„Grand Hotel Vega$:“ Inklusion auf der Musicalbühne

Das Mega-Tanzprojekt der früheren Tanzweltmeister Patsy und Michael Hull geht ab morgen auf Tour. Bis Ende des Jahres gastiert es in zehn Städten.

Einige Mitglieder des festen 80-köpfigen „Grand Hotel Vega$“-Ensembles (Foto: Patsy & Michael Hull Foundation)

Einige Mitglieder des festen 80-köpfigen „Grand Hotel Vega$“-Ensembles (Foto: Patsy & Michael Hull Foundation)

Bereits vor einigen Jahren war die Heidelbergerin Jule Heil Pionierin, als sie das hierzulande erste große Musical mit Rollstuhlfahrern inszenierte: „Wheelchairica“. Bis heute lockt das von der Firma Rehability gesponserte Stück im Broadway-Stil regelmäßig mehrere Hundert Zuschauer in die Hallen. Seinen nächsten großen Auftritt mit dem Titel „Inklusion fängt bei mir selber an“ wird es im November in der Heidelberger Hebelhalle haben.

Noch einige Nummern größer fällt „Grand Hotel Vega$“ aus, das ab morgen, 18. September 2015, auf Tournee geht. Bundesweit machen rund 30 Tanzschulen und 850 Menschen mit. Das feste 80-köpfige Ensemble aus der Region Osnabrück besteht etwa zur Hälfte aus Menschen mit Behinderung. Je nach Aufführungsort kommen noch bis zu 100 weitere lokale Darsteller auf die Bühne. Gefördert wird das gemeinnützige Projekt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Start in Essen, Finale in Berlin

Insgesamt zehn Städte wird das von der Patsy & Michael Hull Foundation aus Osnabrück inszenierte Musical bis Ende des Jahres besucht haben. Erste Station ist am Freitag das Colosseum Theater in Essen. Stuttgart (22.9.), Frankfurt am Main (2.10.), Bremen (7.10.), Augsburg (14.10.), Lübbecke (23.10.), Osnabrück (4.11.), Hamburg (13.11.), Magdeburg (19.11.) und Berlin (26.11.) sind die weiteren neun Stationen. Insgesamt werden bis zu 20.000 Zuschauer erwartet. Für gehörlose Besucher wird das gesamte Musical von einem Dolmetscher in Gebärdensprache übersetzt.

Der eine oder andere Tanzlehrer sei zwar anfangs ein wenig zurückhaltend gewesen, berichtete Michael Hull, der als Juror der RTL-Sendung „Let’s Dance“ bekannt wurde. „Nachdem sie aber gemerkt haben, wie viel Freude es den Menschen mit Handicap macht und wie viel Freude sie auch zurückgeben, bereuen sie es, dass sie nicht schon früher damit angefangen haben“, erzählt der elfmalige Tanzweltmeister.

Show, Musik, Tanz und Mode

Szene aus „Grand Hotel Vega$: Toy Boy Billy (Jan Golimbus) mit Choreograph Bernard Thistle (Lars Backhaus) und Popikone Char (Simon Dye) (Foto: Patsy & Michael Hull Foundation)

Szene aus „Grand Hotel Vega$: Toy Boy Billy (Jan Golimbus) mit Choreograph Bernard Thistle (Lars Backhaus) und Popikone Char (Simon Dye) (Foto: Patsy & Michael Hull Foundation)

Das Musical dreht sich um einen Modeschöpfer, der ein neues Top-Model entdeckt: Die kleinwüchsige Frau hinter der Rezeption ist genau die Art Frau, die er für seine neue Kollektion braucht.

„Grand Hotel Vega$“ ist die Geschichte der eleganten Hotelbesitzerin Lesley-Ann Baker, des smarten Hotelmanagers James Donovan und der kleinwüchsigen Rezeptionistin Linda Roby, die der Modezar Giacomo Marone kurzerhand zu seiner Muse erklärt. Popikone Char will im Luxushotel mit Hilfe von Choreograph Bernard Thistle und einer Wahnsinns-Bühnenshow ihr Comeback starten.

In der Veranstaltungswerbung heißt es: „Mit Las-Vegas-typischem Glamour bewegt sich ,Grand Hotel Vega$‘ zwischen Show, Musik, Tanz und Mode. Eine Story voller Intrigen, Liebe und verletzter Eitelkeit. Mittendrin: Ein gestohlenes Collier, verflossene Liebschaften und jede Menge exzentrische Stars und Sternchen mit und ohne Behinderung.“

Wer steckt hinter dem Musical?

Die Geschwister und Initiatoren Patsy und Michael Hull (Foto: Friso Gentsch/dpa)

Die Geschwister und Initiatoren Patsy und Michael Hull (Foto: Friso Gentsch/dpa)

Seit mehr als zehn Jahren setzen sich die Patsy Hill-Krogull und ihr Bruder Michael Hull für Inklusion durch Tanz ein. „Es begeistert uns immer wieder, mit welchem Engagement Menschen mit Behinderung an eine Aufgabe herangehen, die sie zuvor nie gewagt hatten“, berichtet Hull-Krogull. „Wir haben Mut und Lebensfreude von diesen Menschen gelernt“, ergänzt Michael Hull.

Es gehe nicht so sehr darum, dass die Teilnehmer perfekt tanzen lernen, sagt Michael Hull. „Es geht darum, wie man auf sie zugeht, mit ihnen spielt.“ Die weitaus meisten Behinderten seien wegen des Projekts zum ersten Mal in einer Tanzschule gewesen und hätten mit Begeisterung mitgemacht. Sie hätten durch das Projekt sichtbar an Selbstbewusstsein gewonnen.

Jobmesse gibt es obendrauf

Ziel der 2003 von den beiden Geschwistern gegründeten Patsy & Michael Hull Foundation ist die Entwicklung, Unterstützung und Durchführung von kulturellen, sportlichen und künstlerischen Aktivitäten mit dem Medium „Tanz“. Der Verein verfolgt integrative und inklusive Projekte mit Beteiligung von Menschen jeden Alters, unterschiedlicher Kulturen und körperlicher Voraussetzungen. Neben zahlreichen Alltags-Projekten initiierte die Foundation seit 2005 vier inklusive Musicals. Aufgrund ihres großen Engagements für Menschen mit Behinderung und des sozialen Engagements in vielen anderen Bereichen wurde den Geschwistern 2013 der Bundesverdienstorden verliehen.

„Grand Hotel Vega$“ ist ihr fünftes und bisher größtes inklusives Musical. Begleitend findet an sechs Aufführungsorten die Jobmesse Inklusion statt, auf der Unternehmen ihre inklusiven Angebote präsentieren und Kontakt zu Menschen mit Behinderung aufnehmen. Schirmherr ist Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank.

Eintrittskarten gibt es ab 25 Euro online unter: pm-foundation.de/ticketshop

(RP/PM/mit Materialien von dpa)

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