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Hallo, Krankenkassen: Gute Windeln sind teuer!

Stiftung Warentest hat Produkte für Menschen mit Blasenschwäche getestet und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis.

Krankenkassen haben bisher Menschen mit Harninkontinenz oft zu Billigprodukten gezwungen. (Foto: Inga Kjer/dpa)

Krankenkassen haben bisher Menschen mit Harninkontinenz oft zu Billigprodukten gezwungen. (Foto: Inga Kjer/dpa)

Jeder zehnte Erwachsene ist inkontinent, vor allem ältere Frauen sind betroffen. Für sie ist wichtig, dass Windeln, Vorlagen oder spezielle Slips wirklich dicht halten – und dass man sie nicht sieht. Den meisten ist peinlich, dass sie eine schwache Blase haben. Die Stiftung Warentest hat 19 Unisex-Produkte getestet, darunter 8 Vorlagen, 8 Windelslips und 3 Einmalhosen. Das Ergebnis: Gute Qualität hat ihren Preis. In allen Produktkategorien schnitten die teuren Markenprodukte am besten ab, heißt es in der Zeitschrift „test“ (Ausgabe 3/2017).

Windelslips von Tena und Hartmann kosten 1,13 Euro beziehungsweise 1,18 Euro pro Stück, boten im Test dafür aber ein sicheres Gefühl. Allerdings haben die Windeln generell den Nachteil, dass man sie unter der Kleidung sieht und sie beim Gehen knistern können. Noch teurer sind Einmalhosen. Im Test fühlten sich die Probanden mit den sogenannten Pants nach eigenen Angaben sicher. Sie waren vor allem bei Frauen beliebt, die Röcke tragen. Obwohl sie sich an einer Seite öffnen lassen, ist das Wechseln für Hosenträger den Testern zufolge eher umständlich.

Mit der Kasse verhandeln

Bei den Vorlagen überzeugten die Produkte von Hartmann und Seni am meisten. Sie bekamen jeweils die Note 1,9. Die Vorlagen sind günstiger als Windeln und Hosen und lassen sich leicht wechseln. Dafür laufen manche Modelle nach einiger Zeit aus.

Gesetzlich Versicherten wurden und werden aber oft nur solche günstigen Produkte von ihrer Krankenkasse bezahlt. „Ausgerechnet die beste Produktgruppe im Test – Einmalhosen, Pants genannt – werden von den Kassen in der Regel nicht erstattet“, kritisieren die Experten der Stiftung Warentest. In der Vergangenheit klagten viele Patienten darüber, dass sie von ihrer Krankenkasse teils mit sehr schlechter Qualität versorgt würden – oder draufzahlen müssten (siehe ROLLINGPLANET-Bericht: Der Windel-Skandal: Krankenkassen zwingen inkontinente Menschen zu schlechten Produkten). Die Tester raten: „Wer unzufrieden ist, sollte mit seiner Kasse oder dem Versorger verhandeln.“

Der Gesetzgeber hat mittlerweile reagiert. Der Bundestag verabschiedete in der vergangenen Woche ein Gesetz von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung. Es soll unter anderem dafür sorgen, dass Krankenkassen bei Hilfsmitteln wie Windeln, Kompressionsstrümpfen, Schuheinlagen, Prothesen, Hörgeräten oder Rollstühlen nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Qualität achten.

(dpa/tmn)

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