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Hartz IV und kein Ende – Ein männliches Pendant für Inge Hannemann

Der Fall Inge Hannemann hat vor allem mediale Wellen geschlagen. Erst vor einigen Tagen wurde der Hartz IV Kritikerin der Panter Preis der taz verliehen. Jetzt hat sie so etwas wie ein männliches Pendant.

Marcel Kallwass

Marcel Kallwass

Eine Abmahnung und gemischte Gefühle

Marcel Kallwass hat bei bei seinem Arbeitgeber zur Zeit einen schweren Stand. Der 21jährige Student für Arbeitsmanagment steht bei seinem Arbeitgeber, der Bundesagentur für Arbeit, kurz vor seiner ersten Abmahnung. Kalkwass kritisiert, genau wie Inge Hannemann, in einem öffentlichen Blog den Umgang der Bundesbehörde mit Hartz IV Empfängern. Erst kürzlich seien einzelne Mitstudenten durch Vorgesetzte befragt worden, wie sie zum öffentlichen Block von Marcel Kallwass stünden. „Sie sollten sich dazu positionieren und dafür rechtfertigen“, so Kallwass. Das sei aus seiner Sicht ein absolutes No Go. Schließlich stelle dieser Blog seine persönliche Meinung dar. „Ich spreche ja nicht als Stellvertreter der Studierenden der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA)“, so der Student.

Marcel Kallwass weiß noch nicht so genau, wie es weiter gehen soll. Im Moment habe er eher gemischte Gefühle. Auf der einen Seite verspüre er eine große Solidarität von Menschen, die sich durch seine Kritik am Hartz IV System gestärkt fühlten. Andererseits sei er aber auch ziemlich sicher, dass sich die Führungsriege bei der Bundesagentur für Arbeit die größte Mühe geben werde, ihn so schnell wie möglich loszuwerden. Einen zweiten „Inge Hannemann-Fall“ könne man dort nicht gebrauchen. Schließlich mache der eine Fall durch das entstandene mediale Interesse offensichtlich schon genügend Probleme.

Ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden

Der Student aus Giengen im Osten Baden-Württembergs an der Grenze zu Bayern geht das Risiko aber ganz bewußt ein. „Was ist schon mein persönliches Risiko gemessen an der alltäglichen Situation von all den vielen erwerbslosen Menschen, die bei der Bundesagentur für Arbeit betreut werden“. Er habe schon immer ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden gehabt. Schließlich wisse er aber auch noch nicht so genau, ob er nach seinem Studium weiterhin bei der Bundesagentur für Arbeit beruflich tätig sein wolle. „Erst man abwarten, wie sich alles entwickelt“.

Was seine Kritik am Hartz IV System betrifft, befindet er sich allerdings in allerbester Gesellschaft. „Ich kritisiere, genau wie Inge Hannemann, den Druck, den die Behörden auf die Hartz IV Empfänger ausüben“. Die Erwerbslosen würden generell als die Schuldigen für ihre eigene Situation begriffen, anstatt mit ihnen auf Augenhöhe zu sprechen. Dabei steht er inzwischen mit Inge Hannemann in ständigen Kontakt. „Inge Hannemann ist ein großes Vorbild für mich“. Der Protest auf seinem öffentlichen Blog „Der kritische Kommilitone“ sei aber durchaus noch ausbaufähig. Insgesamt sei die öffentliche Resonanz auf seine Kritik aber überwiegend positiv. Er wolle jedoch nicht verhehlen, dass es auch schon Kritik gegeben habe.

