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Hier spricht die deutsche Stimme von François Cluzet alias Philippe Pozzo di Borgo

Frank Röth

Frank Röth ist die deutsche Synchronstimme von François Cluzet (© Frank Röth)

Philippe Pozzo di Borgo und François Cluzet

Philippe Pozzo di Borgo (li.) wird im Film von François Cluzet (re.) gespielt. (Foto: KAWA)

Interview mit dem Schauspieler Frank Röth über seine Arbeit für „Ziemlich beste Freunde“ und warum der Film Menschen bewegt, obwohl dieser auf bewährte Elemente verzichtet.

Frank Röth (52) ist die deutsche Synchronstimme von David Arquette, Colin Firth und jüngst François Cluzet, der in „Ziemlich beste Freunde“ den Rollstuhlfahrer Philippe Pozzo di Borgo spielt. Außerdem liest er die Biografie von di Borgo, die dem Kinoerfolg zugrunde liegt, als Hörbuch vor (GoyaLiT, 4 CDs, ISBN 978-3-8337-2939-3, 19,99 Euro). Als Schauspieler wirkte Röth bislang in über 100 Fernseh- und Kinoproduktionen mit.


Unser Interview mit Frank Röth ist auch als Audioversion verfügbar. Bitte klicken Sie dafür auf den nachfolgenden Link.
Frank Röth Interview (Audio)


Bereiten Sie sich auf die Arbeit als Synchronsprecher und als Hörbuchsprecher unterschiedlich vor? Worin liegt die jeweilige Herausforderung?

Auf eine große Synchronrolle wie beispielsweise bei dem Film „Ziemlich beste Freunde“ bereitet man sich schon sehr intensiv vor. Man bekommt vorher eine DVD oder kann im jeweiligen Synchronstudio den Film anschauen, und hat so die Möglichkeit sich vorzubereiten. Sollte der deutsche Text noch nicht vorhanden sein, muss man versuchen die Stimmung des Films und der Rolle für sich zu entdecken und zu interpretieren. „Ziemlich beste Freunde“ war das erste Hörbuch was ich eingelesen habe, und meine Vorbereitung bestand darin das Buch mehrmals zu lesen, zu versuchen die Stimmung und Sprache einzufangen und wiederzugeben, und mich über die Aussprache von Fremdwörtern oder –namen zu informieren.

Was ist für Sie das Besondere an dem Film und was erklärt den großen internationalen Erfolg?

Das Besondere an dem Film ist glaube ich ganz schwer zu erklären, weil er in vielen Dingen so gar nicht besonders ist. Das Tolle ist, dass er etwas Universelles hat ohne was Spektakuläres zu haben. Er hat keine riesen 3D-Effekte oder wahnsinnigen Action-Sequenzen, er ist nicht gewalttätig und hat keine bekannten Schauspieler – er erzählt einfach die sehr schöne und berührende Geschichte zweier Menschen, wie sie zusammenkommen und Freunde werden, und bekommt dadurch einen so universellen Charakter. Das ist eben etwas, was alle Menschen anspricht.

Inwiefern war diese Rolle eine besondere Herausforderung für Sie?

Die Rolle war eine besondere Herausforderung weil Philippe außer der Sprache kaum Möglichkeiten hat sich auszudrücken. Wenn man einen Charakter synchronisiert wird der Mensch meist durch die Mimik und die Körpersprache geprägt. In diesem Fall hat Philippe wirklich nur seine Sprache um seine Gefühle und Haltung zu bestimmten Sachen zu transportieren. Insofern war die Sprache und die Gestaltung der Rolle noch mal eine andere Herausforderung als jetzt bei einer normalen Synchronrolle.

Was ist das Besondere an dem Hörbuch im Vergleich zum Film?

Das Besondere an dem Hörbuch und der Unterschied zum Film ist, dass es sich um eine Art Vorgeschichte zum Film handelt. Ungefähr die Hälfte des Buches schildert die Geschichte von Philippe bis er auf Abdel trifft. Die ganze Geschichte mit dem Unfall, seine Kindheit, seine Karriere als Chef von Pommery-Champagner, seine große Liebe zu seiner ersten Frau Beatrice, die unter tragischen Umständen verstorben ist – all das wird erzählt. Ich denke jemand der den Film gesehen hat, der den Film mag und noch mehr wissen möchte, für den ist das Hörbuch eine sehr schöne Ergänzung.

Was hat Sie an Philippes Biographie am meisten beeindruckt?

Am meisten an Philippes Biographie hat mich eigentlich beeindruckt, dass jemand, der unglaublich reich ist und dem eigentlich immer alles in den Schoß gefallen ist, Schicksalsschlägen trotzdem genauso ausgesetzt ist wie jeder Normalbürger auch, und angesichts der Tragik anschließend genauso hilflos ist wie jeder von uns. Zwar ist er aufgrund seines Reichtums privilegiert, er hat Pfleger und ist rundum versorgt, aber das ändert nichts an seiner Situation. Er ist ohne die Hilfe anderer Menschen wirklich vollkommen hilflos. Es ist schon eine sehr bewegende Geschichte zu sehen, dass dann letztendlich das ganze Drumherum auch nichts mehr wert ist.

Danke für das Interview.


Lesen Sie auch das große ROLLINGPLANET-Interview mit Bettina Bach, die „Ziemlich beste Freunde“ ins Deutsche übersetzte: “Philippe Pozzo di Borgo ist ein ganz besonderer Mensch, der eine ungeheure Entwicklung durchgemacht hat”


Themenschwerpunkt Ziemlich beste Freunde

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