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Habemus facts: Argentinien und Menschen mit Behinderung

15 schnelle Fakten anlässlich des neuen Papstes Jorge Mario Bergoglio alias Franziskus, der „vom Ende der Welt“ (Buenos Aires) nach Rom gerufen wurde.

Hallo liebe Behinderte in aller Welt, ich bin euer neuer Papst: Franziskus, ehamals Kardinal Bergoglio (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Hallo liebe Behinderte in aller Welt, ich bin euer neuer Papst: Franziskus, ehamals Kardinal Bergoglio (Foto: Michael Kappeler/dpa)

1. Argentinien ist das achtgrößte Land der Erde und flächenmäßig zirka achteinhalb mal größer als Deutschland, hat jedoch nur 40,5 Mio. Einwohner (Deutschland: 82 Mio.).

2. Das Land erhielt seinen Namen von einer Ableitung des lateinischen Wortes Argentum („Silber“). Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung stammen von eingewanderten Europäern ab (so wie der neue Papst, Sohn italienischer Einwanderer).

3. Aktuelle Statistiken über Menschen mit Behinderung in Argentinien gibt es nicht (beziehungsweise die offiziellen Zahlen sind schon über zehn Jahre alt). Experten schätzen, dass rund 8 Prozent der Bevölkerung eine Behinderung hat, das wären derzeit 3,2 Millionen Menschen.

4. Schätzungsweise nur 60 Prozent der Behinderten haben eine Krankenversicherung.

5. „Körperlich und geistig behinderte Menschen haben in Argentinien keine Lobby. Oft werden sie von ihren Angehörigen auch aus Scham versteckt.“ (Markus Schenk von der Katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus von der Flüe Büttelborn)

6. Franziskus gilt als „Kardinal der Armen“. Deshalb kennt er sicherlich eines der spannendsten künstlerischen Projekte Argentiniens für Menschen mit Behinderung: Die Theatergruppe Cre-Arte (Infos) aus der im Süden des Landes gelegenen Stadt San Carlos de Bariloche arbeitet seit mehr als 13 Jahren mit geistig und körperlich behinderten Menschen aus Armutsvierteln, um sie mit Hilfe von Theater und Kunst zu fördern.

7. Der neue Papst könnte den Priestern in seiner Heimat erklären, mit behinderten Menschen etwas rücksichtsvoller umzugehen: „Der einzige ebene Weg, den ich zu meinem Klassenzimmer nehmen konnte, führte durch eine Kapelle. Jedoch untersagte mir der Priester zu den Zeiten, an denen eine Messe gelesen wurde, durch die Kirche zu fahren. Das führte dazu, dass ich einige Klassen verpasst habe. Aufgrund der bestehenden Anwesenheitspflicht und um die unfreiwillig verlorenen Stunden nachzuholen, musste ich zusätzlichen Unterricht belegen und Extra-Klausuren schreiben“, erzählt die Argentinierin Veronica Reina in einem Interview auf ROLLINGPLANET.

8. Auch am Campus müssen Behinderte mit Hürden kämpfen, wie Veronica Reina berichtet: „Während des Studiums hatte ich große Probleme, da die Universität nicht barrierefrei geplant und angelegt war. Jeden Tag musste mich jemand, mein Vater, ein Kommilitone oder jemand von der Hochschule die Stufen zum Eingang samt meinem Rollstuhl hochtragen. Einmal in der Universität angekommen, gab es weitere Schwierigkeiten.“

9. Bei den Paralympics 2012 in London waren 63 Behindertensportler aus Argentinien, die mäßig erfolgreich waren: 1 Silbermedaille und 4 Bronzemedaillen (Deutschland: 161 Sportler/insgesamt 66 Medaillen).

10. Für behinderte Menschen, insbesondere Rollstuhlfahrer, ist das Reisen in Argentinien nicht ganz so einfach. Viele Bürgersteige sind eng, voll und uneben. Auch das Überqueren einer Straße ist – egal ob mit oder ohne Handicap – immer ein Abenteuer: Argentiniens Autofahrer sind nicht besonders rücksichtsvoll und die Bürgersteine haben oft keine Rampen an den Kreuzungen. Ansonsten gelten die Argentinier jedoch als sehr hilfsbereit.

11. Busse in der Hauptstadt Buenos Aires, die mit Rollstuhl-Liften ausgestattet sind, nennen sich „piso bajo“.

12. Viele Hotels sind für uns nicht geeignet, die Türen sind eng und die Zimmer bieten oft wenig Platz zum Manövrieren. Das gilt besonders für die Billig- und Mittelklasse. Immerhin: Neue Hotels müssen per Gesetz zumindest ein rollstuhlgerechtes Zimmer haben.

13. Vor Ort können sich behinderte Urlauber an Movidisc, Av. Roque Sáenz Peña 868, 3. Stock, Buenos Aires, Tel: 011-4328-6921, wenden. Die Organisation bietet Transportmöglichkeiten und Ausflüge in Kleinbussen für Rollstuhlfahrer an. Es ist auch möglich, eine Tour mit einer anderen Reisegesellschaft zu buchen und den Transport Movidisc zu überlassen; dies muss aber mit der anderen Reiseagentur verhandelt werden.

14. Die Iguazu-Fälle sind größtenteils für Rollstuhfahrer zugänglich, ebenso die moderneren Museen.

15. Mehrere Nazi-Verbrecher, unter ihnen Josef Mengele, der fürchterliche Experimente unter anderem mit behinderten Kindern durchführte, und Adolf Eichmann, flüchteten nach Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien.

(RP)

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