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Hoffnung für künftige Infarktpatienten: PS fürs Herz

Göttinger Forscher haben heute ein weltweit einzigartiges Verfahren vorgestellt – sie wollen unbefruchtete Eizellen zur Herztherapie nutzen. Doch der Weg bis zur klinischen Anwendung ist noch lang.

Herz kaputt? Da hilft vermutlich auch kein Doppelherz – in einigen Jahren aber möglicherweise unbefruchtete Eizellen (Foto: Bernd Kasper/pixelio.de)

Herz kaputt? Da hilft vermutlich auch kein Doppelherz – in einigen Jahren aber möglicherweise unbefruchtete Eizellen (Foto: Bernd Kasper/pixelio.de)

Göttinger Forscher haben nach eigenen Angaben weltweit erstmals eine Art Herzgewebe mit Hilfe von Stammzellen aus unbefruchteten Eizellen gezüchtet. Damit habe eine Medizinerteam bei Mäusen durch Herzinfarkte hervorgerufene Schäden repariert, teilte die Universitätsmedizin Göttingen am Freitag mit. Die Studie werde im „Journal for Clinical Investigation“ veröffentlicht.

Jährlich erleiden etwa 280.000 Menschen in Deutschland einen Herzinfarkt. 60 Prozent überleben den Infarkt, ihr Herz ist allerdings irreparabel geschädigt. Für künftige Betroffene könnte die Innovation eine Hoffnung darstellen. Aber: „Der Weg in die klinische Anwendung in Patienten mit Herzmuskelschwäche ist noch weit und wir müssen in jedem Fall sicherstellen, dass Patienten nicht einem unvertretbaren Risiko ausgesetzt werden“, räumte der federführende Autor der Studie, Prof. Wolfram-Hubertus Zimmermann, ein.

Der 41-Jährige ist einer der Pioniere bei der Entwicklung von Verfahren zur Herstellung von künstlichem Herzgewebe. Als weltweit erstem Wissenschaftler war es ihm vor knapp drei Jahren am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg gelungen, künstliches Herzgewebe aus menschlichen Stammzellen zu züchten und zum Schlagen zu bringen.

Bei Mäusen klappt es bereits

Prof. Wolfram-Hubertus Zimmermann (Foto: UMG)

Prof. Wolfram-Hubertus Zimmermann (Foto: UMG)

Bei dem neuen, heute vorgestellten Verfahren müssen keine Embryonen zerstört werden. Die verwendeten Zellen, sogenannte parthenogenetische Stammzellen (PS-Zellen), seien aus unbefruchteten Eizellen von Mäusen gewonnen worden, berichtet die Universitätsmedizin Göttingen. Das daraus gezüchtete Herzgewebe schlage wie natürliches Herzgewebe und lasse sich bei Mäusen therapeutisch zur Reparatur von Herzinfarkten einsetzen.

Die PS-Zellen besitzen nach Zimmermanns Angaben ähnliche biologische Eigenschaften wie embryonale Stammzellen. Damit sei erstmals nachgewiesen, dass unbefruchtete Eizellen ein vielversprechendes Ausgangsmaterial für die Zell-basierte Behandlung der Herzmuskelschwäche sein können. Die erforderlichen Eizellen könnten aus Befruchtungs-Kliniken kommen, die ungenutzte Zellen verwerfen.

Kein Standard für Stammzellen-Therapie

Weltweit forschen Mediziner seit Jahren an Herztherapien mit Hilfe von embryonalen oder adulten Stammzellen. Bislang hat es noch kein Verfahren zu Routine gebracht.

Der Göttinger Herzspezialist und Stammzellenexperte Prof. Gerd Hasenfuß erläuterte erst kürzlich, dass weltweit rund 3.000 Herzinfarkt-Patienten mit adulten Stammzellen behandelt worden seien. Es gebe mindestens 100 Studien mit völlig unterschiedlichen Ergebnissen. „Es gibt Gläubige und Ungläubige“, sagte Hasenfuß zu den Therapie-Effekten mit adulten Stammzellen. Die Therapien mit embryonalen Stammzellen stecken noch tiefer in der Grundlagenforschung.

(RP/dpa)

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