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Hilft Schnurrbart gegen Prostata- und Hodenkrebs?

Lanz und andere haben „Movember“ in Deutschland bekannt wie nie gemacht – Geld brachte die Aktion hierzulande aber bisher kaum. Von Britta Schultejans

Moderator Markus Lanz (r), der im Rahmen der "Movember"-Aktion einen Schnurrbart trägt, und Fernsehproduzent Wolfgang Rademann (Foto: Cornelia Lehmann/dpa)

Moderator Markus Lanz (r), der im Rahmen der „Movember“-Aktion einen Schnurrbart trägt, und Fernsehproduzent Wolfgang Rademann (Foto: Cornelia Lehmann/dpa)

Ein Oscar-Preisträger hat es getan und ganze Fußball-Mannschaften. Und spätestens seit „Wetten, dass…?“-Moderator Markus Lanz Anfang November seine Stadtwette in Graz verlor und sich darum einen Schnurrbart wachsen ließ, ist die „Movember“-Aktion in Deutschland so bekannt wie nie zuvor.

Die „Movember Foundation“, nach eigenen Angaben die „führende Organisation zur Verbesserung der Männergesundheit“, ruft in Deutschland schon seit drei Jahren zu der Aktion auf, die vor allem in den USA ein paar Millionen für den Kampf gegen Prostatakrebs und Hodenkrebs eingebracht hat.

Kein Hype wie bei Ice Bucket Challenge

Das Ziel: Den Bart den ganzen November lang nicht abrasieren, das sprießende Haar in sozialen Netzwerken dokumentieren, spenden und Spenden sammeln. Alles im Dienste der „Männergesundheit“. „Movember“ ist aus moustache, dem englischen Wort für Schnurrbart, und dem Monat November zusammengesetzt.

Einen Hype wie vor einigen Monaten die „Ice Bucket Challenge“, mit der Geld für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS gesammelt werden sollte, hat der „Movember“ zwar nicht ausgelöst. Eine durchnässte Helene Fischer im weißen BH oder eine Dauernackte wie Micaela Schäfer (siehe Video) hat auf viele wahrscheinlich einfach mehr Sex-Appeal als ein schnöder Schnauzbart.

Wieder machen viele Prominente mit

Doch Oscar-Preisträger Christoph Waltz („Django Unchained“) hat laut Facebook-Seite von „Movember Deutschland“ aufgehört, sich mundaufwärts zu rasieren – ebenso wie die Fußballer von Fortuna Köln, SV Darmstadt 98 und vom TSV 1860 München. Auch Nationalspieler Mesut Özil wurde beim „Laureus Medien Preis“ unrasiert gesehen.

Ski-Star Felix Neureuther und Fußballweltmeister Benedikt Höwedes sind demnach „Mo Bros“, wie die Organisation die Männer nennt, die sich registrieren und die Barthaare wachsen lassen. „Unrasiert im Gesicht geht es in den Movember!“, schrieb Höwedes zum Monatsanfang bei Facebook und rief dazu auf, die Aktion zu unterstützen.

Viele Likes, aber kaum Geld

Mehr als 10.000 Menschen in Deutschland hatten sich knapp zwei Wochen vor dem Ende der Aktion auf der „Movember“-Homepage angemeldet, im vergangenen Jahr waren es insgesamt gut 9000, wie ein Sprecher in München sagte. Die Facebook-Seite von „Movember“ in Deutschland kratzt an der 20.000-Likes-Marke.

Im Jahr 2013 kamen insgesamt 360.000 Euro an Spenden zusammen. Davon war man rund zehn Tage vor dem Ende der Aktion noch weit entfernt. Am 19. November meldete „Movember“ nur rund 170.000 gespendete Euros in Deutschland, das damit in der Länder-Rangliste auf Platz 13 hinter Frankreich und Singapur lag.

Das Geld soll unter anderem an den Förderverein Hilfe bei Prostatakrebs gehen. Die Organisatoren sind zuversichtlich, dass es im Endspurt bis zum 30. November noch deutlich mehr wird.

Begonnen hat alles vor elf Jahren

Das meiste Geld wurde laut „Movember“ bislang in den USA, Kanada, Australien und Großbritannien gespendet. Insgesamt kamen so weltweit in diesem Jahr bislang mehr als 28 Millionen Euro zusammen.

Begonnen hat das Ganze nach Angaben von „Movember“ einst – vor elf Jahren – als Wette in einer australischen Kneipe. Im Jahr 2003 konkurrierten 30 Freunde darum, wer sich binnen eines Monats den beachtlichsten Schnurrbart wachsen lassen kann, um damit für einen guten Zweck zu werben. Aus der Idee entwickelte sich eine weltweite Bewegung, die heute in 21 Ländern aktiv ist. Seit dem Start von „Movember“ sammelten nach Angaben der Organisation insgesamt vier Millionen Teilnehmer Spenden in Höhe von mehr als 409 Millionen Euro.

(dpa)

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