Hamburger NOlympia: Kirsten Bruhn hat Tränen in den Augen

Behindertensportverband zum Ergebnis des Referendums: „Kein guter Tag“ für den Sport.

Kirsten Bruhn, dreifache Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics, wartete gestern Abend  in Hamburg im Skylight Cafe der Barclaycard-Arena auf das Ergebnis des Referendums. In der Arena war die Siegesfeier der Olympia-/Paralympics-Befürworter geplant – stattdessen gab es enttäuschte Gesichter. (Foto: Axel Heimken/dpa)

Kirsten Bruhn, dreifache Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics, wartete gestern Abend in Hamburg im Skylight Cafe der Barclaycard-Arena auf das Ergebnis des Referendums. In der Arena war die Siegesfeier der Olympia-/Paralympics-Befürworter geplant – stattdessen gab es enttäuschte Gesichter. (Foto: Axel Heimken/dpa)

Mit Tränen in den Augen kommentierte Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn das Aus des Olympia-Traums in Norddeutschland: „Es enttäuscht mich, dass die Menschen nicht sehen, dass es um den Sport geht.“ Nach den geplatzten Olympia-Plänen sehe es düster aus für den Leistungssport in Deutschland, sagte die Schwimmerin. „Wir können schon die Beerdigung des deutschen Sports planen, das ist der Sargnagel für den Leistungssport.“

Ähnlich sieht es der Deutsche Behindertensportverband (DBS), der mit Unverständnis auf das Hamburger Nein zu Olympischen und Paralympischen Spielen reagiert (wobei ROLLINGPLANET daran erinnert: Hier hat das Volk entschieden). „Angesichts der Vielzahl an guten Argumenten für Hamburg und Kiel kann ich diese Entscheidung nicht verstehen. Hier hat eine zu respektierende knappe Mehrheit Sportdeutschland um eine große Chance gebracht, in einer demokratischen Bürgergesellschaft Spiele mit Augenmaß und Nachhaltigkeit veranstalten zu können“, erklärte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher am Montag.

Rückschlag für barrierefreien Ausbau

Der ehemalige Vorsitzende des Sportausschuss im Deutschen Bundestag befürchtet nun langfristige Auswirkungen auf den Leistungssport. „Der erhoffte Schwung für den olympischen und paralympischen Sport ist dadurch leider zunächst einmal gestoppt“, urteilte Beucher. „Für Sportdeutschland, und damit sowohl für den Leistungs- als auch für den Breitensport, war es kein guter Tag.“

Der Hamburger Staatsrat Christoph Holstein betonte, dass man nun die Bedeutung des Sports hochhalten müsse: „Sport in Hamburg muss wichtig bleiben, daran müssen wir arbeiten“. Der Stellenwert des Sports sei schon durch die Olympia-Pläne ein ganz anderer geworden. Dazu zähle auch der integrative Gedanke. Die Pläne zum barrierefreien Ausbau der Infrastruktur in der Hansestadt hätten durch den Olympia-Stopp einen Rückschlag erlitten (siehe auch Kommentar von ROLLINGPLANET-Leser Fabian Rombach: Paralympics als Inklusionsmotor sehen? Das ist zynisch!).

(RP/dpa)

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