Am 22. November wird sich vermutlich per Gerichtsentscheid endgültig entscheiden, ob Inge Hannemann weiterhin als Mitarbeiterin des Jobcenter Hamburg tätig sein darf. Auch davon wird es in gewisser Weise abhängen, wie es mit Marcel Kallwass beruflich weiter gehen wird.

mehr Infos: http://kritischerkommilitone.wordpress.com/

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Lothar Epe

Lothar Epe

Dieser Beitrag erscheint als unabhängiges Blog auf ROLLINGPLANET. Er wurde von der Redaktion weder geprüft noch muss er unsere Meinung wiedergeben. Auf ROLLINGPLANET können alle User – die etwas zu sagen haben – ihr eigenes Blog veröffentlichen. Lothar Epe ist verheiratet und hat drei Kinder. Als 56-Jähriger begann er 2011 ein Studium an der Freien Journalistenschule in Berlin. Er hat das Post-Polio-Syndrom (Spätfolge der als Kind durchgemachten Poliomyelitis). Bei ROLLINGPLANET tritt Epe zweifach auf: Als ROLLINGPLANET-Redakteur und hier als privater Blogger, der unabhängig von der Redaktion schreibt, was ihm wichtig ist. Zum ausführlichen Profil.

8 Kommentare

  • Kai

    Es wird langsam Zeit das wir aufstehen und dem Job Center mal zeigen wie viel Macht wir durchs Internet ausüben können!
    Hiermit rufe ich alle Betroffenen zum Widerstand auf!
    Zeigt dem faschistischen Regime wo der Hammer hängt!

    27. Oktober 2013 at 09:10
  • Kai

    Knüppelt die Job Center Mitarbeiter nieder die meinen sie können den Terror weiter ausüben!

    27. Oktober 2013 at 09:12
  • Niki

    Ich bin keine Deutsche ! Aber seit 1964 in Deutschland . Seit meiner Scheidung bin ich in Hartz 4 gelandet . Seit dem ersten Kind (3 sind es (damals für viele Asozial ) war ich nur Hausfrau . Da ich viel zulange aus dem Berufsleben war kann man mich NUR ungelernte Arbeitsplätze anbieten . Keine Chance um wieder im Büro zu arbeiten . Ales schön und gut . Meine persönliche Ansprechpartnerinnen waren bis jetzt Ok, so zu sagen . Eine davon zeigte mir ganz deutlich was ich zu tun habe. Nämlich ( dahin wieder zu gehen woher ich komme ) wenn ich nicht bis zu 2 stunden hin und 2 stunden zurück in kauf nähme für eine Versicherungspflichtige Tätigkeit . Darauf gab es Kürzungen vom Regelbedarf. Da habe ich zum zweite mal in meinem Leben, den Hass mir gegenüber, als nicht Deutsche gespürt . Und diese Frau war nicht älter als meine erstgeborene . Zum glück habe ich sie nur für 6 Monate als Ansprechpartnerin gehabt. Aber es ist Erniedrigend wie wir von manchen ……. behandelt werden .

    27. Oktober 2013 at 14:39
  • Bärbel

    Das schlimme an der ganzen Hartz 4 Geschichte ist, dass man keine Chancen hat, sich dort selber „rauszuwurschteln“ !
    Es werden keine selbst gesuchten Umschulungen bezahlt, wenn mann aufgrund gesundheitlicher (vom Amtsarzt bestätigter) Einschränkungen nicht mehr im alten Beruf arbeiten kann! Egal welche Umschulung-alles wird abgelehnt-selbst der Widerspruch.Angeboten werden einem dann 1 Eurojobs, in denen man -wegen der Einschränkung- eh nicht arbeiten kann und dabei bleibt das… also Jahrelang Hartz 4- obwohl man das selber nicht will und es durchaus möglich ist, durch solch eine Umschulung aus dem Bezug rauszukommen!!!
    Das ist irgendwie so gewollt! Du mußt dich ständig bewerben bei Jobangeboten, welche du eh nicht ausüben kannst, sonst wirst du gekürzt… Es wird nicht danach speziell geguckt, dich aus Hartz 4 rauszukriegen (wäre ja zu viel Arbeit)…Wichtig sind Sanktionen!Schade!

