Heiko Kröger: Nach Rio ist Schluss

Zum Abschied auf Medaillenjagd – der Segler und furchtlose IOC-Kritiker will seine Karriere bei den Paralympics krönen.

Heiko Kröger (Foto: Privat/Facebook)

Heiko Kröger (Foto: Privat/Facebook)

Er war der größte Kritiker des umstrittenen Olympia-Reviers. Jetzt aber will Segler Heiko Kröger in Rio de Janeiro auf Medaillenjagd gehen und seine Karriere beim fünften Paralympics-Start nach Gold 2000 und Silber 2012 mit einer dritten Medaille krönen. Danach ist Schluss.

Scharf hatte der in Ammersbek bei Hamburg lebende fünffache Familienvater IOC-Präsident Thomas Bach und das Internationale Olympische Komitee in den vergangenen Monaten kritisiert, weil die Guanabara-Bucht als stark von Bakterien und Müll belastetes Gewässer für die Regatten zugelassen worden war. So schrieb er bei Facebook: „Lieber Thomas Bach! Wie geht es Ihnen? Wenn ich IOC-Präsident wäre, könnte ich nicht mehr schlafen.“ (ROLLINGPLANET berichtete: „Wer seine Sportler auf dieses Wasser schickt, ist an den Aktiven nicht interessiert.“)

Kurz vor seinem Abflug nach Rio sagte Kröger: „Ich habe als Athlet getan, was ich konnte, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Jetzt habe ich das Thema Umwelt und Wasserqualität hinter mir gelassen und konzentriere mich auf mein sportliches Ziel.“ Rein seglerisch, so Kröger, sei die Guanabara-Bucht „super cool, sehr hübsch und mit ihren pendelnden Winden eine Herausforderung“, die ihm liege.

Das sind seine Konkurrenten

Er sei auf dem nordrhein-westfälischen Biggesee mit Hügeln an den Ufern aufgewachsen und habe diese Art des komplexen Segelns „mit der Muttermilch aufgesogen“. Deutschlands erfolgreichster Paralympics-Einhandsegler will seine Erfahrungen erneut nutzen.

Sechs Kandidaten hat Kröger als Medaillen-Kandidaten für die paralympische Regatta der Einmann-Kielboote vom Typ 2.4mR auf der Liste. Er selbst gehört dazu. Außerdem der Franzose Damien Seguin, der Australier Matt Bugg, der Norweger Björnar Erikstad, der Amerikaner Dee Smith und die Britin Helena Lucas.

Noch einmal Vierter werden wie 2004 und 2008 will Kröger nicht. „Ich weiß, wie man Medaillen gewinnt. Und ich weiß, wie es ist, wenn man Medaillen verliert“, sagte er. Das Konzept des für den Norddeutschen Regatta Verein startenden Mannes: „Bootsgeschwindigkeit ist in Rio nicht das einzig relevante Kriterium. Man muss konsequent mit den Winddrehern arbeiten, die Schläge im richtigen Moment setzen und wach bleiben.“

Nach dem Abschied kommt der Job

Für die drei Segel-Disziplinen 2.4mR, SKUD (Zweimann-Boot) und Sonar (Dreimann-Boot) markiert die Rio-Regatta die Abschiedsgala. Der paralympische Segelsport wurde für 2020 aus dem Programm gestrichen. Der Weltseglerverband World Sailing kämpft um die Wiederaufnahme. Für den 51-Jährigen Kröger würde sie zu spät kommen. Er feiert in Rio auch persönlich Abschied von der Paralympics-Bühne und will sich danach seiner beruflichen Karriere widmen, das Segeln allerdings nicht aufgeben.

Der Startschuss zur Paralympics-Regatta fällt am 12. September. Während im SKUD kein deutsches Team startet, greift eine deutsche Sonar-Crew in neuer Besetzung mit dem Berliner Steuermann Lasse Klötzing ebenfalls nach einer Medaille.

(dpa)

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