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Geschafft: Contergan-Renten steigen deutlich

Rückwirkend ab Januar sollen Betroffene bis zu 6912 Euro monatlich erhalten.

Betroffene des Contergan-Arzneimittelskandals bei einer Demo am 26. November 2011 in Berlin. (Foto: dapd)

Betroffene des Contergan-Arzneimittelskandals bei einer Demo am 26. November 2011 in Berlin. (Foto: dapd)

Die Renten für die rund 2700 noch lebenden Contergan-Opfer werden deutlich erhöht. Sie sollen rückwirkend ab Januar von derzeit höchstens 1152 Euro auf maximal 6912 Euro monatlich steigen. Dies sieht der am Donnerstag in erster Lesung im Bundestag diskutierte Gesetzentwurf vor. Er wurde gemeinsam von Union, FDP und SPD eingebracht. Auch Grüne und Linke zeigten sich in der Debatte offen für eine gemeinsame Verabschiedung.

Die Regierungskoalition hatte sich im Februar im Koalitionsausschuss darauf geeinigt, mehr Geld für die Versorgung von Contergangeschädigten bereitzustellen (ROLLINGPLANET berichtete).

Für die Erhöhung stellt der Bund 90 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Weitere 30 Millionen Euro sollen eingesetzt werden, um den spezifischen Bedarf der Betroffenen zu decken. „Ein jahrzehntelanger Missstand geht damit zu Ende“, sagte der Vorsitzende des Contergannetzwerks Deutschland, Christian Stürmer.

Und jetzt bitte möglichst unbürokratisch

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, kommentierte: „Ich begrüße, dass die Bundesregierung und die den Gesetzentwurf unterstützenden Fraktionen schnell gehandelt haben. Die contergangeschädigten Menschen haben keine Zeit, langwierige Diskussionen abzuwarten. Dies ist ein Erfolg für die vielen contergangeschädigten Menschen, die sich seit Jahren für Verbesserungen einsetzen. Für entscheidend halte ich dabei die vorgesehene massive Rentenerhöhung. Die Menschen können selbst am besten entscheiden, wie sie ihre Lebenssituation verbessern. Die Hilfen müssen nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens schnellstmöglich unbürokratisch an die Betroffenen gezahlt werden“.

Größter Arzneimittel-Skandal der Nachkriegsgeschichte

Contergan steht für den größten Arzneimittel-Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die rheinische Firma Grünenthal hatte das Schlafmittel 1957 auf den Markt gebracht. Viele werdende Mütter nahmen es ein – vor allem auch, weil es gegen Schwangerschaftsübelkeit half. Doch bald wurden weltweit etwa 10.000 Kinder mit schweren Missbildungen vor allem an Armen und Beinen geboren. In Deutschland waren es ungefähr 5000.

Der körperliche Zustand der heute etwa 50-jährigen Opfer entspricht laut einer vom Bundestag in Auftrag gegebenen Studie jenem von 70- bis 80-Jährigen. Die Kompensation fehlender Hände, Arme oder Beine führte zu folgenschweren Haltungsschäden. Rund 85 Prozent der Betroffenen klagen über Schmerzen. Die Hälfte ist pflegebedürftig.

(RP/dpa)


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