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Hier kommt ein Akademiker, dem viele Firmen gleich mal absagen würden

Studie: Selbst Menschen mit Hochschulabschluss sind im Job weniger gefragt, wenn sie eine Behinderung haben.

Ein Akademiker, der nicht der Norm entspricht: Prof. Stephen Hawking – einer der klügsten Menschen der Welt, wie es heißt (Foto: dpa)

Ein Akademiker, der nicht der Norm entspricht: Prof. Stephen Hawking – einer der klügsten Menschen der Welt, wie es heißt (Foto: dpa)

ROLLINGPLANET stellt sich folgenden Dialog vor:

„Chef, da steht ein Rollstuhlfahrer vor der Tür, der will sich unbedingt bei uns bewerben.“
„Rollstuhlfahrer? Was hat der arme Kerl denn?“
„Hab’s auch nicht ganz verstanden. Amyotrophe Lateralsklerose hat sein Betreuer gesagt.“
„Oh je. Geben Sie den beiden eine Tasse Kaffee und sagen sie ihnen, wir hätten keine Behindertentoilette.“
„Er hat aber tolle Zeugnisse. Und kennt sich irgendwie mit schwarzen Löchern im All aus.“
„Lassen Sie sich eine nette Ausrede einfallen, ich bin dann mal im Meeting.“

Studie der Aktion Mensch

Ein hoher Bildungsgrad ist in Deutschland der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit, jedoch profitieren Akademiker mit Behinderung bei der Stellensuche nicht in gleichem Maße von ihrer guten Qualifikation wie ihre Mitbewerber ohne Behinderung. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität zu Köln im Auftrag der Aktion Mensch.

So stieg zwischen 2009 und 2012 die Zahl der arbeitslosen Akademiker mit Behinderung unter 50 Jahren laut Bundesagentur für Arbeit um 17 Prozent auf rund 2.500 Personen. Zeitgleich sank die Zahl der arbeitslosen Akademiker ohne Behinderung um rund vier Prozent auf 108.000.

Was ist das Problem?

Als größte Barriere bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung identifiziert die Studie Bedenken der Arbeitgeber über eine geringere Leistungsfähigkeit sowie Unsicherheiten im Umgang miteinander. Erst dann folgen ein möglicher Mehraufwand oder der besondere Kündigungsschutz.

Marx„Das zeigt, dass hier bei Personalverantwortlichen großer Informationsbedarf besteht.

Nicht die oft angenommenen finanziellen Erwägungen stehen im Vordergrund. Vielmehr geht es darum, die Potenziale von Menschen mit Behinderung zu vermitteln“, erklärt Christina Marx (Foto), Leiterin des Bereichs Aufklärung der Aktion Mensch.

Aufklärung für Arbeitgeber

Um diese Hürden abzubauen, plant die Aktion Mensch Informationsmaterial und einen Runden Tisch für Arbeitgeber. Doch ebenso auf Seiten der hochqualifizierten Menschen mit Behinderung gebe es laut Aktion Mensch Bedenken bei der Bewerbung. Aus Angst vor Stigmatisierung verheimlichten sie häufig eine nicht sichtbare Behinderung.

Mehr Betroffene als vermutet

Ein Beispiel dafür seien die Studierenden: Von ihnen haben nur acht Prozent ihre Behinderung anerkennen lassen. „Die Gruppe von Menschen mit Behinderung ist größer, als es die Statistiken vermuten lassen“, so Marx.

Die Arbeitgeber sollten hinsichtlich des erwarteten Fachkräftemangels daher einen intensiveren Blick auf Bewerbungen von Menschen mit Behinderung werfen: „Im Zuge der Debatte um Fachkräftebedarf sind gut ausgebildete Menschen mit Behinderung ein wichtiges Potenzial für Arbeitgeber in Deutschland“, sagt Marx.

(PM)

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2 Kommentare

  • für Betroffene und Angehörige/Helfer Stottern und Missbrauch

    ich als Stotterer (Sprachbehinderung)konnte immer durch meine gute Arbeitsleistung überzeugen. sollte auch für andere Behinderte so sein, dass das gesehen wird, was sie können und nicht das, was sie nicht können . ich finde eine Behinderung soll nicht denn anschein erwecken das behinderte ihre arbeit nicht ausführen können. meistens arbeiten menschen mit Behinderung mehr als sie sollen .denken ich muß denn beweisen das ich es besonders gut kann 110% geben. das ist nach meiner Ansicht aber verkehrt führt nur das man durch kollegen vllt sehr angesehen wird. durch Chef toll das er in Freizeit noch arbeitet. behinderte menschen sollen einfach gleich behandelt werden. weder bevorzugt oder benachteilgt werden.das meine Meinung. l.g

    16. Juni 2013 at 00:11
  • Sabine Burger

    Dann hat bisher Glück gehabt. Körperlich Behinderte (auch ich) müssen immer mehr leisten. Zu Vorstellungsgesprächen werden sie so gut wie nie eingeladen. SO einfach ists also nicht….einen Job zu bekommen…..auch wenn man ein Studium hinter sich hat!!!

    16. Juni 2013 at 12:06

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