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Gisela Höhne erhält Caroline-Neuber-Preis der Stadt Leipzig 2014

Die Künstlerin leitet seit mehr als 20 Jahren RambaZamba, das wichtigste integrative Theater Deutschlands.

"RambaZamba"-Leiterin und Preisträgerin Gisela Höhne (Foto: Rob de Vrij)

„RambaZamba“-Leiterin und Preisträgerin Gisela Höhne (Foto: Rob de Vrij)

Der mit 10.000 Euro dotierte Caroline-Neuber-Preis wird 2014 an die Regisseurin und künstlerische Leiterin des Theaters RambaZamba Berlin, Gisela Höhne, verliehen. Die Jury würdigt mit ihrer Entscheidung Höhne als eine engagierte Theaterfrau, „die seit mehr als zwanzig Jahren mit jeder Arbeit ihrer professionellen Truppe neues theatralisches Terrain erobert und damit ein Publikum weit über Berlin und Deutschland hinaus begeistert.“

Die Preisverleihung findet am 27. März 2014 in einer Abendveranstaltung im Schauspiel Leipzig, verbunden mit einem Gastspiel des Theaters RambaZamba, statt.

In der Jurybegründung heißt es:

„Gisela Höhne ist Schauspielerin, Theaterwissenschaftlerin, Regisseurin und vor allem künstlerische Leiterin des Theaters RambaZamba in Berlin. Wie Caroline Neuber vor ihr hat auch Gisela Höhne als Geschäftsführerin die Verantwortung für ein Ensemble übernommen – mit allem Engagement und der notwendigen Bereitschaft zum steten Kampf um Existenz und Anerkennung. Im Mittelpunkt ihrer Theaterarbeit steht die gemeinsame, nicht entfremdete Arbeit von Behinderten und Nichtbehinderten. Nicht Mitleidsambitionen sind das Credo, sondern hoher Leistungsanspruch und größte improvisatorische Offenheit.

Beeindruckend ist Gisela Höhnes Fähigkeit, mit unvoreingenommenem freien Blick die ganz eigenen Qualitäten ihrer Schauspieler zu entdecken und zu entwickeln. Im Verlauf der sehr engagierten Arbeit werden die Schauspieler systematisch ausgebildet, einige von ihnen konnten bereits große Rollen im Film und Fernsehen spielen.

Immer besitzen Gisela Höhnes Inszenierungen auch eine klare gesellschaftliche Relevanz, sie setzt sich in jeder Situation für die Menschen ein, mit denen sie arbeitet, sie ist eine unermüdliche Lobbyistin für ihre Truppe – mit Erfolg. Es ist ihr gelungen, die Grundlagen dafür zu schaffen, dass die Darsteller heute vollberuflich als Schauspieler arbeiten können.“

Das ist Gisela Höhne

Höhne, Jahrgang 1949, wuchs in Stralsund auf. Sie lebt seit 1967 in Berlin und hat zwei Söhne. Noch vor dem Studium an der damaligen Staatlichen Schauspielschule Berlin (heute Hochschule für Schauspielkunst Ernst-Busch Berlin) wurde sie stark geprägt von der Berliner Theaterlandschaft:

Zunächst waren es die Aufführungen am Berliner Ensemble und am Deutschen Theater, hier unter der Regie von Benno Besson und Adolf Dresen, später die Inszenierungen von Karge/Langhoff oder Heiner Müller an der Berliner Volksbühne, sowie nach 1989 die Arbeiten von Frank Castorf und Pina Bausch, die ihren Blick auf das Theater und auf die Arbeit mit den Schauspielern prägten. Den Engagements als Schauspielerin folgte ein Studium der Theaterwissenschaften an der Berliner Humboldt Universität, das Höhne 1990 mit einer Promotion abschloss.

"Mit 200 Sachen ins Meer" heißt das aktuelle Stück von RambaZamba (Foto: Ralf Henning)

„Mit 200 Sachen ins Meer“ heißt das aktuelle Stück von RambaZamba (Foto: Ralf Henning)

Das war der Anfang: Sohn Moritz kam mit dem Down-Syndrom zur Welt

1987 gründete Höhne einen Zirkus, in dem erstmals in der DDR geistig behinderte Kinder öffentlich auftraten. Anlass dafür war die Geburt des Sohnes Moritz, der 1976 mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen war.

1989 konzipierten Höhne und Klaus Erforth den Sonnenuhr e.V. als Werkstatt der Künste für Menschen mit geistiger Behinderung und Andere (heute RambaZamba e.V.). 1991 entstand das Theater RambaZamba unter Höhnes Leitung.

