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Hier werden Sie nicht gefahren, sondern diskriminiert: Die Taxi-Schande

In der Landeshauptstadt von Niedersachsen – aber nicht nur dort – weigern sich Fahrer, blinde Gäste mitzunehmen.

(Foto: Manuel Schlarmann/pixelio.de)

(Foto: Manuel Schlarmann/pixelio.de)

Warum dürfen eigentlich Menschen Taxifahrer werden, wenn sie andere diskriminieren? Und warum haben so viele Taxifahrer plötzlich eine Allergie, wenn sie einen Blindenführhund erblicken?

Als Karen (60) und Uwe Thorstensen (50) aus Halle Anfang des Monats in Hannover eine Beförderung vom Flughafen zum Hauptbahnhof benötigten, kam es am Taxistand zum Eklat: Fahrer Diler Korry (42) lehnte es gegen geltendes Recht ab, die beiden mitzunehmen – wegen ihres Führhunds Gina (6). Der Streit führte dazu, dass die Thorstensens ihren Zug verpassten.

Taxifahrer will Bußgeld nicht bezahlen

Das Ehepaar zeigte den Taxifahrer bei der Region Hannover an, die ihm einen Bußgeldbescheid über 173,50 Euro wegen Verstoßes gegen die Beförderungspflicht schickte – eine verhältnismäßig milde Strafe. Das Ordnungsgeld in solchen Fällen kann ansonsten bis zu 500 Euro betragen.

Korry will trotzdem nicht bezahlen und beharrt darauf: „Ich habe eine Hunde- und Katzenallergie, bekam schon als Kind Ausschlag. Außerdem war in meiner Limousine nicht genügend Platz.“ Die beiden Betroffenen zeigen sich überrascht: „Davon war am Stand nicht die Rede. Er sagte nur: ,Ich muss den Hund nicht fahren.’“ Sie wollen ihn nun wegen Diskriminierung verklagen.

ROLLINGPLANET empfiehlt Herrn Korry: Wenn Sie so allergisch sind, suchen Sie sich einen anderen Job. Es gibt schließlich auch nichtbehinderte Kunden, die mit ihrem Hund Taxi fahren wollen. Und der ist sicherlich weniger gut erzogen als die in monatelangem Training ausgebildeten Assistenztiere.

“Nein, nein, nein, nein, nein“

Wenige Tage später machte die „Bild“-Zeitung in Hannover einen Test – mit niederschmetterndem Ergebnis. Fünfmal hintereinander wurde der blinde Testpassagier Manfred Beckmann (48, seit seiner Kindheit blind) mit seinem Führhund Xando (4) von Taxifahrern am Hannover Hauptbahnhof abgewiesen. Das waren die Ausreden, die die Reporterin Michaela Liebelt notierte:

Taxifahrer Nr. 1: „Ich nehme keine Hunde mit. Ich habe eine Allergie.“
Taxifahrer Nr. 2: „Mit dem Hund? Nein, auf keinen Fall.“
Taxifahrer Nr. 3 (schaut weg): „Warum nehmt ihr nicht das erste Taxi. Ich kann den Hund auch nicht mitnehmen.“
Taxifahrer Nr. 4: „Den Hund nehme ich nicht mit. Das ist bei meinem Arbeitgeber vermerkt.“
Taxifahrer Nr. 5 (mit einem Mercedes-Bus): „Mein Auto ist viel zu eng. Ich hab keinen Platz, Euch mitzunehmen.“

Ein bundesweites Problem

Anna CourtpozanisHannover ist nur das aktuellste Beispiel der Taxi-Schande – Betroffene erleben ähnliche Vorfälle seit Jahren und bundesweit, wie Anna Courtpozanis (Foto), Leiterin des Blindenhilfswerks Hessen, zu berichten weiß.

