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„Goldene Sportpyramide“: Bewegende Momente mit Willy Bogner und Joachim Deckarm

Beide sind nun in der exklusiven Hall of Fame des Sports. Der Münchner Sportartikel-Produzent und Filmemacher überrascht außerdem mit einer großen Geste für den Behindertensport.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CDU, l) und Joachim Deckarm bei der Verleihung der Goldenen Sportpyramide am 31.5.2013 im Hotel Adlon in Berlin (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CDU, l) und Joachim Deckarm bei der Verleihung der Goldenen Sportpyramide am 31.5.2013 im Hotel Adlon in Berlin (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Willy Bogner hat Sportfilme und unter anderem die Stuntszenen in James-Bond-Filmen gedreht. „Können Sie sich auch vorstellen, dass Behindertensportler diese Rolle übernehmen?“ wurde er vor drei Jahren gefragt. „Natürlich, das sind doch fantastische Leistungen, die die Sportler da zeigen“, antwortete Bogner. Was er denn Menschen sage, die noch Berührungsängste mit Behindertensportlern haben?

„Wissen Sie, irgendwie sind wir doch alle behindert. Wir brauchen nicht zu denken, dass wir was besser können, nur weil wir zwei Hände haben. Ein Mensch mit einer Hand holt vielleicht viel mehr raus als wir. Behinderte und Nichtbehinderte kommen sich auch in ihren Leistungen immer näher“, so Bogner.

„Mich fasziniert diese Haltung, dass diese Athleten das Letzte herausholen wollen. Ob nun jemand gewinnt oder nicht, auch wenn sich jemand nach vorne kämpft und für seine Verhältnisse erfolgreich ist, ist das eine Leistung. Das wird zu wenig herausgehoben“. Dieser Meinung ist Bogner immer noch – wie er am Freitagabend in Berlin eindrucksvoll bewies, als er Deutschlands wertvollste Sportauszeichnung erhielt.

Bogner übt sich in Bescheidenheit

Willy Bogner wurde mit der "Goldenen Sportpyramide" ausgezeichnet. (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Willy Bogner wurde mit der „Goldenen Sportpyramide“ ausgezeichnet. (Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Bogner fühlte sich im Kreise der deutschen Sportprominenz – unter den 300 Gästen waren auch die Paralympics-Stars Marianne Buggenhagen und Daniela Schulte – sichtlich wohl. Dennoch übte sich das frühere Ski-Ass im Berliner Nobelhotel Adlon als Mittelpunkt der Benefizgala Freitagabend zur „Goldenen Sportpyramide“ in Zurückhaltung.

„Ich muss bescheiden sagen, dass ich im Kreise dieser Sporthelden hier eigentlich gar nicht mithalten kann. Denn viel gewonnen habe ich in meiner Karriere nicht. Ein halber Olympiasieg zählt doch nichts“, meinte der Münchner schmunzelnd.

1959 hatte er als 17-Jähriger überraschend die Lauberhorn-Abfahrt gewonnen und führte ein Jahr später bei den Olympischen Spielen in Squaw Valley beim Slalom nach dem ersten Durchgang, stürzte jedoch im zweiten Lauf. In der Abfahrt wurde er 1960 und 1964 Olympia Neunter.

Dennoch wurde Bogner für würdig befunden, als 14. Deutscher Topsportler die „Goldene Sportpyramide“ zu erhalten, die nicht allein für sportliche Erfolge, sondern auch für soziales Engagement und Verdienste um den Sport verliehen wird.

Spende für den Behindertensport

Gewürdigt wurden damit Bogners Leistungen nach der alpinen Karriere als erfolgreicher Ski-Filmemacher und als Geschäftsführer des Unternehmens für Sportbekleidung.

Da die 25.000 Euro für die höchste Sportauszeichnung Deutschlands stets einem Nachwuchsprojekt der Sporthilfe zugute kommen müssen, Bogner aber den Blick auf den Behindertensport in Deutschland richten wollte, entschied sich der Bayer auf dem Podium, weitere 25.000 Euro aus der eigenen Tasche für ein Behinderten-Projekt hinzuzufügen.

Für die Chancengleichheit deutscher Sportler

Leisten kann sich der 71-Jährige dies problemlos, denn sein Mode-Imperium, das 1932 von seinem Vater gegründet wurde, steht glänzend da. Seit 1936 kleidet das Familienunternehmen deutsche Athleten bei den Olympischen Winterspielen ein. „Ich fühle mich als einer, der etwas für die Chancengleichheit deutscher Sportler getan hat. Im Sport kommt es viel auf die Kleidung an, sie kann Motivationen freisetzen“, meinte er.

Ebenso erfolgreich war Bogner im Filmgeschäft, wo er mit seinen Ski-Actionfilmen einen wahren Kult auslöste. Spektakuläre Szenen drehte er auch für drei James-Bond-Filme, landete seinen ersten Coup schon 1969. Mit „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ brachte er es zu weltweiter Bekanntheit.

Auch Joachim Deckarm in der Hall of Fame

„Ich sehe die Goldene Sportpyramide als eine Würdigung, dass ich auch nach meiner sportlichen Karriere immer versucht habe, etwas für den Sport zu tun“, sagte Bogner, der mit seiner Frau Sonia nach Berlin gekommen war. Im Beisein der Bundesminister Hans-Peter Friedrich und Wolfgang Schäuble durfte er unter dem Beifall von prominenten Gästen aus Sport, Politik, Wirtschaft und Kultur den Preis entgegen nehmen.

Neben Bogner wurden in Berlin drei Sportler-Persönlichkeiten in die „Hall of Fame“ aufgenommen. Joachim Deckarm, 1979 bei einem Sportunfall schwer verletzt, nahm die Ehrung im Rollstuhl sitzend entgegen. TV-Journalist Harry Valérien und Turnvater Friedrich Ludwig Jahn wurden posthum in die Ruhmeshalle aufgenommen, die nun 76 Mitglieder umfasst.

Das Blitzlichtgewitter schreckte Joachim Deckarm nicht ab. Ganz im Gegenteil. Der nach einem Unfall behinderte Handball-Weltmeister von 1978 lächelte ohne Scheu in die Kameras und fühlte sich auf dem roten Teppich sichtlich wohl. Als ein Fotograf Deckarms Begleiter fragte, wer denn der Mann in dem Rollstuhl sei, antwortete dieser: „Das ist Joachim Deckarm. Er war einmal der beste Handballer der Welt.“

Deckarms Ehrung war der emotionale Höhepunkt der Benefiz-Gala der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Seine Sätze waren zwar nur schwer zu verstehen, aber sein Stolz über die Auszeichnung war deutlich erkennbar. Als ihn Moderator Gerd Rubenbauer auf sein großes Ziel ansprach, irgendwann wieder gehen zu können, sorgte der 59-Jährige mit seiner Antwort für Gänsehaut: „Das schaffe ich auch.“ Dafür gab es vom Publikum sichtlich bewegt Standing Ovations.

(RP/dpa)

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