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Herr Tengelmann, hier ist eine dufte Idee: Sofort investieren und unterstützen

Einige kennen dieses Problem im Supermarkt: Wie soll man gleichzeitig seinen Rollstuhl und den Einkaufswagen lenken? Der Portugiese Luis Carlos Inacio de Matos will das Shoppingleben leichter machen – per Funk und Gestensteuerung.

Luis Carlos Inacio de Matos

Luis Carlos Inacio de Matos

Lieber Herr Tengelmann, wir wissen natürlich, dass Sie nicht Tengelmann heißen, sondern Karl-Erivan Haub. Egal. Was halten Sie denn davon?

Der Portugiese Luis Carlos Inacio de Matos präsentiert derzeit in einem neuen Video den neuesten Stand seines Projekts „wi-Go“, was auf Deutsch so viel bedeuten könnte wie „Gehen oder Fahren per Funk“. Damit sind keine Rollstuhlfahrer gemeint, sondern ihre Einkaufswagen, die sie bislang möglicherweise mehr schlecht als recht durch den Supermarkt schieben.

Der Technikfreak Luis Carlos Inacio de Matos fragte sich, wie man dieses Problem löst. Gemeinsam mit der University of Beira Interior in Covilhã arbeitet er an einer Innovation, die vielen behinderten Menschen Shopping – und andere Bereiche – wesentlich erleichtern könnte.

Die kleine Hochschule mit nur wenigen tausend Studenten unterrichtet Medizin, Ingenieurswissenschaften und Mathematik. Vor neun Monaten stellte de Matos mit Hilfe der Universität erstmals „wi-Go“ vor – eine Lösung, die Kinect, eine für eGames entwickelte Technologie, einsetzt.

Die Steuerung von Rechnersoftware mit den sogenannten Kinect-Hacks gehört heute zum Standardprogramm mehrerer Hersteller wie Nintendo, Microsoft oder Sony. Die Steuerungstechnik ermutigte bereits viele Bastler, die kostengünstigen Geräte zweckzuentfremden. So gibt es bereits fliegende Roboter und Puppen, die mit Hilfe der Fernsteuerung bedient werden. Laut Microsoft entwickeln derzeit weltweit 300 Firmen Kinect-basierte Produkte.

Du kontrollierst

Kinect war Microsofts Trumpf für den hart umkämpften Markt der digitalen Abenteuer wie Star Wars: The Old Republic. Spieler von Sony, Nintendo & Co. können seither aktiv sein statt nur ein paar Knöpfe zu drücken. Kinect kommt ohne Kabel, ohne Knöpfe und ohne Controller aus: „Du kontrollierst“ heißt es in der Werbung – und das ist auch das Prinzip, das Luis Carlos Inacio de Matos für seinen Einkaufswagen anwendet.

Demo video from Luis de Matos on Vimeo.

Bei Kinect werden die Bewegungen des Spielers mit drei kleinen Kameras aufgenommen. Daraus entsteht ein 3D-Bild des Körpers. Die Software analysiert mit einem komplexen Erkennungsalgorithmik – Algorithmen sind so etwas wie die Kochrezepte für einen Computer – 20 Punkte wie Kopf, Schultern, Ellbogen, Hände, Knie und Füße. Kinetic erkennt auf diese Weise Bewegungen und überträgt diese direkt in das Spiel.

Mit dieser Technologie ist es Luis Carlos Inacio de Matos gelungen, einen Einkaufswagen so auszustatten, dass dieser ihm schnurlos hinterher rollt. Das sieht spektakulär aus, wie unser Video zeigt. Der Sender, der der Fernbedienung bei den Video-Spielen entspricht, wird an dem Rollstuhl befestigt. De Matos will dem Proto-Einkaufswagen nun auch noch beibringen, nicht nur zu folgen, sondern parallel zum Anwender zu fahren.

Hilfe für viele Menschen

„Mein Ziel“, sagt Luis Carlos Inacio de Matos, „ist es, eine barrierefreie Gesellschaft aufzubauen, ein Robotersystem, das auf der Sensortechnologie Kinect basiert und es behinderten, aber auch älteren Menschen oder Schwangeren möglich macht, Produkte ohne Schwierigkeiten, bequem und sicher zu tragen.“

Ach so, lieber Herr Tengelmann, vor lauter Begeisterung hätten wir beinahe vergessen: In manchen Ihrer Filialen sind die Plastiktütchen für das Gemüse und Obst so hoch angebracht, dass viele behinderte Menschen alleine nicht herankommen, um sie abzureißen. Die Vorrichtungen mit ein bisschen Aufmerksamkeit aufgestellt, ließe sich mehr Barrierefreiheit erreichen – ohne einen Cent Extrakosten. Sagen Sie es doch bitte dem Herrn Karl-Erivan Haub.

Quelle: ROLLINGPLANET wurde aufmerksam durch handicapnews.de

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1 Kommentar

  • Jens Maspfuhl

    Wer soll sowas warten. Wir bekommen ja noch nicht mal funktionierende Fahrstühle hin.

    29. März 2012 at 07:13

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