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Genial oder Was fantasiert Bundesvorsitzender Mosen? (WfbM)

Gut festhalten: Von den Werkstätten für behinderte Menschen kommt ein echter Hammervorschlag – sie dienen sich Langzeitarbeitslosen an. ROLLINGPLANET kommentiert.

Menowin Fröhlich

Komm doch mal rüber zu uns: "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS)-Star Menowin Fröhlich bei einem zurückliegenden Gefängnisaufenthalt (Foto: Snapfish)

Wissen die WfbM nicht mehr, wohin mit ihren Subventionen? Langweilen sich die nichtbehinderten Betreuer? Sind sie unterfordert? Kriegen sie nicht mehr genügend behinderte Mitarbeiter? Oder will man einfach nur seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden? Wie unser Magazin ROLLINGPLANET WFBM RUNDSCHAU (Link vom 20.4.2012) bereits am Freitag meldete, empfiehlt sich die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAG:WfbM) der Politik – als Auffangstation für Langzeitarbeitslose.

Hintergrund: In Deutschland gibt es 400.000 so genannte Langzeitarbeitslose – Menschen, die seit mehr als zwölf Monaten keinen Job finden. Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA) und zuständig für Hartz IV, hatte Mitte April 2012 in einem dpa-Interview gesagt, dass diese Betroffenen eine individuellere Betreuung benötigten, die stärker ihrer persönlichen Lebenssituation Rechnung trägt: „Wir brauchen für diese Menschen kein Breitband-Antibiotikum an Hilfen, sondern einen Maßanzug.“

“Wir haben die Erfahrung“

Dies brachte den BAG:WfbM-Vorstandsvorsitzenden Günter Mosen auf den Plan (bzw. den hat er schon seit längerem) – und der hat es in sich: „Wir bieten Langzeitarbeitslosen Chancen. In Werkstätten haben wir die Erfahrung sowie die ausgebildeten Fachkräfte, um Unterstützungsleistungen und Arbeitsprozesse an Menschen anzupassen – individuell auf die Person abgestimmt. Wir können diesen Maßanzug schneidern“, führt Mosen aus.

„Von den Qualifizierungsmaßnahmen und Bildungskonzepten könnten Firmen profitieren, die Anleitung und Unterstützung beim Anpassen von Arbeit brauchen. Aber auch ganz unmittelbar die Menschen, die ohne Unterstützung auf dem ‚offenen’ Arbeitsmarkt keinen Fuß fassen können“, so Mosen weiter. „Wir plädieren für eine Weiterentwicklung des Arbeitsmarktes mit Sozialunternehmen. Ein flächendeckendes Netz von 2.500 Betriebsstätten und das Knowhow von rund 70.000 Fachkräften ist bereits geschaffen.“

Den harten Kern zerschlagen

Alt hatte vorgeschlagen, den harten Kern von Langzeitarbeitslosen, ähnlich wie bei Menschen mit Schwerbehinderung, „zu unterstützen“. Ihre Beschäftigung sollte staatlich bezuschusst werden: „Das käme billiger, als ihnen dauerhaft Hartz IV zu zahlen – und die Menschen würden etwas Produktives leisten“. Das kennen wir irgendwie von den behinderten Menschen, die in Werkstätten arbeiten – das kommt billiger, als sie dauerhaft in die Gesellschaft zu integrieren. ROLLINGPLANET drückt den Langzeitarbeitslosen den Daumen, dass sie künftig nicht mit einer Zwangsjacke statt mit einem Maßanzug herumlaufen.

Wie Mosen verriet, unterbreitete er seinen Vorschlag bereits im Juni 2011 der Bundesagentur für Arbeit.

Konsequent zu Ende denken

50 Prozent aller Menschen mit Behinderung haben keine Arbeit. Der Mosen-Plan würde dann auch all jenen unter ihnen, die kein kognitives Handicap haben, aber mehr als zwölf Monate untätig herumlungern, eine echte Heimat ermöglichen. Oder besser: Die Aussicht auf einen Platz in einer WfbM macht ihnen hoffentlich Beine, sich endlich eine der zehn Millionen freien Stellen zu nehmen.

ROLLINGPLANET findet, man muss noch weitergehen: Allen schwer erziehbaren Jugendlichen, gescheiterten Casting-Stars (mit Ausnahme derjenigen, die bei MISS ANGEL 2012 mitmachen), halbresozialisierten Knackis, anderen Freigängern, die weder produktiv sind noch funktionieren, dauermeckernden ROLLINGPLANET-Redakteuren usw. sollte ein Platz in den Werkstätten für behinderte Menschen ermöglicht werden. Weil viele heute möglicherweise noch nicht die geniale Idee von Herrn Mosen verstehen, erklären wir es: So funktioniert Inklusion – kommen wir nicht zu Euch, kommt Ihr zu uns.

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