HSV lässt Fans mit Behinderung blechen (damit die VIPs nicht mehr zahlen müssen)

Danke für Eure Unterstützung: Wir erhöhen jetzt mal Eure Eintrittspreise. Von Max Kramer

HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer

HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer

Zwei Jahre in Folge konnte sich der HSV nur nach knappen Spielen in der Abstiegs-Relegation in der 1. Fußball-Bundesliga halten. Mitverantwortlich für den geschafften Klassenerhalt waren, wie Trainer, Spieler und Verantwortliche stets beteuerten, die treuen Anhänger, die ihrer Mannschaft trotz bisweilen miserabler Leistungen immer den Rücken freihielten und dafür sorgten, dass der Bundesliga-„Dino“ auch ab dem kommenden Freitag im Fußball-Oberhaus mit von der Partie ist.

Der Verein dankte es ihnen – mit Preiserhöhungen. Zwar sind diese von Spielzeit zu Spielzeit mittlerweile Teil des Geschäfts, doch in diesem Fall werden die Falschen zur Kasse gebeten: Die Leidtragen sind nämlich nicht etwa die sogenannten VIPs, sondern vor allem Schwerbehinderte und Kinder.

So kosten die Dauerkarten für alle Jugendlichen unter 15 Jahren im Familienblock nun 153 € statt 98 €. Menschen mit starker körperlicher Beeinträchtigung zahlen seit dieser Saison für Dauerkarten der jeweiligen Kategorien lediglich 40 € weniger als Normalzahler; zuvor hatte sich der Rabatt noch auf 20% belaufen. Wenn sich also ein schwerbehinderter HSV-Fan zur Saison 2014/15 für eine Dauerkarte der Kategorie 3 interessierte, musste er noch 302,40 € hinblättern. Zur aktuellen Spielzeit beträgt der Preis für einer Dauerkarte derselben Kategorie 354 €. Ein Unterschied von 51,60 €.

Am schlimmsten trifft es ausgerechnet die Treuesten der Treuen: Fans mit Behindertenstatus, die ihre Dauerkarte zehn Jahre oder länger haben, müssen nun nicht mehr 180,70 €, sondern satte 355,70 € berappen. Das entspricht einem Preisanstieg von fast 100% (!).

Preiserhöhung nur bei den sozial Schwachen

Kein Wunder, dass sich nicht nur bei den Betroffenen Widerstand regt: Der „Supporters Club“, mit über 56.000 Mitgliedern der größte Fanclub des HSV, moniert in einer offiziellen Erklärung auf seiner Homepage „die Erhöhung ausgerechnet in den unteren Preiskategorien, in welchen sich gerade unsere Kinder und jugendlichen Anhänger die Dauerkarte, oftmals auf Grund ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse, mühsam zusammensparen müssen.“ Dies sei „definitiv der falsche Weg.“

Der Ticketchef des HSV, Kai Voerste, versuchte, die Vorwürfe zu entkräften, dürfte damit aber nur für noch mehr Unverständnis gesorgt haben. Er erklärte die saftige Preiserhöhung damit, dass „Schwerbehinderung (…) pauschal kein Grund für Ermäßigung“ sei. Der „Hamburger Morgenpost“ sagte Voerste lapidar, dass man bei den Dauerkarten für Behinderte nun „eine einheitliche Ermäßigung für alle habe.“ Dass damit auch ein finanzieller Nachteil für alle Betroffenen einhergeht, verschwieg er lieber – ebenso wie die Tatsache, dass Erwachsene für Dauerkarten der oberen drei Preiskategorien keinen Cent mehr bezahlen müssen.

(RP)

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