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Hallo Patient, mach mal deinen Computer an, hier ist dein Doc

Ärzte und Experten diskutieren derzeit in Wien auf einem Kongress das Thema "E-Health" (E-Gesundheit). Foto: fotodienst, Martina Draper

Sechs Minuten hat ein Hausarzt im Schnitt pro Patient. Künftig könnte die Behandlung länger, aber wesentlich unpersönlicher sein: Programme, die in der Arztpraxis digitalisierte Patientendaten auswerten und über das Internet die Therapie vorschlagen, stehen als Teil von „E-Health“ europaweit auf dem Programm.

Der Computer werde durch diesen „Electronic Decision Support“ („elektronisch unterstützte Entscheidung“) nicht zum Arzt, wie manche befürchten. Vielmehr ermögliche er dem Arzt das Vorgehen nach neuestem Wissensstand, erklärt Andreas Sönnichsen, Allgemein- und Präventionsmediziner an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, im Rahmen einer Connect-E-Health-Expertenveranstaltung am heutigen Dienstag in Wien.

Letzter Wissensstand als Problem

Der Moment der Therapieentscheidung stellt in den Arztpraxen eine große Herausforderung dar. „Sechs Minuten hat ein Hausarzt im Schnitt pro Patient. Die Gefahr ist groß, dass einer der beiden dabei auf eine wichtige Frage vergisst“, so der Salzburger Experte. Erschwerend wirkt der Segen der raschen medizinischen Forschung: 70.000 neue Publikationen treffen monatlich auf der Forschungsplattform „pubmed“ ein. Selbst wenn nur ein Prozent davon relevant wäre, könnte kein Arzt stets alles lesen, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Bisher fließt die Forschung in sogenannte „evidenzbasierte Leitlinien“ der Fachgesellschaften ein, die den Ärzten Anhaltspunkte zur Behandlung geben. Da deren Umsetzung oft scheitert, können elektronische Werkzeuge die Versorgung verbessern, betont Sönnichsen. Schon heute gibt es mehrere Ansätze dazu: Etwa ein evidenzbasierter Rechercheservice, bei dem der Arzt Patientendaten online an ein Zentrum schickt, das diese auswertet und eine Rückmeldung mit Literaturverweisen zurücksendet. Trotz des Gratis-Angebots wird das Tool nur von vier Prozent der Ärzte beansprucht: Drei Tage bis zur Rückmeldung sind vielen zu lang.

Schnelle Beantwortung gefragt

Viel eher gehört die Zukunft jenen Systemen, die automatisierte Antworten so schnell liefern, dass der Arzt diese noch im laufenden Patientengespräch berücksichtigen kann. Das bieten die „EbM Guidelines“ – ein Tool, das im Ursprungsland Finnland bereits zwölf Mio. Ärztezugriffe pro Jahr verzeichnet, während es im gesamten deutschen Sprachraum erst knapp über 100.000 sind. Ein ähnliches System im Bereich der präoperativen Diagnostik trägt dazu bei, die häufigen überflüssigen Untersuchungen zu vermeiden und die Einhaltung der Leitlinien zu verdoppeln, wie Salzburger Studien beweisen.

Der EbM-Guidelines-Herausgeber Ikka Kunnamo berichtet von noch großen Vorbehalten der Ärzteschaft gegenüber dem Produkt. Für Fragen der Datensicherheit gebe es jedoch bereits gute regionale und nationale Lösungen. Akzeptiert würden jene Systeme, die Patientendaten auf einen Blick zusammenfassen, die Routinearbeit erleichtern, klinische Entscheidungen unterstützen und auch dem Patienten Erinnerungsnachrichten liefern. „Das Tool muss einfach und flexibel sein und mit anderen kooperieren“, so der Experte. Günstig sei auch, die Ärzte für die Verwendung derartiger Systeme zu bezahlen, was in den USA bereits geschieht.

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