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Humor heilt – Eckart von Hirschhausen will Kliniken infizieren

Lachen ist gesund, heißt es im Volksmund. Doch in Krankenhäusern fällt das weder Patienten noch Mitarbeitern leicht. Von Anja Sokolow

Mit roter Nase:  Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen (Foto: Jens Kalaene/dpa)

Mit roter Nase: Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen (Foto: Jens Kalaene/dpa)

Seine Krankenhauskarriere hat der Arzt Eckart von Hirschhausen längst an den Nagel gehängt. „Jeder, der die Möglichkeit hat, etwas anderes zu machen, hört auf. Ich bin ein Teil davon“, sagt er. Doch Krankenhäuser beschäftigen den Bestseller-Autor und Moderator weiter.

Er will, dass dort der Humor ernst genommen wird. Der Gründer der Stiftung „Humor Hilft Heilen“ sorgt deshalb unter anderem dafür, dass Clowns mit roten Nasen Patienten zum Lachen bringen. Jetzt hat von Hirschhausen mit einer Studie erneut für seine Mission geworben.

Humor als humaner Schmierstoff

Die nicht repräsentative Befragung von 120 Patienten, Ärzten und Pflegern durch das Institut rheingold zeigte, dass eine gute Kommunikation im Klinikstress oft auf der Strecke bleibt. Dabei ist eine heilsame Stimmung aus Sicht von Hirschhausens wichtig für die Genesung.

Die Autoren der Studie bestätigen das: Sie sehen Humor als „humanen Schmierstoff in der Schicksalsmühle Krankenhaus“. Er helfe heilen, da er über die Hierarchien hinweg Nähe schaffe, Leid lindere und für eine andere Perspektive auf das Leben sorge.

Warum überhaupt lachen?

„Lachen ist ein Signal dafür, dass etwas leichter geworden ist, Vertrauen herrscht und neue Hoffnung aufkommt. Das ist in jeder Krisensituation Gold wert“, bestätigt auch der Begründer der „Rote Nasen“-Bewegung in Deutschland, Paul Kustermann, der seit Jahren in Kliniken für Spaß sorgt.

„Eine positive Grundstimmung in den Krankenhäusern ist gegeben“, ist der Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Moritz Quiske, überzeugt. Das müsse auch so sein. Anders könnten sich die Mitarbeiter den Aufgaben gar nicht stellen.

Humor – wichtig, aber nicht vorrangig

Quiske warnte aber davor, das Thema Humor „in der unmittelbaren Phase der stationären Krankenhausversorgung“ überzubewerten. „Sie liegen da mit einer aufgeschnittenen Hüfte, haben einen Herzinfarkt oder bekommen ein Kind. Da bedürfen Sie der hochwertigen Versorgung und der menschlichen Zuneigung.“ Humor sei hilfreich, aber nicht vorrangig.

Humor in Krankenhäusern habe nichts mit Witzen zu tun, erläutert der Psychologe und rheingold-Geschäftsführer Stephan Grünewald. Es gehe vielmehr um eine warmherzige Haltung, die für eine entkrampfende Atmosphäre sorge.

Humor? Leichter gesagt als gelacht

Das ist den Beteiligten laut Quiske auch bewusst: Bei allem lebensbedrohlichem Ernst, den es im Krankenhaus geben könne, wüssten Ärzte und Pflegekräfte, dass sie sich ein Minimum an Zuversicht und zwischenmenschlicher Zuneigung bewahren müssten. Dazu könne auch Humor zählen. Angesichts des Drucks durch die politischen Rahmenbedingungen werde es aber schwerer, den Humor zu bewahren.

„Ärzte und Pfleger sind heute völlig überlastet“, sagt die Geschäftsführerin des Bundesverbands Pflegemanagement, Sabine Girts. Auch sie meint, dass der Kostendruck, der auf den Krankenhäusern laste, nicht förderlich für die Stimmung sei.

Girts betonte aber auch, dass nicht bei jedem Patienten Humor angebracht ist. „Das muss individuell bewertet werden, da ist bei den Pflegekräften Empathie gefragt“, betonte sie. In der Ausbildung werde das gelernt.

(dpa)

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