""

Hilfe, ich habe ein Karussell im Kopf – Alles Schwindel!

Wenn Sie auch schon mal schwindeln, dann ist das völlig normal. Wenn das allerdings weder etwas mit flunkern zu tun hat noch vom Karussell fahren kommt und unabhängig davon des öfteren passiert, sollten Sie einen Arzt aufsuchen!

Eindeutige Diagnosen oft schwierig

Zahlen belegen, dass der Schwindel zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt gehört und in der Hitparade der Krankheiten gleich nach dem Bluthochdruck ganz oben zu finden ist. Und nicht nur die Ursachen des Schwindels (lat. Vertigo), auch deren Ausprägungen sind sehr vielfältig. So vielfältig, dass eindeutige Diagnosen durchaus schwierig zu sein scheinen und insofern oft im Unklaren bleiben.

Bisher scheint es nur wenige Studien zu geben, die sich mit den Ursachen und Folgen sowie der Verbreitung von Schwindel in der Bevölkerung befasst haben. Laut Wikipedia gibt Kroenke an, dass bei etwa 20 % der Schwindel-Patienten eine krankhafte Ursache nachweisbar sei. Bei etwa 15 % müsse von psychogenen Ursachen ausgegangen werden. Bei den verbleibenden zwei Dritteln könne gar keine Diagnose gestellt werden.

Die kleinwüchsige Lilja Haefele schlägt sich seit ca. 5 Jahren mit dem Problem Schwindel herum. Und bis zur einigermassen eindeutigen Diagnose war es ein langer Weg. „Einige Schwindelerkrankungen werden von einem Großteil der Ärzte als Stress oder Überarbeitung abgetan“. Und doch könnten sie so einschneidend sein, dass man sie durchaus als eine Behinderung bezeichnen müsse, so Lilja Haefele über ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema Schwindel. Bei der Suche nach der Ursache für ihren Schwindel habe sie eine wahre Odyssee durch die Arztpraxen hinter sich. „Erkrankungen wie Morbus Meniere, das Superior/Posterior oder auch das Kanal Dehiszenz Syndrom seien weder sichtbar noch greifbar.“ Personen mit genau solchen Erkrankungen hätten es oft besonders schwer, Verständnis zu erfahren, so Haefele weiter.

Was passiert eigentlich mit mir, wenn mir schwindelig wird?

Prof. Dr. med. Martin Westhofen, Direktor der HNO-Klink im Universitätsklinikum Aachen erklärt das so: „Wenn Ihnen schwindelig wird, dann bedeutet das immer, dass das, was Ihre Bewegung ausmacht, von Ihren Organen, die an der Gleichgewichtswahrnehmung beteiligt sind, nicht richtig wieder gegeben wird. Ihr Gehirn glaubt eine Bewegung, die Sie so gar nicht machen. Und wenn das, was Ihre Bewegung ausmacht nicht zu dem passt, was ihr Gehirn wahrnimmt, dann sagt Ihr Gehirn, wir sind jetzt schwindelig.“

Wann ist Schwindel krankhaft und was tun, wenn der Schwindel kommt?

„Grundsätzlich ist Schwindel immer dann als krankhaft zu bezeichnen, wenn er nicht durch eine dazu gehörende Bewegung gekennzeichnet ist“ so Westhofen. Karussell fahren mache einen gewissen Schwindel, dass kenne jeder. Aber wenn das ohne Karussell fahren passiere, dann heiße das immer, dass eine Krankheit vorliege, dann müsse man immer nachschauen. Die große Gefahr sei überdies, so der Klinikdirektor, dass erste Symptome für einen Schlaganfall vorliegen könnten. In diesen Fällen sollte man immer sofort einen Arzt aufsuchen.

Welche Therapien gibt es?

So vielfältig und komplex, wie der Schwindel daher kommt, so unterschiedlich sind auch die Therapien. Handelt es sich um eine krankhaften Schwindel, kommen verschiedene medikamentöse Therapien in Betracht. Sollten diese nicht zum gewünschten Erfolg führen, seien sowohl geplante oder Notfalloperationen an den für das Gleichgewicht zuständigen Organen, die im Innenohr liegen, möglich. Hierzu stünden im Aachener Klinikum hochmoderne Operationsmethoden zur Verfügung. Man sei hier auf dem allerneuesten Stand der Technik. „In bestimmten Fällen könne man dem Schwindel aber auch mit einfachen Übungen zu Leibe rücken“, so Westhofen. Etwa wenn es sich um den häufig sehr gutartigen Lagerungsschwindel handele. Die Patienten würden dann noch während des Behandlungstermins entsprechend instruiert und könnten durch eine spezielle Übung, die sie zu Hause leicht selbst machen könnten, die Ursache des Schwindels innerhalb kürzester Zeit selbst beseitigen.

Info: Die häufigsten Schwindeltypen

Schwindel kann viele verschiedene und komplexe Ursachen haben. Bei der Untersuchung ist es hilfreich, den Schwindel in die vier Schwindeltypen einzuordnen, um die möglichen Ursachen einzugrenzen.

Drehschwindel:
Der Patient fühlt sich wie in einem Karussell, es treten Scheinbewegungen (Oszillopsie) auf. Die Ursachen liegen hier meist vestibulär, manchmal aber auch im ZNS.

Sekundenschwindel:
Der Patient hat das Gefühl, ohnmächtig zu werden. Geschieht dies ganz plötzlich, muss man bradykarde Rhythmusstörungen und einen sensiblen Karotissinus in Betracht ziehen. Bei Prodromi sollte man an Orthostase und tachykarde Rhythmusstörungen denken.

Raum-Unsicherheit:
Die Patienten geben ein komisches Gefühl im Kopf an. Dieses ist entweder nachschwankend und kann nur durch Kopfbewegungen ausgelöst werden (ZNS, Augen, vestibulär, benigner Lagerungsschwindel), oder dauernd vorhanden (Psyche, ZNS, Medikamente, Hyperventilation).

Gang-Unsicherheit:
Diese ist nicht abhängig von Kopflage oder Kopfbewegungen, der Kopf ist frei. Ausgelöst werden kann diese Art des Schwindels, wenn überhaupt, nur durch Bewegungen des Körpers. Ursache können im peripheren Nervensystem, ZNS, den Augen oder der Psyche liegen.

 

Quellen:
Prof. Martin Westhofen im Gespräch über Schwindelerkrankungen:
www.youtube.com/watch?v=okYrzg-qcFM

Wikipedia zum Thema Schwindel: http://de.wikipedia.org/wiki/Vertigo

Diesen Artikel teilen:
Lothar Epe

Lothar Epe

Dieser Beitrag erscheint als unabhängiges Blog auf ROLLINGPLANET. Er wurde von der Redaktion weder geprüft noch muss er unsere Meinung wiedergeben. Auf ROLLINGPLANET können alle User – die etwas zu sagen haben – ihr eigenes Blog veröffentlichen. Lothar Epe ist verheiratet und hat drei Kinder. Als 56-Jähriger begann er 2011 ein Studium an der Freien Journalistenschule in Berlin. Er hat das Post-Polio-Syndrom (Spätfolge der als Kind durchgemachten Poliomyelitis). Bei ROLLINGPLANET tritt Epe zweifach auf: Als ROLLINGPLANET-Redakteur und hier als privater Blogger, der unabhängig von der Redaktion schreibt, was ihm wichtig ist. Zum ausführlichen Profil.

KOMMENTAR SCHREIBEN