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Hickhack um Schaffelhubers drittes Gold – die Hintergründe

Nun ist es den Ösis plötzlich ganz peinlich, dass sie unseren Paralympics-Star disqualifizieren lassen wolten.

Anna Schaffelhuber gestern nach der Zweiten Runde im Slalom (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Anna Schaffelhuber gestern nach der Zweiten Runde im Slalom (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Das Lächeln sprach Bände. „Ja, es ist Gold“, verkündete Anna Schaffelhuber nach einem unwürdigen Hickhack um ihre Disqualifikation. Mehr als 24 Stunden musste sie bei den Paralympics in Sotschi um den Sieg im Slalom bangen. Dann entschied das Internationale Paralympische Komitee (IPC) am Donnerstag: „Die Disqualifikation ist aufgehoben, ich habe Gold“, berichtete sichtlich erleichtert die nun dreimalige Paralympics-Siegerin nach dem Happyend.

Zweite ist ihre Teamkollegin Anna-Lena Forster aus Radolfzell vor Kimberly Joines aus Kanada. Mit ihrer Gesamtzeit von 2:09,93 Minuten war sie mehr als vier Sekunden schneller als die Zweite. „Das war schon ziemlich spannend, das Ganze. Ich bin jetzt einfach nur froh, ebenso wie alle anderen Athleten. Ich habe kurz mit Anna-Lena gesprochen, sie ist jetzt auch erleichtert, dass jetzt endlich ein Ergebnis da ist. Wir sind alle nur erleichtert“, sagte die querschnittgelähmte Athletin aus Bayerbach. Ihr drittes Gold von Sotschi war zugleich das sechste für das deutsche Team, das durch Forster nun auch die erste Silbermedaille in der Bilanz hat.

Protest und Gegenprotest

Österreich hatte am Mittwoch Protest gegen den ersten Slalom-Lauf eingelegt. Angeblich hatte sich Anna Schaffelhuber vor ihrem Start regelwidrig angeschoben. Nach einem deutschen Gegenprotest durfte sie im zweiten Durchgang als Erste mit umgedrehter Nummer fahren. Die Zeit wurde gestoppt und bis zur Verhandlung vor der Appellationsjury geheim gehalten. „Das ist eine wunderbare Entscheidung im Sinne des Sport“, sagte der deutsche Verbandschef Friedhelm Julius Beucher.

Das dreiköpfige Gremium unter Vorsitz des Briten Alan Dickson ließ sich im IPC-Hotel Aiwasowski Zeit für seine Entscheidung. Um 11.33 Uhr kamen Anna Schaffelhuber von der Anhörung zurück ins Vestibül. Als Erste eilte Österreichs Verbandspräsidentin Maria Rauch-Kallat auf sie zu, um sich für den Protest zu entschuldigen. „Ich möchte mich ganz herzlich entschuldigen. Es tut mir sehr leid“, sagte die 65-jährige Unternehmerin und umarmte die Sportlerin.

Foul des Ösi-Cheftrainers

„Das war eine nette Geste. Es wäre schön, wenn sich die Verantwortlichen auch entschuldigen würden. Das ist unfair gegen meine Person“, sagte Schaffelhuber, die als kleine Ablenkung ein Foto vom Fernseh-Interview mit Rauch-Kallat und Beucher mit ihrem Handy knipste.

10_Hujara_ManuelDer Einspruch war der Österreicherin sichtlich unangenehm. „Was nicht bedacht wurde, waren die Auswirkungen für Anna Schaffelhuber. Als das klar geworden war, hat sich Österreich dafür eingesetzt, dass sie an den Start gehen darf“, sagte Rauch-Kallat und kritisierte Cheftrainer Manuel Hujara (Foto: Austria Ski-Team) hart: „Es war eine falsche Logik, die den Cheftrainer geleitet hat. Bei mir hätte die Logik schneller eingesetzt.“

Nach eigener Aussage wollte Hujara mit seinem Protest ein Argument gegen die Disqualifikation seines Sportlers Philipp Bonadimann haben. Dieser war wegen des bei Schaffelhuber monierten Regelverstoßes im Slalom der Super-Kombination nicht mehr zum zweiten Teil des Super-G an diesem Freitag zugelassen worden. Die Disqualifikation von Bonadimann blieb bestehen.

(dpa)

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1 Kommentar

  • Handbiker

    Ja ja, die Ösis… Eine östeteichische Bekannte erzählte mir einmal, daß das östereichische Volk sich durch die Binnenlage ihres kleinen Landes gegenüber Deutschland oft benachteiligt fühlt. Selbst zu verlieren und Deutschland gewinnen zu sehen empfindet Östereich häufig als Schmach. Ich weiß nicht ob da was dran ist, aber ich mußte bei dieser demütigenden Anzeige gegen Anna Schaffelhuber an diese Äußerungen meiner östereichischen Bekannten denken. Für mich lag in der östereichische Anzeige gegenüber Anna Schaffelhuber die Absicht, das starke Deutschland zu demütigen. Anna Schaffelhuber tut mir unendlich leid, mit dieser Demütigung zwischen diese Fronten geraten zu sein. Aber ich freue mich um so mehr, daß die Ösis mit ihrer Anzeige nicht weit gekommen sind. Herzlichen Glückwunsch zur Goldmedallie Anna!

    14. März 2014 at 07:15

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