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Gut, dass wir nicht in England leben: Ärzte verweigern Pflegeheim-Besuch

Das Wort SOS mit Pillen dargestellt

SOS in Pflegeheimen (Foto: Andrea Damm/pixelio.de)

In Großbritannien ist die medizinische Versorgung bei jedem dritten Heimbewohner nicht optimal. Aber ist es bei uns in Deutschland wirklich besser?

(pte) – Es gibt in Großbritannien praktische Ärzte, die sich weigern, Bewohnern von Altersheimen einen Hausbesuch zu machen. Anstelle einer Untersuchung vor Ort werden Diagnosen über das Telefon angeboten. Diese Praxis ist laut den Betreibern von Pflegeheimen nicht zufriedenstellend und gefährlich. In einem Fall zeigen die Krankenakten, dass sich der Arzt weigerte oder nur sehr widerwillig bereit war, zu einem Patienten zu fahren, der an einer Lungenentzündung litt.

Visite nur wider Willen

Debbie Dean berichtete gegenüber BBC Radio 5 live, dass ihre Familie Probleme dabei hatte, einen praktischen Arzt bei einer Lungenentzündung dazu zu bringen, ihren 71 Jahre alten Vater in einem Pflegeheim in Stoke-on-Trent zu besuchen. Cecil Dean litt an einer Lungenkrankheit und einer leichten Demenz. Es gab Probleme bei der Einstellung der Medikamente und der Sauerstoffwerte.

In seiner Krankenakte vermerkten die Betreuer, dass sein praktischer Arzt sich drei Mal innerhalb von drei Monaten entweder weigerte, einen Hausbesuch zu machen oder dieser Aufforderung nur widerwillig nachkam. Kurz vor dem Tod des Patienten im Januar 2010 musste der Sohn darauf bestehen, dass der Arzt den Patienten untersuchte. Der Arzt, der mittlerweile in Ruhestand ist, verweigerte eine Stellungnahme.

Jeder Dritte ohne zustehende Behandlung

Martin Green, Vertreter der Betreiber von Pflegeheimen, geht davon aus, dass bis zu einem Drittel der Bewohner von Pflegeheimen durch die Ärzte nicht die Behandlung erhalten, die ihnen zusteht. „Es gibt positive Ausnahmen, sie sind aber nicht die Regel. Wenn man für eine Aufgabe bezahlt wird, sollte man sie auch erledigen. Dann würde es nicht immer wieder zu medizinischen Krisen und Einlieferungen ins Krankenhaus kommen.“

Green berichtete, dass Pflegeheime sich darüber beschwerten, dass angeforderten Hausbesuche nicht erfolgten. Zusätzlich sei der Zugang zu zusätzlichen Leistungen wie Physiotherapie oder logopädischer Therapie schwierig. Sie sind zum Beispiel nach einem Schlaganfall von entscheidender Bedeutung. „Es ist offensichtlich, dass Menschen in manchen Regionen in den Pflegeheimen nicht die gleiche Betreuung erhalten wie alle anderen.“

In manchen Fällen bezahlten die Pflegeheime praktischen Ärzten Tausende Pfund im Jahr für erweiterte Leistungen. Dazu gehören zum Beispiel Leistungen außerhalb der Ordinationszeit. „Lebt man zu Hause, ruft man den Arzt einfach an und hat die Möglichkeit behandelt zu werden. Das sollte auch für Pflegeheime gelten. Die Heimbewohner bezahlen über ihre Versicherung für diese Leistungen.“

Hohe Hürden für Untersuchung

Eine Studie der Care Quality Commission kam vor kurzem zu dem Ergebnis, dass es für Bewohner von Pflegeheimen schwer sein kann, einen Arzt zu konsultieren oder medizischen ausreichend versorgt zu werden. Für diese Studie wurden 81 Pflegeheime in England unter die Lupe genommen. Sie wurden aus Regionen ausgewählt, die im Verdacht standen, bei der Pflege einen schlechten Standard aufzuweisen. In nur 38 Prozent der Einrichtungen gab es regelmäßige Hausbesuche durch Ärzte. Eine von zehn Einrichtugen musste den praktischen Arzt für die Hausbesuche bezahlen.

Auch in Deutschland Klagen

Allerdings gibt es auch bei uns Klagen, wie ROLLINGPLANET berichtete: So warf der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen den niedergelassenen Medizinern vor, sich zu wenig um pflegebedürftige Patienten zu kümmern: “Die kassenärztlichen Vereinigungen missachten hier ganz klar ihren Sicherstellungsauftrag”, sagte Verbandsvorstand Gernot Kiefer.

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