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Heißer Geheimtipp: Sibirien ist nicht immer arschkalt (und ein Paradies)

Eine kleine Rundreise: Kultur und Entspannung in Chakassien, Tuva und Krasnoyarsk.

Die mythenreiche Republik Tuva, deren Hauptstadt Kyzyl den geografischen Mittelpunkt Asiens markiert, liegt im südöstlichen Teil Sibiriens. Die Tuviner zählen ethnologisch zu den Turkvölkern. Im Kulturzentrum Aldyn-Bulak tragen Frauen und Männer prächtige Gewänder, die an die nomadisch lebenden Vorfahren aus der Zeit des Mongolenherrschers Dschinghis Khan erinnern. (Foto: Achim Zielke, Bad Honnef)

Die mythenreiche Republik Tuva, deren Hauptstadt Kyzyl den geografischen Mittelpunkt Asiens markiert, liegt im südöstlichen Teil Sibiriens. Die Tuviner zählen ethnologisch zu den Turkvölkern. Im Kulturzentrum Aldyn-Bulak tragen Frauen und Männer prächtige Gewänder, die an die nomadisch lebenden Vorfahren aus der Zeit des Mongolenherrschers Dschinghis Khan erinnern. (Foto: Achim Zielke, Bad Honnef)

Für Menschen, die das Gegenteil von Ballermann und Partymachen suchen, dürfte die weite Reise in die sibirischen Regionen Chakassien, Tuva und Krasnoyarsk reizvoll sein – wenn es sie nicht stört, dass in den sibirischen Berkgwerken zahlreiche politische und Kriegsgefangene starben. Die Lager wurden um 1990 aufgelöst.

Unter dem Begriff „Sibirien“ wird im allgemeinen der gesamte asiatische Teil der Russischen Föderation verstanden. Diese Fläche nimmt etwa 13 Millionen Quadratkilometer ein. Die Größe des Landes wird deutlich, wenn man sich die Entfernungen vor Augen hält:

Von Brüssel ist Moskau gut 2.500 Kilometer entfernt. Bis nach Abakan, der Hauptstadt der Region Chakassien, sind es von der russischen Metropole aus weitere 4.200 Kilometer, alternativ bis zum sibirischen Wirtschafts- und Tourismuszentrum Krasnoyarsk rund 4.000 Kilometer. Die An- und Abreise per Flugzeug via S7 Siberia Airlines dauert jeweils einen Tag und führt über mehrere Zeitzonen hinweg. Ein Jetlag ist daher inklusive.

Beste Reisezeit für Sibirien

In Sibirien herrscht ein stark ausgeprägtes Kontinentalklima. Das bedeutet, dass die Sommer heiß und die Winter extrem kalt sind. Die Skala des Thermometers kann in Sibirien im Hochsommer mitunter auf die 40 Grad-Marke klettern, im Winter wurden schon Temperaturen unter -70 Grad gemessen.

Der Winter ist die beherrschende Jahreszeit in Sibirien. Frühling, Sommer und Herbst laufen innerhalb weniger Monate ab, das restliche Jahr wird von Eis, Schnee und Kälte bestimmt. Der Winter dauert in Sibirien sehr lange, mitunter bleibt die Schneedecke über neun Monate liegen.

Die beste Reisezeit für Sibirien liegt grob gesagt ausserhalb des Winters. Wer sich auf eine Reise nach Sibirien machen möchte, sollte die Zeit von Mai bis September einplanen.

Westliche Besucher im Blick

Das größte Land der Erde mit dem zweifelhaften Gulag-Image wünscht sich mehr Besucher aus dem Ausland. Gesucht werden Touristen, die gewillt sind, die Unendlichkeit einer nahezu unberührten Steppenlandschaft, auf sich wirken zu lassen.

Sibrien hat den wohl dichtesten Baumbestand der Erde, endlose Bergketten, fischreiche Seen, den mildwürzigen Duft einer überaus sauerstoffreichen Luft, reißende Flüsse wie den Jenissej, die „Mutter aller Ströme“, in ursprünglicher Artenvielfalt wild lebende Tiere und den Zauber eines Jahrtausende alten, von Schamanen geprägten Naturglaubens.

Die traditionellen Unterkünfte im Naturreservat Kazanovka sind ein Muss für jeden naturbegeisterten Sibirien-Touristen. Funde aus der Stein- und Bronzezeit zeugen von einer Zivilisation, deren historische Wurzeln weit vor unserer Zeitrechnung liegen (Foto: Achim Zielke, Bad Honnef)

Die traditionellen Unterkünfte im Naturreservat Kazanovka sind ein Muss für jeden naturbegeisterten Sibirien-Touristen. Funde aus der Stein- und Bronzezeit zeugen von einer Zivilisation, deren historische Wurzeln weit vor unserer Zeitrechnung liegen (Foto: Achim Zielke, Bad Honnef)

