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Gerhard Bartz: Der Mann, der privat nicht stattfindet

Gerhard Bartz (Foto: privat)

Der Vorsitzende von ForseA e.V. (Bundesverband Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V.) ist einer der engagiertesten Kämpfer für die Umsetzung der UN-Konvention. Ein Kurzporträt.

„Eigentlich verdiene ich nicht schlecht und wäre ich mit meinem Einkommen ganz zufrieden“, meinte Gerhard Bartz vor einigen Jahren. „Aber wegen meiner Frau muss ich auf Sozialhilfeniveau leben“. Das lag jedoch nicht daran, dass er von seiner Frau getrennt lebte oder er zu sehr hohen Unterhaltszahlungen verpflichtet war.

Vielmehr war seine Frau Elke nach einem Autounfall auf umfangreiche persönliche Assistenz angewiesen, für die die Haftpflichtversicherung nur teilweise aufkam. „Meine Frau war damals nicht angeschnallt, und wir mussten knapp die Hälfte der Assistenzkosten selbst finanzieren. Trotz Pflegeversicherung reicht das nicht“. So wurde für Bartz der Gang zum Sozialamt unumgänglich.

2008 verstarb Elke Bartz, die Vorsitzende des 1997 gegründeten Bundesverbandes Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V. (ForseA) mit Sitz in Berlin war. Ihr Mann Gerhard setzt seither von Mulfingen (Baden-Württemberg) aus ihre Arbeit fort und ist seit 2009 ForseA-Vorsitzender. Der Verband hat aktuell mehr als 750 Mitglieder.

6 x 14 Stunden Arbeit

Außerdem erstellt Bartz seit ungefähr sieben Jahren für Kobinet Medientipps und schreibt für das Nachrichtenportal Artikel zum Thema „Assistenz“. Beide Aufgaben bedeuten „einen 14-Stunden-Arbeitstag bei einer 6-Tage-Woche.“

Und warum tut er sich das alles an? Bartz erklärt: „Wichtigstes Ziel ist die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention in Deutschland, vorab das Gesetz zur Sozialen Teilhabe. Ob das in 2012 klappt? Wir hoffen es, da wir nur geltendes Recht einfordern.“

Und was macht der Mann sonst so? „Seit dem Tod meiner Frau“, antwortet uns Bartz, „ist mein Privatleben ziemlich auf der Nulllinie, es gibt nichts Berichtenswertes zu diesem Thema. Sie sehen, privat finde ich nicht statt.“

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