Hier gibt Vanessa Low ihr erstes Interview als Paralympics-Siegerin

Nach ihrem Gold mit Weltrekord verrät die 26-jährige Leverkuserin, warum sie in Rio so stark ist.

Vanessa Low (Foto: Privat/Instagram)

Vanessa Low (Foto: Privat/Instagram)

Vanessa Low hat in Rio de Janeiro ihren ersten Paralympics-Sieg gefeiert. Die 26-jährige Leichtathletin gewann am Samstagabend (Ortszeit) den Weitsprung. Dabei verbesserte die Leverkusenerin, die im Alter von 15 Jahren vor einen Regionalzug gestoßen wurde und dabei beide Beine verlor, ihren eigenen Weltrekord zuerst auf 4,88 Meter und dann auf die Siegweite von 4,93 Meter. Die zweitplatzierte Italienerin Martina Caironi kam auf 4,66 Meter. Anschließend stellte sich die Ex-Freundin von Markus Rehm den Fragen der Medien. Martin Kloth und Franz Schubert zeichneten die Fragen und Antworten auf.

In London gelang Ihnen keine Medaille. Warum hat es jetzt in Rio mit Gold geklappt?

Ich bin nicht nur körperlich sehr gut drauf, sondern auch mental. Das hat mir unheimlich geholfen. In der Zeit in den USA bin ich sehr gewachsen, sowohl sportlich als auch persönlich.

Sie haben nicht nur Paralympics-Gold gewonnen, sondern sind auch Weltrekord gesprungen. Wie ist das zu erklären?

Nach der langen verletzungsbedingten Pause im Winter war ich auf den Punkt fit, es hat alles gepasst. Ich bin begeistert, dass alles gestimmt hat. Ich bin in den Wettkampf gekommen und hatte eine schwere Saison. Aber als ich im Stadion stand, war ich einfach nur ruhig, ich war entspannt und ich war in der Lage, es wirklich zu genießen. Es war gar kein Vergleich zu London. Natürlich war ich nervös und natürlich ist es etwas anderes, als bei einer deutschen Meisterschaft zu springen. Ich wusste genau, was ich tue. Es hat einfach Spaß gemacht.

Hatten Sie keine Zweifel, dass der Wettkampf mit Ihrem Sieg enden würde?

Ich war realistisch. Meine Saison war schwierig, ich hatte viele Verletzungen. Das ist vielleicht das, was ich brauchte. Ich war mental darauf vorbereitet, dass ich auch nicht gewinnen kann, dass es nicht so toll für mich läuft. Das ist das, was man Selbstvertrauen nennt. Einmal verlieren und auch gewinnen zu können und auf beides vorbereitet zu sein.

Hatten Sie den Eindruck, dass die Gegnerin Martina Caironi nach ihrem ersten Sprung auf gleich 4,76 Meter geschockt war?

Ich glaube, meine Gegnerin wusste, dass ich gut drauf bin. Ich glaube, sie wusste auch, dass ich weit springen kann. Ich habe es ja bei der WM letztes Jahr schon angedeutet. Ich hatte einige wirklich weite Sprünge dabei. Hier ist die Bahn einfach auch gut und schnell. Es stimmte einfach alles. Außer: Sieben Zentimeter mehr hätten es noch sein können.

Ist das also ein Traum von Ihnen, die Fünf-Meter-Marke zu überbieten?

Es war ein Traum. Es war auch echt schade. Der Sprung, der am weitesten war, war noch viel, viel weiter. Aber ich habe die Feder zurückgezogen und das hat mich ordentlich was gekostet. Aber es sollte heute nicht. Ich bin glücklich, so wie es ist. Weltrekord, Goldmedaille – mehr kann man sich nicht wünschen.

(RP/ag/dpa)

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