behinderte

Mit Bienen kennen sich die 13- bis 16-Jährigen der Geschwister-Scholl-Realschule aus Nürnberg aus

Mit Bienen kennen sich die 13- bis 16-Jährigen der Geschwister-Scholl-Realschule aus Nürnberg aus

Mit behinderten Menschen inzwischen auch ein wenig – die stechen jedenfalls nicht, haben die Geschwister-Scholl-Realschüler gelernt

Mit behinderten Menschen inzwischen auch ein wenig – die stechen jedenfalls nicht, haben die Geschwister-Scholl-Realschüler gelernt

Ebenfalls siegreich waren Schüler aus der fünften bis zehnten Klasse der Geschwister-Scholl-Realschule aus Nürnberg, die in der Sparte „Natur erforschen“ (13- bis 16-Jährige) antraten. Sie befassten sich mit der umfangreichen Pflege des eigenen Bienenstocks und ausgefeilter Öffentlichkeitsarbeit unter dem Motto „Bienen stechen nicht“. Die Jugendlichen präsentierten einen Kunstschwarm auf Veranstaltungen.

Überzeugt hatte die Jury, dass auch Menschen mit Behinderung, die die Aktionen besuchten, ihre Berührungsängste genommen wurden. Die Projektmacher berichten sympathisch, wie nervös sie waren, als sie teilweise zum ersten Mal behinderten Menschen begegneten:

„Vom Förderzentrum für Behinderte in Nürnberg (Berta von Suttner-Straße) erhielten wir Besuch von einer Gruppe Behinderter, die unsere Bienen sehen wollten. Wir wussten zunächst nicht, wie wir ihnen das Thema Bienen rüberbringen sollten. Zuerst haben wir ihnen was zur Bedeutung der Biene erzählt, über die Arbeit und die Instrumente eines Imkers berichtet und sind dann auf die verschiedenen Bienenwesen wie Königin, Drohne und Arbeiterin eingegangen. Wir haben so viel gezeigt und alle Sinne angesprochen, wie wir konnten, und nur so wenig erzählt, wie nötig war. Am besten hat ihnen das Streicheln der Drohnen gefallen, da diese ja nicht stechen können. Die Bienen haben wir den Jugendlichen mit unserem Schaukasten nähergebracht. Im Anschluss an die Führung bei den Bienen konnten sie noch verschiedene Honigsorten probieren. Ich denke, auch wir haben viel gelernt im Umgang mit Behinderten, und sie über die Bienen!“

Fotos: jeweils angegebene Schulen

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