Klare Gewässer, wohin man schaut. Unendliche Birken-, Pinien- und Lärchenwälder. Dazu die malerische Steppe, die sich scheinbar nahtlos mit mächtigen Gebirgsketten vereint. Sibirien lädt ein, die Ursprünglichkeit der Natur mit allen Sinnen zu erleben. (Foto: Achim Zielke, Bad Honnef)

Klare Gewässer, wohin man schaut. Unendliche Birken-, Pinien- und Lärchenwälder. Dazu die malerische Steppe, die sich scheinbar nahtlos mit mächtigen Gebirgsketten vereint. Sibirien lädt ein, die Ursprünglichkeit der Natur mit allen Sinnen zu erleben. (Foto: Achim Zielke, Bad Honnef)

Sibirien strebt eigenen Worten zufolge einen auf Kultur- und Naturerhalt bedachten Qualitäts-Tourismus an, der in seinem Kern weitgehend dem europäischen Verständnis von Nachhaltigkeit entspricht.

„In unserem Land leben mehrere Hundert Volksgruppen friedlich und ohne Akzeptanzprobleme mit- und beieinander. Vor diesem vielfältigen und traditionsreichen kulturellen Hintergrund sind wir bereit, uns mehr denn je für Besucher aus dem Ausland zu öffnen“, so der chakassische Sport- und Tourismus-Minister Waleri Dentschikow.

Der Minister hat sowohl Geschäftsleute als auch Privatreisende im Blick, die eine Auszeit brauchen. Bei den westlichen Besuchern könne es sich aus seiner Sicht um passionierte Reiter oder Jäger, Angler und Sportfischer, Wintersportler, an Ausgrabungen, Museen, Musikfestivals und ähnlichen Kulturdarbietungen interessierte Gäste oder um Naturliebhaber handeln, die Naturerlebnisse in sibirischen Dimensionen suchen.

Wellnessen im tiefen Osten

Die weitläufige Hotelanlage "Beguschaya po volnam" liegt am malerischen Badesee Shira und bietet ideale Voraussetzungen für einen erholsamen Sommerurlaub in Sibirien. (Foto: Achim Zielke, Bad Honnef)

Die weitläufige Hotelanlage „Beguschaya po volnam“ liegt am malerischen Badesee Shira und bietet ideale Voraussetzungen für einen erholsamen Sommerurlaub in Sibirien. (Foto: Achim Zielke, Bad Honnef)

Erholungsmöglichkeiten mit und ohne ärztliche oder physiotherapeutische Begleitung bieten sich in Sibirien zuhauf – beispielsweise im Recreation House „Beguschaya po volnam“, das rund 170 Kilometer nördlich von Abakan im kleinen Ort Zhemchuzhny liegt. Zimmer und Suiten können mit hohem Komfort, idyllisch bepflanzten Gärten und einer unverbauten Aussicht auf den Badesee Shira, einen von weit über 1.000 Süß- oder Salzwasserseen Sibiriens, punkten.

„Etwa 20 deutsche Gäste kann ich jedes Jahr begrüßen“, sagt Recreation-House-Inhaberin Irina Soboleva. Weshalb bislang fast ausschließlich Russen hierher finden, ist auf die Sprache zurückzuführen. Einen russischen Hotelprospekt können in Deutschland nur wenige lesen. Soboleva plant deshalb eine deutschsprachige Broschüre ihres Hauses zu entwerfen.

Welche Reisebestimmungen zu beachten sind

Bevor ROLLINGPLANET-Leser/innen im kommenden Winter sich nur mit einer Badehose oder einem Bikini bekleidet auf den Weg machen: Ja, Sibirien kann auch arschkalt sein (Foto: dpa)

Bevor ROLLINGPLANET-Leser/innen im kommenden Winter sich nur mit einer Badehose oder einem Bikini bekleidet auf den Weg machen: Ja, Sibirien kann auch arschkalt sein (Foto: dpa)

Wer nach Sibirien reisen möchte, braucht ein Visum. Dieses lässt sich über ein auf Russlandreisen spezialisiertes Reisebüro beantragen. Falls man eine private Einladung von einem Gastgeber in der Russischen Föderation vorlegen kann, lässt sich die Aufenthaltsgenehmigung auch direkt bei der Konsularabteilung des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten beantragen.

Zu den Antragsvoraussetzungen zählen unter anderem ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass sowie eine private Auslandsreise-Krankenversicherung, die für ganz Europa und außerdem für Asien gilt. Weitere Informationen in deutscher Sprache stehen im Internet auf www.russische-botschaft.de bereit.

Zu empfehlen ist der Reiseführer „Sibirien“ von Bodo Thöns, erschienen im Trescher Verlag. Spezielle Angebote für Reisende mit Rollstuhl gibt es bei dem Veranstalter Baikal-Reisen.

(pte/RP/Dieser Artikel entstand auf Einladung des stellvertretenden Tourismusministers der Region Krasnoyarsk, Evgene Piyankov)

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