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Hier kommt ein Engel: Ronja aus Hamburg

Engelfaktor:

Meine Eltern arbeiten beide im sozialen Bereich. Dadurch bin ich sehr früh mit dieser Berufsgruppe in Berührung gekommen. Im Alter von 14 machte ich mein erstes Praktikum in einem Kindergarten.

In der 11. Klasse schrieb ich eine Jahresarbeit über das Thema Trisomie 21. Hierzu informierte ich mich nicht nur theoretisch, sondern nahm eine Zeitlang an dem Leben eines Mädchens mit Trisomie 21 teil. Dabei war es sehr interessant zu sehen, dass bestimmte Verhaltensmuster, von denen ich gelesen hatte, im Beisammen sein tatsächlich so auftraten. Sicherlich auf irgendeine Art individuell und doch charakteristisch für diese Art von Behinderung.

Nach dem Abitur entschied ich mich, ein „Freiwilliges soziales Jahr“ (FSJ) zu absolvieren. Freiwilliges soziales Jahr, das bedeutet eigentlich, dass man eine zusätzliche Arbeitskraft ist, die leichte pflegerische Tätigkeiten ausübt. Darüber hinaus aber Dinge mit den Bewohnern unternimmt, die festangestellte Mitarbeiter aufgrund des hohen Pensums nicht leisten können. Leider wurde und wird das in den wenigsten Einrichtungen so umgesetzt. Man zählt als volle Pflegekraft.

Ich hatte kein Problem damit, Menschen zu duschen, ihnen Essen zu reichen und ihre Wäsche zu waschen. Das habe ich gerne gemacht. Lieber hätte ich sie mir nach so einem morgendlichen Tun aber geschnappt und wäre spazieren gegangen anstatt sie einfach vor den Fernseher zu stellen und zum nächsten Klienten zu ziehen.

Ich habe in dieser Einrichtung einige schlechte Erfahrungen gemacht. Mitarbeiter, die Klienten bestehlen. Ihnen Zigaretten aus den Schachteln klauten, Lebensmittel aus den Kühlschränken und es mit der Hygiene hier und da nicht ganz so eng sahen. Für mich war das schlimm zu sehen. Wenig Zeit für das Wesentliche. Ein Aspekt, der letztendlich auf die Personaleinsparungen im sozialen Bereich zurückzuführen ist.

Trotzdem sollte man in meinen Augen den persönlichen Respekt und den menschlichen Umgang wahren. Selbst dann, wenn es stressig ist. Ich habe innerhalb des FSJ’s die Einrichtung gewechselt und habe den Rest der Zeit in einer Tagesförderung gearbeitet.

Diese Zeit verbinde ich mit überwiegend schönen Erinnerungen. In die Tagesförderung kamen Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung, die zu schwach waren, um in eine Werkstatt zu gehen. Es gab dort kreative Angebote im künstlerischen und musischen Bereich, es wurde gekocht und versucht, individuell auf die Einzelnen einzugehen. Kleine Fortschritte bei Einzelnen zu beobachten, das war ein sehr schönes Gefühl. Die Wertschätzung, die einem seitens der Klienten entgegengebracht wurde, war enorm.

Nach meinem FSJ arbeitete ich in der persönlichen Assistenz für eine Frau mit Querschnittslähmung. Parallel dazu arbeitete ich in einer Einrichtung, die in erster Linie Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit geben wollte, Hilfe bei den Schulaufgaben und beim Lernen für Arbeiten zu bekommen. In Bereichen, in denen das sprachliche Verständnis der Eltern vielleicht nicht ausreichte, konnten wir Ansprechpartner sein.

Zum jetzigen Zeitpunkt arbeite ich wieder in einer persönlichen Assistenz für eine Rollstuhlfahrerin und im familienentlastenden Dienst für Familien von Kindern mit geistiger oder körperlicher Behinderung.

Mir macht die Arbeit in erster Linie einen riesen Spaß, auch wenn es hier und da viele Dinge gibt, die man von den Bedingungen her sicher verbessern könnte. Ein von Herzen lachendes Kind oder eine ehrlich dankbare Mutter, das sind die Dinge, die ich als sehr belohnend für meine Arbeit empfinde. Das Gefühl von Zwischenmenschlichkeit und davon, dass nicht nur ich da bin, um zu helfen oder zu unterstützen, sondern, dass ich auch etwas mitnehme. Von dem Mädchen mit Trisomie 21 und ihrer Entspanntheit, die Welt zu sehen, vor allem aber die kleinen Dinge ganz groß zu sehen. Von den Menschen mit Querschnittslähmung und wie sie ihr Leben meistern, trotz einer so großen Einschränkung, und man sich fragt, wie man selbst damit umgehen würde, und was es eigentlich bedeutet, im Rollstuhl zu sitzen. Nicht zu vergessen die Kinder, die unvoreingenommen aufeinander zugehen, ohne lange darüber nachzudenken, wer der Gegenüber ist, wo er herkommt oder aussieht.

Jeder von uns war vielleicht schon mal in der Situation oder kann in eine Situation kommen im Leben, in der er auf Pflege, Zuwendung und Betreuung angewiesen ist. Deswegen sollte man Berufe im pflegerischen Bereich und in denen man mit Menschen zu tun hat, die nicht gesund sind und es viel körperliche und psychische Kraft kostet, sie zu pflegen, zu betreuen und zu unterstützen, viel mehr würdigen und anerkennen, als es bislang meiner Meinung nach der Fall ist.

Meine Leidenschaft ist die Musik. Ich singe, spiele Klavier und schreibe eigene Songs. Für einen Verein, der sich zur Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland einsetzt, habe ich letztes Jahr einen Song geschrieben.

Alter: 23, Beruf: Assistentin

Sedcard:

Größe (cm): 170, Gewicht (kg): 55, Haarfarbe: Blond, Augenfarbe: Blau, Konfektion: 34/36, Schuhgröße: 39


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3 Kommentare

  • Sauerland

    Hallo Ronja,

    den Inhalt von deinem Text finde ich klasse. Es sollte mehr Menschen wie dich geben! Schade, dass du in Hamburg und nicht in meiner Nähe wohnst. Denn ich könnte mir gut vorstellen dich als meine Assistenz einzusetzen. Ich habe selber einen Querschnitt und bin zur Zeit auf der Suche nach Assistenzkräften. Leider finden verschiedene Dienste keine Assistenzen für mich. Hier ist nun mal keine Großstadt wie Hamburg, sondern Paderborn/Marsberg ist dagegen eher eine Kleinstadt. Würde mich freuen, wenn wir mal in Kontakt treten könnten…Meld dich einfach, wenn du magst.

    Glg Friederike

    20. Juni 2012 at 19:44
  • D

    tolle Frau und tolle Bilder!

    20. Juni 2012 at 22:09
  • Beate

    Liebe Ronja. Dein Text hat mich sehr berührt. Ich bin auch oft sehr ungehalten über die Zustände im sozialen Bereich. Weiter so, Ronja!

    20. Juni 2012 at 23:53

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