    27. Oktober 2013 at 22:15
  • Stefan Stickler

    Sorry Leute, aber das kann ich so nicht gelten lassen! Ich kann mich nicht – im übertragenen Sinn – über grauenhafte Hinrichtungsmethoden echauffieren, wenn ich selber Henker sein und bleiben will! Das Problem ist doch, dass durch das Mitwirken der einzelnen Jobcenter-Mitarbeiter das System „Hartz-IV“ erst möglich wird; unabhängig davon, ob man/frau den Umgang mit den Betroffenen gutheißt oder nicht. Man kann auch einen Kerker gemütlicher gestalten: Ein Kerker bleibt es trotzdem noch. Der alte Sponti-Spruch: „Stell Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin…“ lässt sich auch hier umdeuten: „Stell Dir vor, es gibt Hartz-IV, und keiner will Jobcenter-Mitarbeiter werden…“! Herr Kalkwass, sowie Frau Hannemann kritisieren zwar AM Hartz-IV-System; sie kritisieren aber das System selbst nicht! Stattdessen sind sie Teilnehmer an diesem System und tragen es so unweigerlich mit. Echte Rebellion gegen Hartz-IV wäre, wenn man sich diesem System grundsätzlich verweigert.

    29. Oktober 2013 at 01:39
  • carola

    hm….herr kallwas ist Student für Arbeitsmanagment , sein arbeitgeber ist die BA..er hat JETZT schon probleme mit der art seiner (zukünftig )von ihm verlangten tätigkeit …nun ja…die frage ist :

    warum wechselt er nicht das studienfach ?(wäre ja sicher möglich )und/ oder zieht in betracht , sein wissen eben nicht zur allgemeinen verfestigung des hartzIV -systemes einzusetzen , sondern eine tätigkeit zu wählen , die DIREKT zum nutzen der /des betroffenen ist , auch wenn dies ggf. nicht unbedingt verdienst ,-karrierechancen verspricht .?

    am system hartzIV gibts nix mehr zu reformieren …selbst die eisernsten verfechter dieses systems haben erkannt , das die „wirksamkeit „(halbwertzeit )nun langsam seinen zenit überschritten hat ..fraglich ist nur, welche konsequenzen aus diesem wissen gezogen werden ?
    ich ahne…für die betroffenen eher keine guten , eher ist mit noch mehr druck /schikane …zu rechnen ..denn in einem hat sich das HartzIV-system ja bewährt :

    als angstmacher für die , die noch arbeiten ..es ist für sie ein blick in die zukunft, wenn sie den anforderungen der wirtschaft an ihre arbeitskraft /leidensfähigkeit nicht gerecht werden können /wollen .

    deswegen is anzunehmen , zu vermuten , das es eher zu „hartzV“, als zu einer abschaffung kommen wird.

    und wenn herr kallwass JETZT schon erkennt /begreift ..wo die fehler /unzulänglichkeiten /auswirkungen /langzeitfolgen …von hartzIV liegen ..ist er bereit , hartzV zu etablieren?? (würde er ja tun , durch seine aktive arbeit als amtsmitarbeiter …denn „wasch mich und mach mich nicht nass „wird eher nicht funktionieren )

    ich denke, (und das betrifft auch Inge hannemann )..wenn ich an einem „krieg „nicht teilnehmen will /kann , dann bleibt mir immer noch die option der „kriegsdienstverweigerung“ …wenn man „küchendienst „:) macht , hat man den krieg ja auch indirekt unterstützt .

    entweder, man hat ne überzeugung , oder man hat sie nicht …man kann aber nicht alles haben !

    29. Oktober 2013 at 11:49
  • Petter Bernd

    Hallo

    Eines wurde in diesem Zusammenhang noch nie erwähnt. Der Erfinder von Harz IV ist immer noch in der SPD. Meines wissens kommt in dem Kürzel das Wort Sozial vor. Dass die SPD diesen Herrn noch nicht rausgeschmissen hat zeigt doch wie verkommen dieser Verein ist.

    bis denne
    Bernd Petter

    15. November 2013 at 10:55

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