Hoch auf dem gelben Wagen

Der frühere Bundespräsident Walter Scheel ist tot. Unvergessen bleibt, wie er zugunsten von Menschen mit Behinderung sang.

Walter Scheel (* 8. Juli 1919 in Höhscheid/Solingen, † 24. August 2016 in Bad Krozingen) vor fünf Jahren bei einem Festakt in Berlin. (Foto: Hannibal/dpa)

Walter Scheel (* 8. Juli 1919 in Höhscheid/Solingen, † 24. August 2016 in Bad Krozingen) vor fünf Jahren bei einem Festakt in Berlin. (Foto: Hannibal/dpa)

„Ich möchte so gerne noch bleiben, aber der Wagen, der rollt“ – das galt am Ende des Tages leider auch für Walter Scheel. Der FDP-Politiker ist im Alter von 97 Jahren in einem Pflegeheim in Bad Krozingen bei Freiburg (Baden-Württemberg) gestorben. Er war von 1974 bis 1979 Bundespräsident. Zuvor war er in der sozialliberalen Koalition von Willy Brandt dessen Vizekanzler und Außenminister. An der Seite Brandts setzte Scheel die umstrittenen Ostverträge durch und vollzog eine Neuausrichtung der Ostpolitik. Annäherung war sein Ziel. Damals war diese neue Ostpolitik umstritten, heute wird sie als Grundstein angesehen für die Deutsche Einheit.

Unvergessen bleibt, wie der populäre Politiker 1973 das Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen“ sang, das die Hitparade eroberte. Er hatte das Musikstück gemeinsam mit zwei Düsseldorfer Männergesangsvereinen aufgenommen. Bis Frühjahr 1974 wurde die Platte über 300.000 Mal verkauft. Die Erlöse gingen an Menschen mit Behinderung, konkret: an die „Aktion Sorgenkind“, wie seinerzeit die „Aktion Mensch“ noch hieß (siehe ROLLINGPLANET inclousiv Nr. 1, Seite 148). Seit damals ist „Hoch auf dem gelben Wagen“ Scheels Markenzeichen und war bis zu seinem Tod „Bestandteil jeder Geburtstagsfeier“, wie sein Sprecher erzählt.

Hoch auf dem gelben Wagen

Hoch auf dem Gelben Wagen sitz ich beim Schwager vorn.
Vorwärts die Rosse traben, lustig schmettert das Horn.
Felder, Wiesen und Auen, leuchtendes Ährengold.
Ich möchte so gerne schauen, aber der Wagen der rollt.
Ich möchte so gerne schauen, aber der Wagen der rollt.

Postillion in der Schenke füttert die Rosse im Flug,
schäumendes Gerstengetränke reicht der Wirt mir im Krug.
Hinter den Fensterscheiben lacht ein Gesicht gar hold.
Ich möchte so gerne noch bleiben, aber der Wagen der rollt.
Ich möchte so gerne noch bleiben, aber der Wagen der rollt.

(RP)

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1 Kommentar

  • Erika Hoffmann-Zbranek

    R.I.F

    24. August 2016 at 17:56

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