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„Heute bin ich blond“: Krebs? Lasst mich doch einfach das Leben genießen

Eine junge Frau besiegt mit viel Humor und Lebenslust ihre Erkrankung – die Verfilmung des Bestsellers kommt am 28. März in die Kinos. Lisa Tomaschewsky in der Hauptrolle ist eine Entdeckung.

Moderatorin Sylvie van der Vaart (l-r), die Schauspielerin Lisa Tomaschewsky und die Autorin Sophie van der Stap bei der Premiere von "Heute bin ich blond" in Hamburg (Foto: dpa)

Von links nach rechts: Moderatorin Sylvie van der Vaart, die Schauspielerin Lisa Tomaschewsky und die Autorin Sophie van der Stap bei der Premiere von „Heute bin ich blond“ in Hamburg (Foto: dpa)

Am Mittwochabend war in Hamburg Premiere von „Heute bin ich blond“. Der Film von Marc Rothemund (der Regisseur wurde 2005 für „Sophie Scholl – die letzten Tage“ mit dem silbernen Bären der Berlinale ausgezeichnet) basiert auf dem gleichnamigen Bestseller der Holländerin Sophie van der Stap, der weltweit Erfolge feierte und in 17 Sprachen übersetzt wurde. Bei uns erschien das autobiographische Buch über den Kampf der Studentin gegen ihre Krebserkrankung 2009 und belegte Platz zwei der „Spiegel“-Bestsellerliste. Der Film, halb Drama, halb Komödie, wird nächste Woche am 28. März in die Kinos kommen.

Silvie van der Vaart (34) – ebenfalls Holländerin, die vor vier Jahren selbst an Brustkrebs erkrankt war und weiß, was es heißt, in der Öffentlichkeit Perücke zu tragen – hatte die Moderation des Abends übernommen. „Ich muss nächste Woche wieder zur Untersuchung nach Madrid“, erzählt das Model und die Moderatorin. „Während meiner Chemotherapie war Sophies Buch eine große Hilfe. Mein Beweis, dass man während einer Chemotherapie nicht die Feminität verlieren muss, und die Sexualität. Und sich auch noch schön fühlen darf.“

Silvie van der Vaart (Foto: RTL)

Silvie van der Vaart (Foto: RTL)

Einfach das Leben genießen

Für alle, die das Buch noch nicht kennen: Die am 11. Juni 1983 geborene Sophie (gespielt von Lisa Tomaschewsky) freut sich auf ihr Politikstudium und ein aufregendes Leben in ihrer neuen Wohngemeinschaft. Sie ist 21 Jahre jung, als sie im Januar 2005 plötzlich mit der Diagnose Brustfellkrebs konfrontiert wird. Von einem Moment auf den anderen bestimmen Therapie, Ängste und eine ungewisse Zukunft ihr Leben.

Doch Sophie lässt sich nicht unterkriegen. Sie rebelliert gegen den tristen Krankenhausalltag und findet sich mit ihrem Schicksal nicht ab. Sie will auf nichts verzichten und ihr junges Leben einfach genießen: feiern, lachen, flirten, Sex haben und ihre Träume leben. Sie tanzt die Nächte durch mit ihrer langjährigen Freundin Annabel (Karoline Teska) und verliebt sich in ihren besten Freund Rob (David Rott).

Und sie beginnt zu schreiben. Mit ihrem Blog in Internet macht sie ihre ersten Schritte als Schriftstellerin. Mit der Unterstützung ihrer Familie und viel Humor, Mut und Zuversicht streckt Sophie der Krankheit den Mittelfinger entgegen… Ein Jahr nach ihrer Krebsdiagnose wird sie geheilt entlassen. Der Film verblüfft ebenso wie die Protagonistin: Sophie bringt das Publikum zum Lachen, wenn man es am wenigsten erwartet.

“Jetzt darf ich alles hassen“

Lisa Tomascheswky spielt die Hauptrolle (Foto: Universum Film)

Lisa Tomaschewsky spielt die Hauptrolle (Foto: Universum Film)

Vor Beginn der Chemotherapie lässt sie sich von einem Freund fotografieren: „Sophie ohne Krebskopf“, notiert sie trotzig in ihr Tagebuch. Mit den Folgen der Therapie kann sich Sophie zunächst überhaupt nicht anfreunden. Sie weiß nicht, „wen sie hässlicher findet: Sophie mit Muttchenkopf oder Sophie als Skinhead.“ Doch dann werden Perücken zu ihrem Lebenselixier – je nach Farbe und Frisur kommt ein anderes Stück Sophie zum Vorschein. Und jede Verwandlung mit einer ihrer neun Perücken macht sie stärker. Und den zeitweiligen Portkatheter, der den Ärzten einen Zugang zum Blutkreislauf erlaubt, tauft sie zynisch „Extra-Titte“.

„Jetzt wo ich Krebs habe, darf ich alles hassen. Überall dagegentreten, jeden anmotzen, alles ablehnen. Einundzwanzig und Krebs. Das Leben ist nicht mehr mein Freund, sondern mein Feind. Mein erster Feind“, schreibt van der Stap: „Aber der Krebs ist auch mein Freund geworden. Durch den Krebs kann ich intensiv fühlen, intensiv genießen, intensiv erleben.“

Lisa Tomaschewsky ist eine Entdeckung

Zum Drehende besuchte die Autorin Sophie van der Stap die Schauspieler am Drehort: „Es ist sehr aufregend zu sehen, wie die eigene Geschichte Gestalt annimmt. Und sehr berührend, dass die Hauptdarstellerin Lisa Tomaschewsky ähnliche Erfahrungen macht, wie ich damals – sowohl im Film, als auch im richtigen Leben, wenn sie eine ihrer Perücken trägt.”

Die 23-jährige geborene Itzehoerin Lisa Tomaschewsky ist eigentlich bekannt als ein äußerst gefragtes Model. Die Wahl-Hamburgerin, die mit dem erfolgreichen Männer-Model Lars Burmeister (Hugo Boss) liiert ist, stand unter anderem für Werbekampagnen von Triumph, Elle, Tommy Hilfiger oder Mexx vor der Kamera. Seit „Ich bin blond“ gilt Tomaschewsky in der Rolle der krebskranken Studentin als Schauspielentdeckung – es ist ihr Kinodebüt, für das sie sich von ihren 45cm langen Haaren verabschiedete und sich eine Glatze schneiden ließ.

Sophie van de Stap lebt heute als Journalistin und Schriftstellerin in Paris und arbeitet an ihrem nächsten Roman.

(RP/ZG)

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