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GEW beklagt Etikettenschwindel: „Alle Signale auf Inklusion stellen“

Die Bildungsgewerkschaft meldet sich zur Bundestagswahl: Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verlaufe zu schleppend.

GEW-Vorsitzende Marlis Tepe (Foto: Facebook)

GEW-Vorsitzende Marlis Tepe (Foto: Facebook)

„Die Bundesrepublik muss alle Signale auf Inklusion stellen und sich endlich von ihrem überholten selektiven Bildungs- und Schulsystem verabschieden“, betonte Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) laut einer Mitteilung.

Mit Blick auf die Bundestagswahl am 22. September am 23. August 2013 in Frankfurt a.M sagte sie: „Eine Schule für alle Kinder, eine Ausbildung und eine einheitliche Bezahlung aller Lehrerinnen und Lehrer: Dieser Dreiklang ist unser Credo für ein inklusives, zukunftsfähiges Schulsystem. Wir schlagen vor, die Entwicklung eines inklusiven Schulwesens als Staatsziel in den Schulgesetzen zu verankern und überzeugende Aktionspläne vorzulegen.“

Kooperationsverbot muss weg

Die GEW-Chefin weiter: „Bund, Länder und Kommunen müssen an einem Strang ziehen, um die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Inklusion erfolgreich umgesetzt werden kann. Dafür muss die neue Regierung nach der Wahl so schnell wie möglich das Kooperationsverbot in der Bildung kippen. Es verbietet dem Bund, Bildungsprograme in den Ländern finanziell zu unterstützen.“

Die Schulen müssten personell und materiell so ausgestattet sein, dass sie die neuen, zusätzlichen Aufgaben gut stemmen können. Das sei Grundvoraussetzung für den Erfolg der Inklusion und die Motivation der Pädagoginnen, Pädagogen, Eltern sowie der Schülerinnen und Schüler, sich auf den Weg zu machen. Zudem müssten die Schulen durch Aus- und Weiterbildungsangebote sowie entsprechende rechtliche Vorgaben so unterstützt werden, dass sie professionell mit Heterogenität in der Schülerschaft umgehen können.

„Inklusion wird teilweise sogar hintertrieben“

„Die Umsetzung der Inklusion, insbesondere der UN-Behindertenrechtskonvention, läuft in den meisten Bundesländern im Schulbereich sehr schleppend. Sie wird teilweise sogar hintertrieben: Eltern werden auf den Rechtsweg gedrängt, wenn sie ein Kind mit Behinderungen haben, das an einer allgemeinbildenden Schule lernen soll“, sagte Tepe. Manche Landesregierungen betrieben auch „Etikettenschwindel“: „Sie hängen an die Schultür das Schild ,inklusiv‘, bleiben aber im Wesentlichen bei ihrem selektiven System.“

Tepe : „Inklusion ist nicht zum Nulltarif zu haben. Sie kostet Geld. Versuche der Länder, Inklusion kostenneutral umzusetzen oder sogar für Einsparungen zu nutzen, verurteilen wir scharf“. So lange Förder- und Sonderschulen parallel zu den allgemeinbildenden Schulen angeboten werden, entstünden zwangsläufig höhere Kosten. Inklusion dürfe nicht zu Lasten der Lehrenden umgesetzt werden.

Der Entwicklungsprozess zur inklusiven Schule könne nur gelingen, wenn die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten und damit die Lernbedingungen der Schülerinnen und Schüler den erforderlichen Standards entsprechen. „Gute inklusive Ganztagschulen und gute Arbeitsbedingungen sind zwei Seiten einer Medaille“, sagte Tepe.

„Förderbedarf muss realistischer ermittelt werden“

„Bisher stellen die Länder insbesondere viel zu wenig Personal für die Umsetzung der Inklusion bereit. Für erfolgreiche Lehr- und Lernprozesse brauchen wir nicht nur Lehrkräfte, sondern beispielsweise auch mehr Schulsozialarbeiterinnen und arbeiter, -psychologinnen und -psychologen in den Einrichtungen. Sie bearbeiten – entsprechend ihrer Qualifikation – unterschiedliche Aufgaben, unterstützen und entlasten sich dabei gegenseitig“.

In der Regel würden die Bundesländer den Personalbedarf nach den alten Quoten des Förderbedarfs berechnen. Im Schnitt seien jedoch 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen sogenannte Risiko-Schülerinnen und -Schüler, die an den Mindestanforderungen von Schule zu scheitern drohen. „Der Förderbedarf muss realistischer ermittelt werden. Das ist Grundlage für eine bedarfsgerechte Personalausstattung und die erfolgreiche Umsetzung von Inklusion“, sagte Tepe.

Es sei unverständlich, dass sich die Kultusministerkonferenz (KMK) nicht auf ein umfassendes Verständnis von Inklusion verständigt hat. Die Folge seien völlig unterschiedliche Entwicklungen in den Bundesländern. Dabei werde Integration häufig als Inklusion verkauft. „Inklusion heißt jedoch: Alle Schulen nehmen alle Kinder mit und fördern sie individuell bestmöglich. Inklusion steht im Widerspruch zum hierarchisch gegliederten deutschen Schulsystem“, betonte Tepe.

(PM)

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