„Gestrandet“: Zermürbendes Warten auf Asyl in Ostfriesland

Ab 7. April im Kino: Lisei Caspers hat über ein Jahr fünf Eritreer begleitet – darunter den gehörlosen Osman. Von Jörg Fischer

Die fünf Eritreer erfahren, dass die bürokratischen Mühlen in Deutschland langsam mahlen. (Foto: Pandorafilm)

Die fünf Eritreer erfahren, dass die bürokratischen Mühlen in Deutschland langsam mahlen. (Foto: Pandorafilm)

Aman, Mohammed, Ali, Hassan und Osman sind nach gelungener Flucht aus Afrika in der Weite Ostfriesland „gestrandet“. Von den Einwohnern der kleinen Gemeinde Strackholt werden die Eritreer recht offen empfangen – besonders die Journalistin Christiane Norda und der pensionierte Lehrer Helmuth Wendt kümmern sich um die jungen Männer im Nordwesten Niedersachsens. Doch die bürokratischen Mühlen in Deutschland mahlen langsam. Monat um Monat warten die fünf Männer vergeblich auf die begehrte Anerkennung. Unter Flüchtlingen und Helfern macht sich lähmender Frust breit.

Die junge Dokumentarfilmerin Lisei Caspers hat sich in „Gestrandet“ den Problemen bei der Integration gewidmet, noch bevor sie angesichts des Flüchtlingsansturms wieder in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt sind. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken, dokumentiert sie mit ihrer Langzeitbeobachtung den schwierigen Prozess sowohl für Flüchtlinge, als auch für die Helfer.

Erst Alphabetisierungskurs, dann Gebärdensprache

Aufwärts geht es für die Eritreer erst, nachdem sie ihre Papiere bekommen haben. Für den Schluss des Films ist Lisei Caspers daher vergangenen Sommer ein halbes Jahr nach dem Abschluss des ursprünglichen Drehs noch einmal nach Strackholt gefahren: Die ersten Dreharbeiten seien an einem Punkt der „absoluten Frustration“ beendet worden. Beim Schnitt habe das Team bemerkt, dass „das Ende der Geschichte in der Luft hing – wie die Flüchtlinge. Ich wollte aber nicht, dass die Menschen aus dem Film gehen und denken, Flüchtlingshilfe bringt nichts“, sagt Caspers.

Inzwischen ist die Euphorie neuer Ernüchterung gewichen, wie die Regisseurin berichtet. Aman, Hassan, Ali und Mohammed lebten jetzt in größeren Orten. Doch die Suche nach Arbeit – der nächsten hohen Hürde – gestalte sich schwierig. Und Osman, der seit seiner Geburt taub ist und während eines Angriffs lybischer Soldaten auf einen Flüchtlingstreck von seinem Bruder getrennt war, müsse zunächst einen Alphabetisierungskurs machen, bevor er in einer Gehörlosenschule die deutsche Gebärdensprache lernen könne.

Der Film kommt am Donnerstag, 7. April 2016, in die Kinos.

(dpa)

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