Von Beginn an vertraute sie auf das Potenzial ihrer Schauspieler, das sie in der anarchischen Spiellust, im Witz und in der sinnlichen Kraft sah, die jeder Einzelne auf der Bühne freisetzen konnte. Der Erfolg der ersten Inszenierung „Prinz Weichherz“ (Premiere 1991 im Deutschen Theater) machte sie und ihr Ensemble schlagartig einem größeren Publikum bekannt.

Die großen politischen und klassischen Themen

Es folgten 15 weitere erfolgreiche Produktionen, darunter „Kaffee Leben und Tod“ (1995), „Medea“ (1997), „Die Weiberrevue“ (1999), „Orpheus ohne Echo“ (2001), „Mongopolis“ (2003), „Die Winterreise“ (2009), „Der Frieden – ein Fest“ (2010), „Lost Love Lost“ (2011) und „Am liebsten zu dritt“ (2013). Höhnes Inszenierungen wurden zu nahezu 200 Gastspielen eingeladen, unter anderem zu den Expos nach Lissabon und Hannover, an das Akademietheater nach Wien, zu Festivals nach Zürich, Warschau, Rom, Oslo und auf Kampnagel Hamburg, sowie zu den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Aktuell spielt das Theater 80-100 Repertoirevorstellungen jährlich in Berlin.

Höhne entwickelte einen Inszenierungsstil, der sich konsequent an den unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Darsteller orientiert und höchste künstlerische Maßstäbe ansetzt. In der Auseinandersetzung mit großen politischen oder klassischen Themen verfolgt sie das Ansinnen, dass Menschen mit geistiger Beeinträchtigung Kultur und Welt nach ihren individuellen Vorstellungen und Wünschen künstlerisch gestalten und auf diese Weise ein selbstverständlicher Teil der Kulturgeschichte werden. Höhnes Sohn Moritz ist mit seiner mehr als zwanzigjährigen Bühnenerfahrung einer der stärksten Spieler des Ensembles.

Jahrelanger Kampf um finanzielle Unterstützung

Seit 1993 besitzt das Theater RambaZamba eine eigene Spielstätte in Berlin-Prenzlauer Berg. Höhnes jahrelanger Kampf um die finanzielle Unterstützung des Hauses wurde belohnt. Im Jahr 2001 begann die Förderung durch den Berliner Senat. 35 Arbeitsplätze für Schauspieler mit Beeinträchtigung sind seitdem entstanden. Das Theater RambaZamba wird in den Medien als „das wichtigste integrative Theater Deutschlands“ bezeichnet, bei dem „Behinderung als Stärke“ zu erleben ist.

Es erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 1996 den Förderpreis der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg, 1999 den Sonderpreis beim 4. Festival Politik im freien Theater in Stuttgart für „Medea“, 1999 den Deutschen KinderKulturPreis der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie 2004 den Internationalen Kulturpreis der BZ. 2002 erhielten Höhne und Erforth den Verdienstorden der Stadt Berlin. Nele Winkler – seit 1996 Schauspielerin bei RambaZamba – wurde 2012 mit dem Förderpreis des Lessing-Preises für Kritik geehrt.

Aufgrund ihrer „Verdienste um die Teilhabe behinderter Menschen am künstlerischen und gesellschaftlichen Leben“ wurde Höhne im Jahr 2009 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Seit 2010 ist sie alleinige künstlerische Leiterin der Kunstwerkstatt und des Theaters RambaZamba Berlin.

ROLLINGPLANET gratuliert.

Caroline-Neuber-Preis der Stadt Leipzig

Mit dem seit 1998 alle zwei Jahre vergebenen Preis ehrt die Stadt weibliche Theaterschaffende aus dem deutschsprachigen Raum, deren Wirken im Sinne der deutschen Schauspielerin und Theaterprinzipalin Caroline Neuber (1697-1760) Maßstäbe gesetzt hat.

Die „Neuberin“, wie sie auch genannt wurde, arbeitete eng mit Gottsched zusammen, erhielt 1727 das sächsische Privileg, ein festes Theater zu führen und verbannte in Leipzig im Jahr 1737 in einem allegorischen Vorspiel den Hanswurst von der Bühne.
Bisherige Preisträgerinnen waren die Schauspielerin Jutta Hoffmann (1998), die Schauspielerin Inge Keller (2000), die Regisseurin Konstanze Lauterbach (2002), die langjährige Intendantin des Berliner Hebbel-Theaters Nele Hertling (2004), die Regisseurin Karin Henkel (2006), die Festivaldirektorin euro-scene Leipzig Ann-Elisabeth Wolff (2008), die Choreographin Sasha Waltz (2010) und die Intendantin von Kampnagel Hamburg Amelie Deuflhard (2012).

(PM)

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