„Geld ist nicht alles!“: Contergan-Opfer fordern Mitsprache in ihrer Stiftung

Neues Gesetzesvorhaben: Christian Stürmer, Vorsitzender des Contergannetzwerkes Deutschland, wehrt sich gegen die geschaffenen Machtverhältnisse.

Christian Stürmer, Bundesvorsitzender des Contergannetzwerkes Deutschland e.V. , ist auf zwei Beinprothesen und auf einen Rollstuhl angewiesen. (Pressefoto)

Christian Stürmer, Bundesvorsitzender des Contergannetzwerkes Deutschland e.V. , ist auf zwei Beinprothesen und auf einen Rollstuhl angewiesen. (Pressefoto)

Die Vertreter der Contergan-Opfer sind erbost. Seit Jahren fordern sie mehr Mitsprache in ihrer Conterganstiftung (ROLLINGPLANET berichtete: Im Konflikt: Die Contergan-Opfer und die Stiftung und Conterganstiftungsgesetz ist umstritten). Anstatt dem aber nachzukommen, hat die große Koalition ein Gesetzesvorhaben in den Bundestag eingebracht, welches am 15. Dezember 2016 verabschiedet werden soll, wonach die Geschädigten nicht mehr, sondern weniger Rechte in der Conterganstiftung bekommen sollen.

Dem Errichtungsgesetz der Conterganstiftung lagen Vereinbarungen zwischen dem Staat, der Firma Grünenthal, welche „Contergan“ auf den Markt gebracht hat und den Eltern der Geschädigten zugrunde. Danach wurden die für die Contergan-Opfer vorgesehenen 100 Million DM der Firma Grünenthal in die Stiftung eingezahlt. Mit dem Errichtungsgesetz der Stiftung wurden sämtliche Ansprüche der Geschädigten gegen die Firma Grünenthal, ihre Eigentümer und Angestellten zum Erlöschen gebracht.

Augenhöhe gefordert

Christian Stürmer, Bundesvorsitzender des Contergannetzwerkes Deutschland e.V. und gewählter Betroffenenvertreter der Opfer im Stiftungsrat, erläutert: „Die Stiftung wurde wegen der Mitschuld des Staates als Schnittstelle zwischen dem Staat und den Geschädigten etabliert und uns Geschädigten, bzw. seinerzeit unseren Eltern, ein adäquates Mitspracherecht versprochen. Dem wurde man nie richtig gerecht.“

Zwei Betroffenenvertreter sitzen im Stiftungsrat der Conterganstiftung drei Ministerialvertretern gegenüber. Stürmer weiter:

„Wir sind dort wegen der Stimmverhältnisse hoffnungslos unterlegen. Man macht dort mit uns, was man will. Wenn wir schon nicht die Mehrheit, bzw. eine paritätische Besetzung in der Stiftung bekommen, so verlangen wir jedenfalls Verhältnisse, dass wir eine Chance haben, berechtigte Anliegen durchzubringen.“

Die Betroffenenvertreter in der Stiftung haben daher in einem gemeinsamen Schreiben von der Politik als ersten Schritt die Hinzufügung von zwei neutralen Personen in den Stiftungsrat verlangt. „Wir fordern, dass man den unseren Eltern gegebenen Versprechen nunmehr endlich nachkommt“, so Stürmer und ergänzt: „Wir wollen auf Augenhöhe behandelt werden. Dazu sehen wir den Staat gerade angesichts seiner Mitschuld verpflichtet – Geld ist nicht alles!“

(RP/PM)

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