In Darmstadt sorgte das vor drei Jahren für Empörung, nachdem auch sie wegen ihres Blindenführhunds von mehreren Taxifahrern hintereinander schroff versetzt wurde. Sie selbst fahre eher selten Taxi. „Aber dann passiert mir das eigentlich immer.“

(RP)

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6 Kommentare

  • Willi Schroeder

    Ich finde es traurig dass in einem ANGEBLICH so aufgeklärten Land wie Deutschland, blinde Menschen (die wirklich schon „gestraft“ sind mit der Tatsache nichts sehen zu können) wegen Ihrer TRAINIERTEN Führhunden schikaniert werden. Diesen Idioten gehört mit SOFORTIGER Wirkung der Taxischein entzogen …

    21. April 2013 at 17:11
  • georg merklein

    ich bin frueher selbst taxifahrer geweaen. der taxifahrer muss blindenhunde mitnehmen, und zwar kostenfrei. fuer andere tiere wird ein zuschlag berechnet, ausser wenn sie sich in einem behaeltnis wie zum beispiel katzen-, hamster- oder vogelkaefig befinden. eine bloedere ausrede wie allergie kann man sich nicht ausdenken, wenigstens kann man die ganze fuhre auf dem ruecksitz mitnehmen. man sollte einen blindenhund auch nicht anfassen oder streicheln, da ihn dies in bezug auf sein herrchen/frauchen verwirren koennte. was wuerden die taxichauffeure wohl im falle einer selbstblindheit dazu meinen…

    21. April 2013 at 20:16
  • Maik Rudolf

    Mh es gibt nun einmal Personen mit Tierhaarallergie, deswegen empfehle ich IMMER wenn ein Tier, egal welches, transportiert werden soll, entweder ein Taxi vorzubestellen (natürlich dazusagen, dass man mit Hund/Katze/Maus fahren möchte) oder einen Fahrer bitten ein Taxi zu bestellen falls am Taxistand kein Fahrer das Tier transpotieren kann

    25. April 2013 at 22:44
  • Sascha Lang

    Hallo,

    ich bin viel unterwegs und mache diese Erfahrungen in jeder Stadt.

    Köln, Berlin, Hamburg etc ja sogar in der Stadt Marburg, wo es ja sehr viele Blinde Menschen gibt.

    Die Storries reichen von Hunde Allergie, kein Platz im Auto.

    Die geilste kam jedoch von einem Taxifahrer den ich über eine Zentrale bestellte und ausdrücklich vermerkte: ich benötige ein Taxi welches Führhunde mit nimmt.
    Als er ankam sagte er:
    „Ich darf keine Haare an meine Kleider bekommen, ich muss noch beten“.
    Daraufhin erwiderte ich: dann fahr weg, dann kannst die Zeit schon mal zum beten nutzen.
    Auf einmal ging es dann doch!

    Problem ist, wenn wir alleine beim Bahnhof, Flughafen oder sonst wo ein Taxi bestellen, kriegen wir die Taxinummer nicht mit und deshalb kommen die meisten ungeschoren davon.

    In Köln hatte ich meinen letzten Fall. 5 Taxis lehnten ab, trotz Unterstützung eines Bahnbeamtens. Der der mich mitgenommen hat musste dran glauben ich sagte:
    „Wenn du mich jetzt nicht mitnimmst zeige ich dich an!“.
    Er nahm mich mit, aber wie ich bei der Rückfahrt feststellte hatte der ehrliche Taxifahrer mir für die selbe fahrt hin, 5€ mehr abgenommen als der der mich wieder zum Bahnhof brachte.
    Da sind wir bissel ausgeliefert, aber wir haben noch was zum bekämpfen.

    Die beste Lösung ist: Anzeigen, Presse informieren … usw.

    Viele Grüße

    26. April 2013 at 09:57
  • Thomas

    Sehr schlimm so was, offenbar will sich der Typ mit einem Text bei Rollingplanet rächen, siehe http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/570452/Was-erlaube-Rollingplanet

    27. April 2013 at 19:08
  • Heidi

    Ich habe nicht nur bei Taxifahrern die von Sascha Lang geschilderten Erfahrungen gemacht. Ob vor der Tür beim Gassi gehen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, der Paketboote der mir etwas bringen soll oder ein Taxifahrer der mich transportieren soll, Moslems gehen bei Hunden auf Distanz. Sie haben Angst das Hunde sie berühren. Der Grund hierfür ist eine Stelle im Koran, nach der nicht nur Schweine, sondern auch Hunde unrein sind. Diese Regel gibt es übrigens auch für Christen und Juden (in der Bibel 3..Mose, 11). Nur interpretieren die anderen zwei Weltreligionen diese Aussage völlig anders.

    26. Februar 2014 at 14:03

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