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„Hilft nur Küssen“: Samuel Koch dreht Spielfilm

Gemeinsam mit seinen Kommilitonen von der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover spielt er in einer Tragikomödie von Ruth Olshan.

Samuel Koch (dpa)

Samuel Koch (Foto: dpa)

Unser Aprilscherz „Samuel Koch wird neuer Tatort-Kommissar“ – den vermutlich einige immer noch für bare Münze nehmen – warf die ernsthafte Frage auf: Warum soll Koch nicht seinen Traum verwirklichen und vor allem sein Talent nutzen können, Schauspieler zu werden? So schwer dürfte es doch nicht sein, maßgerechte Drehbücher für einen Rollstuhlfahrer zu verfassen – es muss ja nicht gleich ein Polizist sein, der sich einem Ganoven in den Weg wirft.

Vor seinem „Wetten, dass…“-Unfall durfte Koch als Regieassistent eine Mini-Rolle in einem Kriegs-Drama übernehmen (sein Satz: „Raus hier, die Russen kommen“). Im Dezember und Januar saß er mit Rauschebart, grauen Haarsträhnchen und Opa-Brillen auf der Bühne im Studio-Theater Hannover. Erstmals seit seiner Querschnittlähmung spielt Samuel Koch nun in einem Spielfilm mit.

Asche und schwarzer Humor

Elf Freunde treffen sich nach Jahren in ihrem Heimatdorf wieder. Eigentlich müssten sie zu zwölft sein, einer fehlt aber, weil er tot ist. Rafael lebt nicht mehr, ist aber trotzdem da. Er steckt in einem Beutel, den irgendjemand mitgebracht hat. Genauer gesagt ist es seine Asche, die darin steckt. Die Freunde haben sich vorgenommen, in der alten Heimat die Asche an vertrauten Orten zu verstreuen, an Orten, die sie mit Rafael verbinden. Das ist der Plot von „Hilft nur Küssen“, der schwarzen Humor verspricht – was wunderbar zu Koch passt.

Regisseurin der Tragikomödie ist Ruth Olshan, die bekannt wurde durch ihren Dokumentarfilm „Nicht ganz koscher“, der sich mit der Frage beschäftigt, was es heute heißt, jüdisch zu sein. Gemeinsam mit Angela Gilges verfasste sie das Drehbuch zu „Hilft nur Küssen“ und erzählt: „Als wir das Buch geschrieben haben, wussten wir nicht, dass Samuel mit dabei ist“. Und das Drehbuch musste nicht mal umgeschrieben werden: Da war ein Rollstuhlfahrer sowieso schon vorgesehen.

Gemeinsam mit Kommilitonen vor der Kamera

Gedreht wird in Hannover und in Tremsdorf im brandenburgischen Landkreis Potsdam-Mittelmark – mit Studenten der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover, an der auch Samuel Koch eingeschrieben ist. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen (6. Semester) wirkt er bei dem Streifen mit, der auf Festivals laufen soll.

Die 24-jährige Ayana Goldstein spielt die Schwester des Rollstuhlfahrers, die sich in seinen Pfleger verliebt. Mit diesem fährt sie raus auf den Blankensee, an dem die Asche des Freundes verteilt wird. An die Adresse von Samuel und den anderen Mitstreitern sagt sie: „Ich hoffe, dass wir uns auch wiedersehen werden – unter etwas anderen Umständen als im Film.“

(RP)

Samuel Koch
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