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Gekacktes vom Schwein und 3 Scheißer gesucht

„Happy-Aua“-Zeit mit Bastian Sick: „Wir braten Sie gern“. Der Autor präsentiert wieder sprachlichen Niederungen. Von Frauke Kaberka

Bastian Sick (Till Gläser)

Bastian Sick (Till Gläser)

Ob er will oder nicht – er muss! Bastian Sick („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“) kommt nicht umhin, den Leuten aufs Maul (oder auf ihre schriftlichen Ergüsse) zu schauen. Denn zum einen ist der frühere Spiegel-Online-Journalist derjenige, der seit etwa zehn Jahren versucht, den Deutschen die eigene Sprache auf möglichst spaßig-subtile Weise („Zwiebelfisch“) näherzubringen.

Zum anderen ist er Sammelstelle für zum Verzweifeln komische schriftliche Kuriositäten und Ausrutscher. Nach den großen Erfolgen der drei ersten „Happy-Aua“-Sammelsurien ist nun Sicks (48) vierter Band da – mit der furchterregenden Überschrift: „Wir braten Sie gern“.

Mit Wollust und Grausen

Wir_braten_Sie_gern_CoverDas „Bilderbuch aus dem Irrgarten der deutschen Sprache“ – so der Untertitel – hält über 300 Fundstücke aus dem gesamten öffentlichen Leben parat. Nicht alle sind auf buchstäbliche Unterlassungssünden zurückzuführen wie beispielsweise der heiße Buchtitel.

Viel schlimmer sind jene sprachlichen Missgriffe, die echte Bildungsdefizite offenbaren, wie das Angebot eines Supermarkts, das doch eher einem morgendlichen Appell gleicht: „Speise früh Kartoffeln“. Dabei fragt man sich schon, ob Sicks Kommentare dazu eher mit Wollust oder Grausen geschrieben wurden. Vermutlich eine Mischung aus beidem.

Pädagogin auf sprachlichen Abwegen

Die Kommentierung ist es vor allem, die das vorliegende Buch zu einem echten Sick machen, denn was wäre die Anzeige aus einer Zeitung in Nordrhein-Westfalen „Lehrerin zur Nachhielfe in Erkelenz gesucht (Mate,Deutsch)“ ohne seinen Zusatz: „Wer Hielfe sucht,“. „wird Hillfe finden“: „Pädagogin bietet Legasthenie, Dyskalkulie und Nachhillfe in Deutsch“ („Stadtspiegel“ Essen).

Im Landsberger „Kreisboten“ wurden „17 fleißige Hände“ gesucht. Für den Autor eine durchaus lösbare Rechenaufgabe: „Hier hätten wir eine Stellenofferte für acht Zwei- und einen Einarmigen oder für fünf Zweiarmige und sieben Einarmige.“

3 Scheißer gesucht

Einem Handwerker aus Münsterland bescheinigt der Hamburger Ehrlichkeit, weil dieser sein Alkoholproblem gar nicht erst verheimlicht, auch wenn es ihm wohl eher darum ging, sein Anliegen dringend zu machen: „Maler sucht trinkend Arbeit Innen und ausen“, wie es auf dessen Handzettel heißt.

Einen guten Tipp hat Sick für den Raum Magdeburg parat: „wer für all das nicht zu gebrauchen ist, der ist immerhin noch hierfür qualifiziert: 3 Scheißer () per sofort bei guter Bezahlung gesucht“ („Magdeburger Volksstimme“). Die Klosterklause in Malchow (Mecklenburg-Vorpommern) bietet eine „Küche mit territonallen und saisonallen Zutaten“, was dem Autor das Lob abringt: „Von allen regionallen Angeboten ist dies zweifellos das originallste!“

Grund für schlimmste Befürchtungen

Doch es sind beileibe nicht nur die kulinarischen Offerten wie „Gekacktes vom Schwein“, „Eisbein aus der Schulter“, „Riesengarnelen, ohne Kopf, mit Schal“ oder „Fisch- oder Wurstplatten für Ihre Freier“, die zum Stöhnen oder Lachkrämpfen verleiten. Die neue Sick-ergrube ist prall gefüllt mit Zeugnissen deutscher Rechtschreib- und Grammatikschwäche, die das Schlimmste für die nächste Pisa-Studie befürchten lassen.

Besonders auffällig sei neben einer eher willkürlichen Zeichensetzung auch die sehr eigenwillige Groß- und Kleinschreibung, meint Sick. Am Ende, so warnt der 48-Jährige mit einem Kieler Unternehmen, bleibe womöglich nur noch der Reißwolf: „Wir hüten keine Geheimnisse. Wir vernichten Sie.“

Bastian Sick: Wir braten Sie gern! Ein Bilderbuch aus dem Irrgarten der deutschen Sprache. Kiepenheuer & Witsch Verlag Köln, 208 S., 12,99 Euro, ISBN 978-3-462-04574-1

(dpa)

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