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Hochwasser in Magdeburg: Alte, kranke und behinderte Menschen werden evakuiert

Die Elbe ist randvoll. Sie steigt und steigt. Niemand weiß so richtig, was noch kommen wird. Dörthe Hein hat sich vor Ort umgeschaut.

Ein Bundeswehrhubschrauber nimmt in Lödderitz (Sachsen-Anhalt) Sandsäcke auf und fliegt diese an Deichbaustellen in Magdeburg. Entlang der Elbe droht zum Wochenende ein Rekord-Hochwasser. (Foto: Jens Büttner/dpa)

Ein Bundeswehrhubschrauber nimmt in Lödderitz (Sachsen-Anhalt) Sandsäcke auf und fliegt diese an Deichbaustellen in Magdeburg. Entlang der Elbe droht zum Wochenende ein Rekord-Hochwasser. (Foto: Jens Büttner/dpa)

Die Magdeburger stehen auf den Elbbrücken und an den Ufern und staunen. Viele fotografieren und telefonieren. Die elektronische Pegelanzeige in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt zeigt am Freitag bis zu 7,20 Meter. Nie zuvor hat die Elbe hier so viel Wasser geführt, bei der Jahrhundertflut 2002 standen am Pegel 6,72 Meter – üblich sind weniger als 2. Und das Wasser soll noch bis Sonntag steigen, sogar höher als bislang vorhergesagt, 7,40 Meter könnten es werden. Schon jetzt stehen Parks und erste Häuser entlang des Flusses unter Wasser.

Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) ist schon vom Anzug in Jeans und kurzärmeliges Hemd gewechselt. „Es ist ernst, es ist sogar sehr ernst. Das Wasser steht schon an den Sandsäcken.“

2000 zusätzliche Bundeswehrsoldaten hat er angefordert, die in den kommenden Tagen überall eingesetzt werden sollen, wo es eben nötig ist. „Wir müssen mit Wasser an vielen Stellen rechnen, was auch durch Sandsäcke durchsickert. Das kann man nicht verhindern.“ Und er ergänzt: „Wir müssen Katastrophen verhindern. Wir können nur da unsere Kräfte einsetzen, wo es um Hunderte oder Tausende von Menschen geht und wirkliche Substanz, um Milliarden-Eigentumswerte geht.“

Ganz Deutschland betroffen


Jena

Das Hochwasser stellt auch am heutigen Freitag nicht nur Magdeburg, sondern viele Teile Deutschlands weiter vor riesige Probleme. Mittlerweile rollt die Flutwelle gen Norddeutschland. Im Süden und Osten hinterlässt sie Zerstörung. In Sachsen-Anhalt kam ein weiterer Mensch ums Leben. Unser Bild zeigt eine Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Jena gemeinnützige GmbH in Zwätzen, die am Mittwoch unter Wasser stand. (Foto: Jenapolis)

Besondere Gefahr im ostelbischen Teil

Seine besondere Sorge gilt dem ostelbischen Teil der Stadt, der zwischen der Elbe und dem Umflutkanal liegt, der wiederum den Fluss um rund ein Drittel der Wassermassen entlastet. Dort wohnen mehr als 20 000 Menschen – etwa jeder zehnte Magdeburger.

Sie wohnen quasi in einem Trichter, der vollläuft, wenn ein Deich am Umflutkanal überläuft. Dieser wird derzeit erhöht. In einigen Straßen drückt das Grundwasser schon hoch. Viele Hausbesitzer haben Sandsäcke vor Türen und Kellerfenster gelegt. Die Deiche zur Elbe wurden nach dem Hochwasser 2002 komplett erneuert.

Ein Boot der Feuerwehr Magdeburg fährt auf der Elbe in Magdeburg flussaufwärts. (Foto: Jens Wolf/dpa)

Ein Boot der Feuerwehr Magdeburg fährt auf der Elbe in Magdeburg flussaufwärts. (Foto: Jens Wolf/dpa)

„Wir wissen nicht, wo wir am Ende wirklich landen“, sagt OB Trümper. Deshalb holt die Stadt seit Freitag alle hilfsbedürftigen und kranken Menschen aus Ostelbien heraus. Die Pfeifferschen Stiftungen mit Krankenhaus, Alten- und Behindertenhilfe werden ganz evakuiert.

„Pfeiffers“-Vorstandschef Christoph Radbruch steht am Donnerstag in gleißender Sonne vor dem Krankenhaus. „Es ist surreal. Hier ist sonst viel mehr los“, sagt er.

Dass vom Gelände 420 Menschen weggebracht werden, ist kaum zu merken. Während die Evakuierung 2002 sehr chaotisch abgelaufen sei, gehe hier alles geregelte Bahnen. „Wir alle haben gelernt.“ Ständig fahren Krankentransporte Patienten in andere Häuser.

Spazieren und Einkaufen – begleitet von Sirenen

Im größeren Teil der Landeshauptstadt, der westlich der Elbe und leicht erhöht liegt, sind die Auswirkungen des Hochwassers bislang kaum zu spüren.

Der Wochenmarkt vor dem Rathaus bietet am Freitag kein anderes Bild als sonst. Straßenmusik ist zu hören. Die Menschen gehen spazieren und kaufen ein. Das Hintergrundgeräusch sind allerdings immer wieder Sirenen von Einsatzfahrzeugen.

(dpa)

Sachsen-Anhalt
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