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Grüne fordern Sexualassistenz auf Rezept

Pflegebedürftige und Schwerkranke sollen in Zukunft Sex bezahlt bekommen können.

Im australischen Dokumentarfilm „Rachels Weg“ vermittelt die Sexualassistentin Rachel ihrem Kunden Mark nicht nur Sex, sondern auch Wärme und Zärtlichkeit.

Im australischen Dokumentarfilm „Rachels Weg“ vermittelt die Sexualassistentin Rachel ihrem Kunden Mark nicht nur Sex, sondern auch Wärme und Zärtlichkeit.

Pflegebedürftige und Schwerkranke sollen nach Ansicht der Grünen in Zukunft Sex mit Prostituierten bezahlt bekommen können. Das forderte die pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Elisabeth Scharfenberg, gegenüber der „Welt am Sonntag“: „Eine Finanzierung für Sexualassistenz ist für mich vorstellbar. Die Kommune könnte über entsprechende Angebote vor Ort beraten und Zuschüsse gewähren.“

Vorbild wären die Niederlande (ROLLINGPLANET berichtete: Sexualassistenz für Behinderte in den Niederlanden: Wie geil ist das wirklich?). Dort gibt es bereits seit einigen Jahren die Möglichkeit, sich als Pflegebedürftiger die Dienste sogenannter Sexualassistentinnen – zertifizierter Prostituierter – bezahlen zu lassen. Die Betroffenen müssen per ärztlichem Attest nachweisen, sich nicht auf andere Weise befriedigen zu können und die Dienstleistung nicht selbst bezahlen zu können.

In Deutschland wirbt die Beratungsstelle Pro Familia seit Jahren dafür, zu klären, ob sich Ansprüche einzelner auf Finanzierung der Sexualassistenz durch die Krankenkassen, die Sozialhilfe- oder andere staatliche Leistungsträger ableiten lassen. Nach Einschätzung von Experten wünschen sich viele Männer und Frauen mit Behinderungen sexuelle Dienstleistungen. Beim Rest der Bevölkerung kommt die Idee offensichtlich weniger gut an – bei einer aktuellen „Bild“-Umfrage zu dem Grünen-Vorschlag sagen fast 60 Prozent der Leser/innen: „Davon halte ich gar nichts!“

„In anderen europäischen Ländern schon lange angekommen“

Sexualassistentin Sabine sieht ebenfalls andere Länder als Vorbild.

Sexualassistentin Sabine sieht ebenfalls andere Länder als Vorbild.

„In den letzten 15 Jahren habe ich nur einen Pflegedienst gefunden, der meinem Konzept der Sexualassistenz entgegenkam, und mich an Betroffene vermittelte. Menschen mit körperlicher Behinderung trauen sich selbst noch nicht, ihrem so menschlichem Bedürfnis eine Stimme zu geben. In anderen europäischen Ländern ist dies bei den Krankenkassen schon lange angekommen“, berichtet die Sexualassistentin Sabine, die ihre Dienste unter dem Namen „Seele berühren“ in Ludwigshafen und barrierefrei in Heidelberg anbietet.

„Kurz nach meiner Ausbildung zur Massagetherapeutin begegnete ich über meine Nachbarin einem 20 Jahre altem Rollstuhlfahrer“, so Sabine. „Wir waren uns sympathisch, und sprachen recht offen. Er erzählte mir, dass es in seiner Situation, mit einer schweren körperlichen Einschränkung, fast unmöglich ist eine Frau kennenzulernen, er aber auch nicht gänzlich auf Körperkontakt und Sexualität verzichten möchte. Ich verstand dies total gut! Er interessierte sich für meine Ausbildung, und dass auch Paarmassage und Sexualassistenz ein Teil der Ausbildung war. Wir vereinbarten einen Termin für Massage und Handentspannung. Von da an kam ich ein Mal pro Woche über einen Zeitraum von zehn Jahren zu ihm, oft mit einer neuen ,Spielzeugüberraschung‘. Wichtig in der Sexualassistenz ist, die eigenen Grenzen und die des Anderen nicht zu überschreiten! Gegenseitiger Respekt ist die Grundlage meiner Arbeit!“

(ag/PM)

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7 Kommentare

  • Marco Will

    Das finde ich gut

    8. Januar 2017 at 19:32
  • Mo Fa

    Ja! Selbstbestimmte Sexualität ist ein Menschenrecht!

    8. Januar 2017 at 19:42
  • Nikole Müller

    Und wenn der antrag auf bezahlung dann abgelehnt wird ?vermutlich ,wie bei allem ,was mit krankheit /behinderung zu tun hat ,sind die dienste von sexarbeitern teurer als die von prostituierten😯 Aber …die „beduerftigkeitspruefung „im vorfeld ,mit attesten der unfaehigkeit ,ein sexleben ohne hilfe fiehren zu koennen ,ist doch der „hit „👍👍😡😡denn „ohne „wirds kaum gehen . Die „gruenen „ziehen hier ,mit dem vorschlag nix aus der „tabuecke „sondern sichen plaetze fuer „herrenlose „😃buerokraten ,die arbeitsplaetze suchen . Dafuer zu sorgen ,das behinderte ausreichend finanzielle mittel zur verfuegung haben ,um (wie nichtbehinderte )am gesell.leben teil zu nehmen und solche orte besuchen zu koennen ,(die dann freilich barrierefrei /behindertengerecht sein muessen )wo man(N )(frau )sich unkompliziert kennen lernen koennen und vorallem ,solche regelungen abzuschaffen ,die potentielle partner behinderter unterhaltspflichtig fuer die pflege /unterhalt des behinderten machen und weitere „familienfeundliche“ regelungen gegen die familienbildung durch /mit behinderten ..faellt den „gruenen „nicht ein 😡 Was soll da verbessert werden ?das sexleben behinderter oder eher das leben ggf.ueberfluessiger /arbeitsloser buerokraten ?

    8. Januar 2017 at 20:49
  • Nicole Heinecke

    Sowas bescheuertes. Als ob die Menschen, die Pflege bedürfen, Keine anderen Probleme hätten.

    9. Januar 2017 at 17:22
  • Mario Botezat

    Pflegebedürftige haben schon genug Probleme in ihren Leben, alleine wenn man schon eine Assistenz für den täglichen Alltag braucht und da stellen sich die Ämter&GO quer.

    9. Januar 2017 at 17:45
  • Oliver Heisenbrock

    Statt sich auf nächste Thema zu stürzen, hätten die Grünen mehr für ein gutes Teilhabegesetz einsetzen sollen. Dann hätten wir Schwerstbehinderten eher eine Chance einen echten Partner zu finden. Denn in einem Heim vergeht die größte Liebe sehr schnell.

    10. Januar 2017 at 16:40
  • Pflegeperson

    Nein, das geht gar nicht gut. So fördert man noch mehr Hass und Sozialneid gegen Bedürftige.

    Schon jetzt muss man sich vorhalten lassen, dass man ja Pflegegeld bekäme und so anderen auf der Tasche liege. Übrigens muss man, im Gegensatz zur Pflegesachleistung, zusätzlich noch Hartz IV erbetteln.

    Ich weiß ja nicht, wer Nutten in Anspruch nehmen will, aber wer es trotz Pflegebedürftigkeit nötig hat, soll das bitteschön selbst finanzieren.

    PS: Die Grünen fordern unter anderem auch Sex mit Kindern! Wer nimmt die noch ernst?

    11. Januar 2017 at 08:32

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