Gold für Matchwinnerin Mareike Adermann und das Kollektiv

Vor den Augen von Werder-Trainer Thomas Schaaf und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen holen bei den Paralympics nach 26 Jahren wieder Gold. Der 58:44-Finalerfolg über Australien war hoch verdient.

Deutschland hat Gold geholt! (Fotos: Andreas Joneck)

Siegerehrung: Deutschland holt Gold vor Australien und den Niederlanden.

Matchwinnerin Mareike Adermann gegen Cobi Crispin.

Prominente Fans beim Endspiel der Rolli-Damen: Thomas Schaaf (Trainer Werder Bremen), Willi Lemke (Sportfunktionär), Hannelore Kraft (Ministerpräsidentin NRW).

Nationaltrainer Holger Glinicki sollte Recht behalten. Nach dem dramatischen Halbfinalerfolg gegen die Niederlande (49:46) gab er sich zuversichtlich: „Wir sind leichter Favorit im Endspiel, unsere Chancen stehen 60:40.“ Australien liege dem deutschen Spiel, meinte er. Vor allem die Press-Verteidigung sei „eigentlich eine Einladung.“ In der Offensive seien die Australierinnen nicht so stark, was Glinicki zur einfachen Formel brachte: “Wenn wir mehr als 50 Punkte machen, gewinnen wir das Match.”

Und seine Spielerinnen haben mehr als 50 Punkte gemacht. Es war 23:31 Uhr Ortszeit London, als niemand Geringeres als IPC-Präsident Sir Philip Craven in der North Greenwich Arena von London zunächst Mareike Adermann die paralympische Goldmedaille umhängte. Zuvor hatten 17.000 Zuschauer – unter ihnen prominente Fans wie Werder-Trainer Thomas Schaaf und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft – einen hoch verdienten 58:44 (14:10/26:19/34:28)-Erfolg der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Damen über Finalgegner Australien gesehen.

“Beste Leistung im Turnier zum richtigen Zeitpunkt“

Trainer Holger Glinicki (Archivfoto)

„Wir haben heute unsere beste Leistung im Turnier zum richtigen Zeitpunkt abgerufen und verdient gewonnen“, jubelte nach der Schlusssirene Bundestrainer Holger Glinicki, der eine physisch sehr intensive Partie erlebte, bei der sich beide Mannschaften nichts schenkten. Deutschland setzte sich dabei Mitte des zweiten Viertels ab und lebte in der Folge von dieser Führung.

Mareike Adermann (Foto: privat/Twitter)

Topscorerin und vom Trainer zur Matchwinnerin des paralympischen Endspiels erkoren, war die erst 22-jährige Mareike Adermann. Ungeachtet dessen bot die deutsche Mannschaft eine starke Kollektivleistung, die letztlich ausschlaggebend war, um nach den Finalniederlagen bei den Spielen 2008 in Peking und bei der WM 2010 in Birmingham diesmal am Ende jubeln zu können.

Kapitän Marina Mohnen, im Finale nicht ganz so überragend wie im Halbfinale, hatte vor dem Spiel die Marschrichtung ausgegeben: „Silber nervt!“ Genervt war sie gestern Abend und Nacht sicherlich nicht: Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen haben bei den Paralympics nach 26 Jahren wieder Gold geholt.

PS: Bundestrainer Holger Glinicki will in die Themse springen. Das kündigte der selbst im Rollstuhl sitzende Coach unmittelbar nach der Siegerehrung noch in
der Londoner North Greenwich Arena an. „Aber nur, wenn es schön warm ist“, sagte er unter dem Jubel seiner Spielerinnen.

Australien: Kylie Gauci (15/1 Dreier), Shelley Chaplin (8), Clare Nott (6), Coby Crispin (6), Katie Hill (4), Sarah Stewart (2), Sarah Vinci (2), Bridie Kean (1), Amber Merritt, Amanda Carter (n..e.), Tina McKenzie (n.e.), Leanne Del Toso (n.e.).

Deutschland: Mareike Adermann (19, University of Wisconsin/USA), Annika Zeyen (12, University of Alabama/USA), Marina Mohnen (11, Köln 99ers), Edina Müller (8, Hamburger SV), Gesche Schünemann (4, RSV Lahn-Dill), Johanna Welin (4, USC München), Annabel Breuer (Ulmer Sabres), Anne Brießmann (Mainhatten Skywheelers), Britt Dillmann (RSV Lahn-Dill), Heike Friedrich (n.e., Mainhatten Skywheelers), Maria Kühn (n.e., Mainhatten Skywheelers), Maya Lindholm (n.e., Hamburger SV).

(aj/RP)

Ergebnisse (Damen)

Finale
Australien – Deutschland: 44:58

Spiel um Bronze
USA – Niederlande: 47:71

Spiel um Platz 5
China – Kanada: 73:70

Spiel um Platz 7
Großbritannien – Mexiko: 59:37

Spiel um Platz 9
Brasilien – Frankreich: 59:35


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1 Kommentar

  • Thomas Riedel

    Es gilt nur zu hoffen, dass auch die jüngere Generation, die keinerlei Behinderung erfahren hat, endlich einen anderen Blick dafür bekommt und nicht nur diese Paralympics ein Highlight bilden. Auf alle Fälle eine schöne Sache für alle Beteiligten vor Ort-klasse !

    12. September 2012 at 14:07

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