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Gesundheit ist auch eine Frage der sozialen Stellung

Wer wenig Geld besitzt, neigt nach einer Studie eher zu Erkrankungen. Von Walter Willems

Armut macht krank (Foto: Uschi Dreiucker/pixelio.de)

Armut macht krank (Foto: Uschi Dreiucker/pixelio.de)

Das Resultat klingt erfreulich – zumindest auf den ersten Blick: Drei Viertel der Bundesbürger fühlen sich fit. Sogar bei den Menschen über 70 Jahren schätzt mehr als die Hälfte die eigene Gesundheit als gut oder sehr gut ein, so eine Studie des Robert Koch-Instituts (RKI). Gerade bei den älteren Menschen spricht RKI-Mitarbeiter Thomas Ziese von einer positiven Entwicklung seit 1998, als die Vorgängerstudie veröffentlicht wurde.

Dennoch machen die Ergebnisse nachdenklich: „Die Gesundheit hängt stark von der sozialen Stellung ab“, sagt Ziese. Menschen aus niedrigen sozialen Schichten haben wesentlich häufiger gesundheitliche Probleme – von Bluthochdruck über Diabetes 2 bis hin zu psychischen Störungen.

Große Gesundheitsstudie

In der sogenannten DEGS-Studie (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland) befragten RKI-Mitarbeiter insgesamt 8152 Erwachsene ab 18 Jahren, wie gesund sie sich fühlten. Die meisten Teilnehmer wurden auch medizinisch untersucht.

Ende Mai veröffentlichte das RKI erste Resultate in Dutzenden Artikeln im Bundesgesundheitsblatt. Diese Basispublikationen sind nur der Auftakt: In den nächsten Monaten sollen weitere Resultate mit daraus abgeleiteten Befunden in einer Flut von Publikationen in Fachzeitschriften erscheinen.

Positiver Trend, aber viele Gesundheitsprobleme

Trotz des positiven Trends, bei weitem nicht alle Ergebnisse sind positiv: Bei vielen Gesundheitsproblemen sehen die Forscher einen Anstieg: Dazu zählen etwa Bluthochdruck und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes 2. Dies führt Ziese zumindest teilweise darauf zurück, dass die Bevölkerung heute älter ist als vor 15 Jahren. „Ein Teil des Anstiegs ist altersbedingt“, sagt Ziese.

Demnach hat ein knappes Drittel der Bundesbürger Bluthochdruck – entweder der obere, systolische Wert liegt über 140 oder der untere, diastolische über 90. Dieses Resultat gibt zu denken, denn Bluthochdruck – oft als stiller Killer bezeichnet – steigert die Gefahr für viele medizinische Probleme deutlich, etwa für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Daten sind noch nicht vollständig ausgewertet

Ob der Blutdruck der Bundesbürger auch unabhängig von der Altersstruktur zugenommen hat, verrät die Studie bislang nicht. „Diese Berechnungen sind sehr komplex“, sagt Ziese. „Die Auswertungen laufen noch.“ Das gleiche gilt für psychische Erkrankungen wie etwa Depression. Hier ist zwar die Zahl der Diagnosen eindeutig gestiegen. Ob dies aber eine erhöhte Belastung der Menschen widerspiegelt, sollen weitere Analysen klären.

Erschreckend ist ein anderer Befund der Studie: Wie gesund sich jemand fühlt, hängt stark von der sozialen Schicht ab. Menschen mit geringem Einkommen sind anfälliger für fast alle Erkrankungen – von Diabetes und Bluthochdruck über Herzinfarkt und Schlaganfall bis zu psychischen Störungen.

Fehlende soziale Möglichkeiten

Die Gründe für diese Schieflage spiegeln für Ziese nicht nur individuelles Verhalten wider, sondern vor allem auch fehlende soziale Möglichkeiten. Beispiel Bewegung: Zwar sind Geringverdiener weniger aktiv als wohlhabende Leute.

Aber: „Wenn man in der Nähe der Wohnung viele Grünflächen oder Sportanlagen hat, kann man leichter Sport treiben.“ Beispiel Übergewicht: Zwar bringen Menschen aus niedrigen Einkommensschichten eher zu viele Pfunde auf die Waage. Aber: „Eine gesunde Ernährung mit Obst und Gemüse kostet mehr als ungesunde Lebensmittel.“

„Ein Großteil dieser Kluft könnte durch gute Angebote kompensiert werden“, betont Ziese. „Das ist eine große Herausforderung für die Gesellschaft.“ Genau das ist ein Ziel der Studie. Der Bericht, so der Experte, soll alle Akteure im Gesundheitswesen erreichen – Bund, Länder und Kommunen ebenso wie Ärzte oder Krankenkassen. „Die Informationen werden breit gestreut, damit man diese Daten optimal nutzen kann.“

(dpa)

Gesundheit & Medizin
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